Ich weiß, Lena ist nicht die Art von Konzert, von der ich sonst berichte, aber für 7€ Kartenpreis in einem bekannten Online-Auktionshaus wollte ich mir das Spektakel mal anschauen.

An der Dortmunder Westfalenhalle angekommen hätte man meinen können, dass man sich auf einer Automesse befindet, deren einziger Aussteller Opel ist. Überall Werbestände und riesige Plakatwände mit Lenas in Opels. Wenn man es dann aber mal zum Eingang geschafft hatte, ging das ganze relativ flott.

Fotos: Steffen Neumeister

Da der Vorverkauf sehr schlecht lief, war der komplette Oberrang geschlossen und der Innenraum bestuhlt. So richtig voll wollte die Halle aber dennoch nicht werden. Jedoch was man an Konzertbesuchern in der Halle vorfand war teilweise wirklich surreal. Man sah Damenkegelclubs die sich angeschwipst auf das Konzert freuten, Fußballfans, welche wohl einige der vielen Freikarten, die von Opel verschenkt wurden, ergattert hatten und ihre Schlachtrufe durchs weite Rund jagten, pubertierende Zahnspanngenmädchen die bei jeder Bewegung eines Crewmitglieds auf der Bühne anfingen zu kreischen und der wohl größte Teil: Familien mit Kindern.

In dieser komischen Atmosphäre erklommen kurz vor 8 die Indie-Rocker der Kleinstadthelden die monströse Bühne. Sie gaben direkt Vollgas und legten direkt mit viel Energie los. Sänger Simon bemühte sich sichtlich die Leute in der Halle mitzureißen, was jedoch wenig bis gar nicht gelang. Die wirklich gute Vorstellung, welche die Band aus Osterholz-Scharmbeck dort ablieferte, wurde leider nicht gebührend gewürdigt. Nach 20 Minuten war das ganze auch schon wieder vorbei und man wartete gespannt auf den Hauptact des Abends.

In der Umbaupause verließen viele nochmal den Saal, um sich mit Knabbereien und Getränken einzudecken. Popcorn auf Konzerten? Auch etwas, was ich aus meiner Konzertwelt bisher noch nicht kannte. Nunja, ist nunmal kein Punk-Konzert heute. So, alle mit Leckereien eingedeckt und wieder auf den Plätzen? Dann kanns ja losgehen.

Die Lichter in der Halle gingen aus und Lenas Band betrat die Bühne, Jubel brandete auf und es ging direkt ohne Intro los. Als Lena selbst die Bühne betrat, wurde einem das wahre Ausmaß der Bühne erst so wirklich bewusst. Eine unfassbare Hochglanzproduktion wie man sie sonst nur von den ganz großen des Popbusiness kennt erleuchtete die Halle und die gefühlt-fußballfeldgroßen Videowalls links und rechts zeigten auch jede noch so kleine Porenunebenheit in Lenas Gesicht.

So plätscherte das Konzert vor sich hin und der eine oder andere wippte sogar völlig ausgelassen mit dem Fuß mit. Hier mal eine kleine Snoop Dogg Einlage von Lena, dort mal ein Lockeres „Ich bin so froh heute bei euch spielen zu dürfen, Dortmund!“ und die Konzertmeute war fürs erste zufriedengestellt. Wirklich fesselnd wurde es das erste mal bei Taken By A Stranger, ihrer aktuellen Single. Der Saal wurde in ein kühles Blau getränkt, welches zur düsteren Atmosphäre des Songs beitrug. Danach ging es locker-flockig weiter duch die poppige Lena-Welt und man merkte, dass alle doch nur auf den einen Song warteten. Da war er endlich: Sattelite! Die Leute sangen lauthals mit und es wurde sogar von Konzertbesuchern berichtet, welche sich von ihren Sitzen erhoben.

Direkt darauf verließ Lena die Bühne um nach einigen Zugabe-Rufen nochmal zurück zu kommen und den, meiner Meinung, musikalischen Höhepunkt des Abends zu liefern. Mit dem Paolo Nutini Cover New Shoes brachte sie nochmal richtig Stimmung in den Laden und konnte sogar mir einige Kopfnicker entlocken.

Nach ordentlichen 100 Minuten Spielzeit bleibt ein Fazit: Wären die gebuchten Hallen um die Hälfte kleiner und die Karten 10€ günstiger gewesen, so hätte diese Tour wirklich ein Erfolg werden können. So aber blieb ein kurzweiliger, teilweise zu sehr perfektionierter Konzertabend in bester DSDS Manier vor leeren Rängen.

Da freut man sich direkt auf das nächste Punkkonzert in einer kleinen Kneipe vor 50 Zuschauern.

