So, ich melde mich zurück vom Rock am See 2008. Mit diesem eintägigem Festival geht nun auch mein Festivalsommer zu Ende.

Es war wunderbares Wetter in Konstanz, keine einzige Wolke ließ sich während des gesamten Konzerts am Himmel blicken, so ist es auch nicht verwunderlich dass die meisten Festivalisten, wie auch ich, das Festivalgelände am Abend mit einem glühendem Sonnenbrand verließen. In den schattenlosen ersten Reihen sorgten die Veranstalter mit Feuerwehrschläuchen für Abkühlung.

Von der Location fand ich das Bodenseestadion sehr schön, während der Umbaupausen luden die Steintribüne zum verweilen ein oder man konnte sich mit allerlei Merchandise eindecken, wie z.B. einem Rock am See-Stoffbändchen (Taubertal lässt grüßen), das aber schon nach kurzer Zeit ausverkauft war, deshalb gingen viele Festivalisten leer aus. Auch ich konnte leider keines mehr ergattern.

Ansonsten wäre noch das etwas eigene Bezahlungsystem zu erwähnen, Trinken und Essen wurden nur gegen Wertbons ausgegeben, erhältlich waren diese im Wert von 0.50€ – 3.80€. Mich hat diese Form des Bezahlens nicht wirklich überzeugt da man sich erst an der Bonkasse und danach an den Essens- und Trinkständen anstellen musste. Zum Glück konnte ich im Pressebreich mit Bargeld bezahlen, hier waren die Getränke deutlich billiger als auf dem Gelände wo ein 0.3 l Getränk 2.80€ + 1€ Pfand kostete.

Aber nun zu den Bands:

The Subways
The Subways, alle Bilder: Schroedersepp

Los gings mit The Subways, meinem absoluten Festivalhighlight. Obwohl sie als erste Band das Openair eröffneten, war der vordere der zwei Wellenbrecher schon gut gefüllt auch der zweite war gut besucht. Die drei jungen Briten eröffneten ihren Auftritt mit dem Song „Kalifornia“ und heizten dem ohnehin schon schwitzendem Publikum gleich mächtig ein. Der oberkörperfreie Billy und die wie immer wunderschön anzuschauende Charlotte wirbelten wie kleine Tornados über die Bühne und machten ihrem Ruf als Spitzen-Liveband alle Ehre. Auch das Publikum kochte, ob nun beim Schreiwettkampf den der Sänger zwischen rechter und linker Zuschauerhälfte initiierte oder beim mitsingen zu Liedern wie „Mary“. Abschließend spielten sie noch ihren größten Hit „Rock & Roll Queen“ beim dem die letzte Strophe in Deutsch gesungen wurde.

The Futureheads
The Futureheads

Weiter gings mit den Futureheads. Im Wellenbrecher war es deutlich leerer geworden aber das restliche Stadion füllte sich langsam aber sicher. Die Sonne brannte jetzt auch gnadenlos auf die Bühne und brachte auch die Futureheads zum schwitzen. Ich fand Auftritt ziemlich gelungen, aber es teilten wohl nicht alle meine Meinung da die Publikumsbeteiligung stark nachließ. So wurde ihr erfolgreichstes Lied „Hounds of Love“ eher mäßig mitgesungen. Nichtsdestotrotz spielten sie in meinen Augen eine gute Show zu Ende.

Deichkind
Deichkind

Als nächstes wurde die „beste Partyband der Welt“ angekündigt: Deichkind.
Schon beim Aufbau sorgten Requisiten wie Trampolins oder Stepping-Hometrainer für Vorfreude auf die anstehende Show. Mit großen Beifall kamen die Hamburger, wie immer in Plastikmüllsäcke gekleidet auf die Bühne. Was nun folgte war, nun ja nennen wir es eine „einzigartige“ Show.
Vom intensiven Gebrauch der beiden Trampoline und Konfettiregen bis hin zur Schifffahrt mit einem Schlauchboot über die Publikumsmassen war alles geboten. Bei ihren Songs wie „E.S.D.B.“ oder „Remmidemmi“ war die Stimmung, die bei den vorangegangen Futureheads gefehlt hatte, sofort wieder da. Besondere Erwähnung verdient auch die „Zitze“, hierbei wurde ein großer Kanister mit hochprozentigem Inhalt auf die Bühne gebracht und das Publikum durch mehrere Schläuche damit „gefüttert“.

