Wenn es um Innovationen geht, ist das dänische Roskilde schon immer Taktgeber gewesen. In diesem Jahr möchte man ein Problem anpacken, das sich mit der aufkommenden Popularität von Musikfestivals ergab und seitdem ungelöst ist: Die gleichmässige Verteilung der Festivalisten auf dem Campingareal.

Gerade bei grösseren Festivals findet sich der ankommende Festivalbesucher nachdem er sein Festivalbändchen abgeholt hat in einem unwirklichen Szenario wieder. Vollbepackt bis unter die Achseln versucht er schneller als alle anderen den Campingplatz für sich einzunehmen. Im Normalfall erfolgt diese Landnahme komplett ungesteuert was nicht nur für Stress unter den Besuchern sondern auch zu einer ziemlichen Ungleichverteilung führt. Sprich: Später ankommende hecheln über den Platz von Areal zu Areal um sich und ihre Gruppe irgendwo in die verbliebenen Lücken zu quetschen.

Andernorts versucht man mit vorgeschobenen Warm-Up-Abenden den Strom der Besucher zu bändigen. Das hilft aber nur denen, die sich dann bereits aus dem Berufsleben loseisen können und wollen. Mit dem Ansatz des Roskilde könnte es für alle Festivalisten die am Starttag eintreffen stressärmer und zugleich befriedigender werden.
Beginnend mit diesem Jahr möchte man die Ticketkäufer dazu bringen, ihr Campingareal im Vorfeld über das Internet zu buchen. Auf dem Plan orangen ausgewiesene Areale sollen dafür zur Verfügung stehen während gelbe Flächen weiterhin nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt malt zuerst“ vergeben werden. Ein grün ausgewiesener Bereich ist Besuchern vorbehalten, die besondere Anstrengungen in Sachen Klimafreundlichkeit vorweisen können.

Noch ist das System, das geben die Veranstalter freimütig zu, noch nicht ganz ausgereift. Es gilt noch eine Aspekte auszuarbeiten bis im späteren Frühjahr die eigentliche Reservationsphase beginnt.

Bisher stehen folgende Eckpunkte: Für jedes der Areale gibt es eine maximale Kapazität. Ist diese erreicht wird das Buchen für diese beendet und man kann nur noch unter den verbliebenen Zonen wählen. Jeder kann für sich selbst nach Wunsch eine der 4 ausgewiesenen Zonen buchen und sein Zelt innerhalb dieser frei Schnauze aufstellen. Hat man Freunde dabei muss jede Person im Camp für sich selbst einen Platz reservieren. Zelte können anderen zum Aufbau mitgegeben werden und nach dem ersten Festivaltag verfallen alle Reservationen.

Meines Erachtens ist das System grandios. Es nimmt einem den Stress auf der Suche nach einem hübschen Plätzchen über das Gelände zu hecheln. Die Kapazitätsbegrenzung sorgt dafür, dass das Übercampen unterbleibt.

Was hälst Du von der Idee? Innovation oder übertriebene Reglementierung?


4 KOMMENTARE

  1. ich frag mich schon länger, warum man die zur verfügung stehende campingfläche nicht
    parzelliert und online ähnlich wie eine saalplatz – oder kinobuchung verkauft.
    der veranstalter kann die örtlichkeiten auch je nach attraktivität preislich unterschiedlich
    anbieten, die mehreinnahmen kann für zusätzliches einweisungspersonal genutzt werden.
    ich hatte zufällig heute die idee eines „ruhigen“ ü40-caravanplatzes, für diejenigen, die den
    halli-galli nicht mehr so schätzen, aber eine festival lieben. ich würds buchen.
    ;)

  2. Ich hab schon bei diversen Festivals in der Schlange stehend darüber nachgedacht, ob es zur Landnahme durch Schnelligkeit nicht bessere Alternativen gibt…

    Im Prinzip find ich die Grundidee gut. Aber mir fallen dann sofort 1000 Gründe ein, die dagegen sprechen…

    – Meiner Meinung nach unnorganisierbar, wenn die Meute losgelassen wird. Erfordert masig Personal
    – der Druck für Besucher ohne reservierte Plätze erhöht sich immens und Sinn macht das ja eigentlich nur, wenn die Reservierungen nicht auf kleine Flächen beschränkt werden
    – der Weg zur kostenpflichtigen Reservierung ist absehbar
    – Ein Stück „Festival-Anarchie“ geht verloren (damit könnt ich noch am besten leben)

    Aber wie gesagt, ich find das von der Grundidee her gut. Ich würd reservieren, wenn ich die Möglichkeit hätte.

    • Wenn Du wie beim Roskilde circa 50% der Fläche den Schnellen überlässt und den Rest vorher verplanst finde ich Dein Argument entkräftet. Auch das mit dem Personal finde ich nicht so schlimm den grosse Festivals mit getrenntem Musik- und Campingareal haben an den Campingeingängen sowieso Securities stehen. Ob die nun vor dem Gepäckcheck auch noch ein Bändchen/Ticket mit Campingberechtigung checken fällt imho nicht ins Gewicht.
      Derzeit plant man -das hab ich vergessen zu erwähnen- das System kostenlos. Du hast aber Recht, dass gewisse Anbieter sicher versuchen werden da Geld für abzuschöpfen. Stichwort: VIP-Camping.

      Das Problem, das ich sehe: Viele Festivals haben keine räumlich abgetrennten Campingzonen. Beispiel Southside, Area4 oder Gurten. Da extra Zäune für zu installieren wird viele Veranstalter abschrecken.

      Genau wie Du würde ich aber ohne weiter nachdenken Buchen. Selbst für einen kleinen Obulus um das System zu finanzieren. Als Pressefuzzi hab ich meistens schon jetzt den Luxus des Roskilde-Systems ;)

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