So sehen Liveblogger aus
So sehen Liveblogger aus

Es hat schon was von einem zweiten Date. Man macht sich schick, beduftet sich mit feinstem Deodorant, packt seine Sachen zusammen und fährt zum Treffen mit seiner Angebeten. Nur die obligatorischen Pralinen oder Blumen sind nicht mit im Spiel. Von Sex ganz zu schweigen.
In dieser Geschichte würde die Rolle der Verehrten wohl dem Area4 zufallen.

Im letzten Jahr war das Area4 nicht nur Saisonabschluss, sondern zugleich auch unerwarteter Höhepunkt des Festivalsommers. Man hatte die Karte kurfristig gewonnen, wusste nicht recht was einen bei dem neu aufgelegten Festival erwarten würde. Es war ein Abenteuer mit eindeutig positivem Ausgang.
Daher war die Vorfreude wohl auch ungleich höher als bei so manch anderem Festival in diesem Jahr. Um sie nochmal zu steigern dudelte in den vergangenen Tagen permanent unser Area4-Einstimmungsradio in voller Lautstärke durchs Haus und ich ertappte mich ein ums andere Mal dabei den Lineupfaltplan zu erweitern (druckerschonend oder einfach schön).

Der Anreiseplan
Der Anreiseplan

Nun sitze ich in der Regionalbahn und erfreue mich an der gelegentlich vorhandenen Internetverbindung via Surfstick. Das hilft ungemein den altmodrigen Geruch, der einem hier permanent in die Nasenhöle zieht, auszublenden. Durchalten bis Mainz ist angesagt. Dann geht es eine Stufe nobler im IC weiter nach Köln ehe man bis Essen dann kurzzeitig den Luxus eines ICE geniesen kann. Die letzten Meter werden dann wieder in der Holzklasse bis Dülmen Bahnhof zurückgelegt. Schlappe 6 Stunden nach Aufbruch in Aschaffenburg sollte ich dann gegen 16 Uhr am Festivalgelände aufschlagen. Keinen Moment zu früh, denn erst dann werden sich die imaginären Tore der Gästeakkreditierung öffnen.

Treue Leser wissen es bereits: Der Flirt mit einem eeePc als Mittel der Festivalberichterstattung ist endgültig beendet. Zum Area4 trage ich nun meinem täglich genutztes Notebook. Für zusätzliches Gewicht sorgt ausserdem das neuerworbene mobile, digitale Audioaufzeichnungsgerät. Kein Scherz. So wurde mein Zoom H2 beim Zoll nach mehrminütigem Ausloten schliesslich deklariert.
Sinn und Zeck des Kaufs: Mehr Leben ins Festivalisten-Radio bringen. Womit? Aufnahme von O-Tönen Verantwortlicher und Festivalisten, denkwürdige Sprüche der Bands mitschneiden – die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt.
Jedenfalls: Ich muss wohl so bemitleidenswert bepackt ausgesehen haben, dass eine Dame mittleren Alters das Bedürfnis hatte auf der Hauptstrasse das Autofenster herunterzukurbeln und mich zur Mitfahrt einzuladen. Dankend lehnte ich ab, fand soviel Hilfbereitschaft aber durchaus süss. Der Start in den Anreisetag hätte schlimmer verlaufen können.