Foto: Steffen Neumeister

Als Metropole der Rockstars kann man das Örtchen Osterholz-Scharmbeck bei Bremen nicht grade bezeichnen, doch manchmal verschlägt es auch diese seltene Spezies Mensch in die hintersten Ecken Deutschlands.

Laternen-Joe alias Die Ärzte luden ein und ca. 1500 Fans folgten den Rufen. Als Club konnte man die Stadthalle wirklich nicht mehr bezeichnen, allerdings war es für Ärzte-Verhältnisse eine sehr kleine Location.

Der Einlass mit den personalisierten Tickets klappte schnell und reibungslos und auch die Leibesvisitation am Eingang ging schnell vonstatten. Im Foyer der bereits gut gefüllten Stadthalle deckten sich noch die letzten mit Laternen-Joe Tourshirts ein und im Raucherbereich breiteten sich blaue Dunstschwaden in der Luft aus. Kurz vor 8 machten sich allerdings auch die dem Kaufrausch und der Nikotinsucht verfallenen Konzertbesucher auf in Richtung Haupthalle. Mit etwas Verspätung erloschen dann auch die Lichter und Jubel brandete in der Halle auf.

Nach einem kurzen Intro bestehend aus einem Kinder-Laternenlied fiel der Vorhang und nicht die erwarteten Ärzte sondern Satan aus Schenefeld, eine fiktive Band, bestehend aus Crewmitgliedern stand auf der Bühne. Sie schrammelten ein paar Akkorde herunter. Nach ca. 3 Minuten übergaben sie die Instrumente dann an die eigentlichen Protagonisten des Abends und die Show konnte so richtig beginnen. Direkt zu Anfang die Ankündigung, dass sich Laternen-Joe mit dem heutigen Abend auflösen werden, mit der Option dies noch vor dem ersten Lied zu tun. Das Publikum entschied sich aber dann doch für die Variante nach dem Konzert.

Eröffnet wurde das Set von 2 Laternen-Joe Songs bei denen sich das alterstechnisch bunt gemischte Publikum erst einmal warm tanzte. Richtig in Wallung kam die Meute erst bei den ersten wirklichen Ärzte-Songs. Es ging weit gefächert und mit guter Laune quer durch die komplette Diskographie der Band. Hier und da mal eine kleine Stichelei gegen Zwickau oder auch Pahlen, wo das Publikum wohl nicht so angenehm gerochen haben soll.

Eine erstaunlich harte und Hit-arme Setlist rührte die doch recht steril wirkende Stadthalle kräftig durch und sorgte für enorme Hitze und verschwitzte T-Shirts. Die Band blödelte in bester Ärzte-Manier herum und brachte eine nette Diskoversion von Am Ende meines Körpers oder eine Motiviert/nicht motiviert Version von A-Moll hervor. Nach 2 Pausen gabs mit dem letzten Zugabenblock noch eine eher langweilige, weil totgespielte Hitsektion mit Songs wie Deine Schuld oder Schrei nach Liebe, allerdings auch einer netten Perle mit dem spontan eingeschobenen Buddy Hollys Brille.

Nach guten 140 Minuten war dann endgültig Schluss und die nass gerockten Fans wurden in die kalte Nacht entlassen.

Was bleibt? Die Ärzte sind wieder da, haben die Kritik nach dem eher unschön verlaufenem Tourauftakt aufgenommen und umgesetzt und haben ein gutes Konzert abgeliefert. Gut beschreibt diesen Abend wohl am besten, denn schlecht war es absolut nicht, jedoch hat man die Band aber auch schon in besserer Form erlebt. Man darf nun jedenfalls gespannt sein, was die Fans der Ärzte in naher Zukunft erwarten wird.