Plain White Ts
Plain White Ts

Nach dem anstrengendem Deichkind Auftritt standen nun die Plain White T’s auf dem Plan. Elegant mit Sonnenbrillen präsentierte sich die Jungs aus Chicago. Diese war bei der gnadenlosen Sonne jetzt auch bitter nötig da es so gut wie keine Schatten mehr gab in den man sich retten hätte können. Es wurden schnellere Lieder gespielt wie „You and Me“ aber auch ruhigere, beispielsweise der bisher größte Hit „Hey There Delilah“ oder „Will write you a Song“ den der Sänger Tom Higgenson allen anwesenden Mädels widmete. Praktischer Weise standen die auch zum Grossteil in den ersten Reihen. Obwohl der Sound nicht optimal war, war es dennoch ein gelungener Auftritt.

Bad Religion
Bad Religion

Nach einer kurzen Pause im Pressezelt kehrte ich zurück um mir den Auftritt vom Bad Religion anzusehen. Die erste der drei „Alt-Herren-Punkbands“ lieferten einen durchaus guten Auftritt ab.
Auch sie litten unter der Sonne, aber nahmen das ganze mit Humor: „Wisst ihr was bei solchen Wetter toll daran ist schwarze Sachen zu tragen? – Gar nichts!“. Die Kalifornier heizten den Mengen mit ihren Liedern wie „Punk Rock Song“ noch auf. Sogar schon fast etwas zu sehr, da es selbst im zweitem Wellenbrecher, in dem ich mich mittlerweile zurückgezogen hatte, zu für meinen Geschmack zu heftigem Pogo kam. Auch die Sonne trat den Rückzug an und verschwand langsam hinter den Bäumen.

Mit dem Auftritt gingen auch langsam meine Batterien zu Ende, deshalb gibt es von Iggy & The Stooges und den Ärzten leider keine Bilder mehr.

Und nun zu Iggy Pop, man kann sich darüber streiten ob der Auftritt gut oder schlecht war, die Iggy & Stooges Fans sind auf jedenfall auf ihre Kosten gekommen und mir hat der Auftritt auch recht gut gefallen. Iggy performte mit seiner außergewöhnlichen Bühnenshow unter anderem auch „I wanna be your dog“.
Jetzt zur anderen Seite des Auftritts, Iggy hatte es sehr schwer die Leute zu motivieren da sich in den vorderen Reihen schon viele Ärzte-Fans befanden und nur noch auf „Die beste Band der Welt“ warten, was die Stimmung nicht sonderlich hob. Erinnerungen ans Frequency 2008 und Nine Inch Nails eingeschoben zwischen Beatsteaks und Die Ärzte wurden wach. Aber auch die Bemerkungen, des unübersehbar genervten Iggy, über den vermeintlich Musikgeschmack der jüngeren Zuschauer, die nichts mit seiner Musik anfangen konnten, hoben die Laune nicht sonderlich. Als die Band dann von der Bühne ging und nur verhalten Zugabe-Rufe zu hören waren, dauerte es etwas bis sich Iggy doch noch dazu durchringen konnte einen letzten Song zu spielen. Sichtlich frustriert zerdonnerte Iggy am Ende einen Mikrofonständer und verließ ohne Gruß die Bühne.

Endlich legten die Ärzte los! Da dies das letzte Konzert der Drei, für dieses Jahr sein sollte waren sehr viele Ärzte Fans angereist. Zum Beginn des Konzerts war das Publikum noch etwas zurückhaltender doch durch mehrmalige Aufforderungen sich doch etwas mehr zu beteiligen war das Eis schnell gebrochen. Gespielt wurden die üblichen Nummern. „Der Graf“ wurde kurzerhand den Subways gewidmet, von denen besoners Bela B. sehr angetan war. Währendessen flogen aus der Zuschauermenge kleine Plastikfledermäuse auf die Bühne mit denen Farin einen sehr lustigen Dialog führte.
Auch die von den Ärzten so geliebte Laola-Welle wurde zelebriert, diesmal in der Hochgeschwindigkeitsausführung. Außerdem demonstrierten sie wieder einmal ihr Nordic Walking-Talent angeführt vom „God of Nordic Walking“ Rodrigo Gonzales. Für weitere Lacher sorgten am Ende des Konzerts die ausschweifenden Liebesbekundungen der Band untereinander. Alles in allem ein schönes Konzert vielleicht nicht das beste Ärztekonzert aller Zeiten, aber doch sehr unterhaltsam.

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