Foto: Thomas Peter

Es ist mir immer wieder ein Rätsel wie man es beim Area4 geschafft hat ein Quasi-Abo auf perfektes Wetter zu bekommen. Der Samstag stand dem sommerlichen Freitag in nichts nach, gestaltete sich sogar angenehmer. Ausgiebige Sonnenphasen wechselten mit Verschnaufpausen in denen Wolken ein wenig Schatten spendeten.

In Bezug auf Bands leistete sich Kylesa gestern bemerkenswerte 20 Minuten Verspätung – wohl gemerkt als Opener. Minute für Minute verstrich bei dem Versuch der Band den perfekten Sound für sich zu finden. Die wenigen Zuschauer nahmen es gelassen. Es scheinen auch nicht alle, so wie ich, geschockt gewesen zu sein als die sehr maskuline Stimme von Sängerin Laura Pleasants sich erstmals Bahn brach. Zum praktizierten Sludge will ich nicht viel Worte verlieren, ausser: Wird sicher nicht mein Lieblingsgenre. Was hängen blieb: Kylesa spielten mit 2 Drummern.
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Als nächstes waren The Ocean vorgesehen – reisten aber garnicht erst an. Kurzfristig konnte man für den Slot Long Distance Calling aus dem benachbarten Münster gewinnen. Die Postrock-Combo fügte sich gut ein sicherte sich mit ihrem unverhofften Konzert ein wenig Aufmerksamkeit.
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Für mich eine der Entdeckungen dieses Festivals sind Minus The Bear. Nicht nur weil sie einem Fotografen auch mal ein paar Motive fernab des statischen Mikrofonansingens gaben. Die experimentierfreudigen Indie-Rocker stammen aus dem Grunge-Nabel der Welt, Washington, dürften sich bald aber auch in meinem Plattenregal heimisch fühlen.
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Frank Turner ist wohl in die Schublade Singer/Songwriter einzusortieren. Äusserst locker aufgelegt, kommt sehr authentisch rüber. Pressekollegen schwärmen von seinen Interviews – da kann ich nicht mitreden.
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Blink-182 in jung? All Time Low! Pop-Punk mit leichtem Hang zur absoluten Selbstpräsentation. Dennoch oder gerade deshalb kurzweilig anzuschauen und durchaus witzig.
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Der erste wirkliche Höhepunkt des Tages war das „Heimspiel“ der Donots. Beheimatete etwa 90km vom Festivalgelände entfernt, hatten die Jungs aus Ibbenbüren hatten die massive Crowd von Anfang an mit sich. Teilweise schienen sie über den Mantel der Show hinweg selbst vom grandiosen Support der Zuschauer überrascht. Am Taubertal letzte Woche waren sie bereits gefeiert worden, doch das Konzert am Area4 war stimmungstechnisch nochmal eine ganz andere Dimension. Der Moment des Auftritts war das zum Festivalstandart erhobene Absetzen in der Deluxe-Version. Jeder sollte vom Boden aufheben was ihm gerade in die Hände fiel. Beim Aufstehen dann in die Luft schleudern – ein absolut imposantes Bild. Leider nur in mein Hirn eingebrannt, denn es fehlte eine Kamera zur Hand.
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Wo stünden The Sounds ohne ihre Frontfrau Maja Ivarsson? Eine zugegeben eher rhetorische Frage. Die Dame ist mit Anfang 30 etwas züchtiger geworden. Nekische Röcke und Hotpants wurden konservativer, aber leider nicht hübscher. Ein wenig gewöhnungsbedürftig war das Outfit auch gestern. Das einmal ausgeklammert ist es einfach immer wieder ein Erlebnis die Schweden in Aktion zu erleben. Sie gehören halt irgendwie zum Inventar der alljährlichen Festivalsaison.
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Nicht totzukriegen ist Monster Magnet. Die Jahre mit Alkohol und Drogen haben ihre Spuren hinterlassen, oft stand die Band nach ihrem „Space Lord“ Charterfolg auf der Kippe. Immer ging es irgendwie weiter. Dave Wyndorf predigt seine Songs noch immer rockgewaltig und gestenreich. Schmutziger Rock als Destillat.
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Dass WIZO die Zuschauer dermassen fesseln würde, war vorher kaum abzusehen. Die Massen bebten als das Trio seine Version des Punk auslebte. Pech für die Blink-182 Girlies in Reihe 1. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten sie ihren Platz verteidigen, doch irgendwann war die Enge und der Druck von hinten einfach zu viel. Sie mussten weichen und was ich für Erschöpfungstränen hielt, waren welche der Trauer. Den Heroen so nah gewesen und kurz vor dem Ziel aus allen Träumen gezogen. In gewisser Weise tragisch.
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So mussten Blink-182 also ohne ihre jugendlichen Groupies auskommen. Ging schon. Zumindest so lange Tom DeLong nur seine Gitarre malträtierte und nicht den Mund aufmachte, lieferten Blink-182 einen professionellen Auftritt ab. Sein Gesang allerdings ist leider immernoch unterdurschnittlich. Rausgerissen haben es für ihn die beiden anderen Bandmitglieder. Speziell Travis Barker lieferte oben ohne eine beeindruckende Show hinter den Drums. Mit seinen Tattoos und der feinen Technik, vorgetragen in unglaublicher Härte und Geschwindigkeit, wirkte sein Treiben fast wie ein Auftritt im Auftritt. Und dass Mark Hoppus eine Rampensau ist, wissen wir nicht erst seit gestern.
Von Anfang weg legten die reunionierten Pop-Punker ein hohes Tempo vor. Hit wurde an Hit gereiht. Und man war doch verwundert wie viele davon die Band Anfang des Jahrtausends wirklich gehabt hatte. Man darf gespannt sein, ob sie mit dem neuen Material an alte Erfolge anknüpfen können. Apropos: Nach einer ziemlich langen Pause vor der Zugabe zündete das Trio zum furiosen Ende ein Konfettifeuerwerk ehe sie hinter der Bühne verschwanden.
Fotos von Blink-182 konnten wir mangels Zulassung keine machen.