Fotos: Steffen Neumeister

Mitten in der Kölner Innenstadt machte sich eine große Menschentraube breit. Die einen tranken Bier, andere spielten Gitarre und sangen mit dem Rest die Hits des Mannes auf den hier alle warteten. Bei schönem Wetter machte das Warten vor dem Club…nein, Club wäre übertrieben…vor der Kneipe gleich viel mehr Spaß. Das Blue Shell meldete bereits 2 Stunden nach Vorverkaufsstart den Ausverkauf, die Anwesenden konnten sich also glücklich schätzen eine der heißbegerten Karten ergattert zu haben.

Der Abend wurde vom Mainzer Singer-Songwriter Ghost Of A Chance eröffnet. Anfangs musste er um die Aufmerksamkeit der Zuschauer im zum Bersten gefüllten Blue-Shell kämpfen, allerdings konnte er mit der Qualität seiner Songs, welche eher ins ruhigere und nachdenklichere drifteten, dann doch überzeugen.

Nach einer kurzen Pause kämpfte sich der Mann des Abends seinen Weg durch die Zuschauer (einen Zugang zur Bühne von hinten gab es nicht) und griff sich die bereit stehende Gitarre. Die Leute drehten durch, ohne, dass auch nur ein Ton gespielt wurde. Frank Turner war da, jetzt konnte es losgehen! Er eröffnete sein Set schon fast traditionell mit Eulogy, gefolgt von Try This At Home. Die Zuschauer sangen lauthals mit und die Party war im vollen Gange. Frank spielte viele Songs vom bald erscheinenden Album England Keep My Bones, doch auch hier ging man nicht etwa auf Toilette oder holte sich ein Bier, nein, man lauschte andächtig und gespannt den neuen Klängen.

Eine Setlist gab es nicht, Frank Turner entschied spontan welche Songs er spielte und ging desöfteren auch mal auf Wünsche ein, welche aus dem Zuschauerraum reingerufen wurden. Zwischendurch gab es immer wieder ein paar amüsante Anekdoten über Franks bescheidene Deutschkenntnisse oder Saufeskapaden mit Musikerkollegen wie zum Beispiel John Snodgrass.

Da stand er also, ein Engländer allein in Deutschland, nur mit seiner Gitarre um den Schultern und den Liedern in seinem Kopf und doch verbreitete er so viel Spaß und Freude, wie es andere Bands in Vollbesetzung nicht schaffen. Nach 90 Minuten ersparte er sich das mühsame von der Bühne gehen, einen Hinterausgang gab es ja nicht, trank einen Schluck aus seiner Bierflasche und spielte die letzten beiden Songs des Abends. Einer dieser beiden Songs war das Queen Cover I Want To Break Free welches, zumindest im Refrain, von jedem mitgegröhlt werden konnte. Den Abschluss machte der Klassiker The Ballad Of Me And My Friends, bei dem man die Gänsehaut in der Luft greifen konnte. Frank Turner verabschiedete sich mit der Info, dass er im November wieder auf Headliner-Deutschlandtour ist und man sich freuen könne.

Im späteren Gespräch an der Theke konnte ich ihm noch ein paar weitere Infos zur Tour entlocken: Sie wird ca. 10 Konzerte umfassen, mit kompletter Bandsbesetzung gespielt und eine nicht unbekannte Supportband aus den USA mit sich bringen.

So ging ein schöner Abend mit einem grundsympathischen Musiker und toller Musik zu Ende, eigentlich schade, dass man ihn in Zukunft immer seltener in solch kleinen Locations zu sehen bekommen wird.

 

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