15 KOMMENTARE

  1. Ich habe gestern das Konzert in Stuttgart besucht und fand es eigentlich recht gut, da waren Sound und Bühnenpräsenz bei manchen „großen Namen“ in der Musikbranche deutlich schlechter… ausverkauft war es zwar nicht, aber die Schleyerhalle zu gut 90 % gefüllt. Opel-Werbung fand ich auch keine, alles in allem ein überdurchschnittlich gelungener Konzertabend in guter und entspannter Stimmung.

  2. Hi,
    Deine Meinung zum Musikalischen würde mich auch interessieren. Zwischen Enthusiasten und Ablehnenden scheint es nicht viel Realistisches zu geben. Es sei denn, sie ist entweder wirklich richtig gut oder sauschlecht.

  3. Netter Artikel, ich denke es hat nicht mal an den zu großen Hallen gelegen. Ich wollte eigentlich auch mit ner Gruppe nach Frankfurt zum Konzert, der Kartenpreis von 40(!) Euro hat uns damals dann aber abgeschreckt. Da zahlt man ja für manchen Headliner weniger

    • (Dass die aufwendige Produktion in direkter Korrelation zum Ticketpreis stehen könnte, sei hier nur am Rande erwähnt.)

  4. Liest sich auch als Lena-Fan angenehm, wenn man mal vom Fazit, „DSDS Manier“, absieht, der den Artikel entwertet.

    Deine Einschätzung, daß die Hallen zu groß seien, teile ich selbstverständlich nicht, vielmehr ist es so, daß der Horizont vieler Skeptiker schlicht zu klein ist, um sich auch nur annähernd vorstellen zu können, daß Lena auf ihrer ersten Tour Hallen dieser Größen füllen und unterhalten könnte und die deshalb vorsorglich zuhause bleiben. In Frankfurt und Hannover war die Hütte offensichtlich voll und die nächst kleinere Hallenkategorie hätte viele enttäuschte Fans hinterlassen. Wie man’s macht, isses halt verkehrt.

    Sido war ebenfalls in Dortmund und hat Push Forward zu seinem Favoriten gekürt, man mag es kaum für möglich halten. :)
    http://yfrog.com/i3zxwz

  5. Dein ehrlicher Bericht hebt sich sehr wohltuend von der Hetze mancher Medien ab, die leider bei manchen Lenafans zur Zeit die Nerven etwas blank liegen lässt. Danke auch von mir.

  6. In meinen Augen ist dies auch nur ein Bericht eines Punkers, der sich mal eben herabgelassen hat, über ein Konzert von Lena zu berichten! Kann man lesen, muss man aber nicht! Negatives kann man auch in der Bild-Zeitung lesen! Da weiß man aber auch, das die keine Ahnung haben, weil die nie ein Interview von Lena bekommen werden!

    • Naja, ich habe ja nicht alles als schlecht hingestellt. Ich hatte meinen Spaß an dem Abend, wie ich es auch schrieb. Nur ist es einfach nicht meine Welt. Und ein Punker bin ich auch nicht ;)

    • Bin der Meinung ein negativer Artikel liest sich anders. Das dürftest Du als Fan genauer wissen.

      Dass man eine erste Tour in den grössten Hallen Deutschlands bucht ist nun mal leider vermessen. Fakt. Und dass man die Karten per Opel an alle verschenkt hat, die nicht rechtzeitig weglaufen konnten auch. Daher kommt die Flut von 5-10 Euro Tickets auf ebay.

      Steffen bescheibt nur was er gesehen hat. Und es hat Dich keiner gezwungen diese Seite anzusurfen und unsere Meinungen zu lesen.

      Ich bin Lena gegenüber nicht negativ eingestellt, finde aber ihr Management hat die Tour verbockt. Und das sehen imho einige Leute ähnlich.

  7. klingt so als versucht man mit allen möglichen mitteln lena zu nem superstar zu machen und dass man ganz eindeutig gescheitert ist.
    schade find ich dass nicht aufs musikalische eingegangen wurde . ich hätte gerne gewusst ob es wenigstens gut klang was lena hervorgebracht hat

  8. Hallo!
    Der Bericht vermittelt mir auch einen guten, ungeschönten Eindruck. Gut, ich muss zugeben, ich mag Lena überhaupt nicht. Finde sie ist auch kein wenig natürlich, aber egal, man wünscht ja keinem etwas böses. Mir kommt es so vor als wollte man da mit Gewalt ein tolles Konzert abliefern, mit riesiger Bühne und Licht in viel zu großen Hallen. Aber um ein großer
    Musiker zu werden, braucht es Zeit, und keinen Raab.

    • Dem kann ich nur zustimmen.
      Danke Steffen! Vermittelt wirklich den Eindruck als wäre man selber dort gewesen.

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