Update: Während der Name auf dem aktuellen Flyer des Festivals nach wie vor zu sehen ist (Reihe 4, 1. links), ist Frittenbude mittlerweile still und heimlich aus der Auflistung des LineUps auf Startseite und Programmübersicht gestrichen worden.

Damit ist davon auszugehen, dass sich der Veranstalter, wie unten geschildert, für Capleton und gegen den Auftritt Frittenbudes entschieden hat, nachdem beides zusammen bei der bekannten Haltung der Audiolith-Gruppe nicht möglich zu sein scheint.

 

 

Dass die Buchung Frittenbudes auf dem Chiemsee Reggae Summer der Musikrichtung wegen für Aufsehen würde, galt als gesichert. Und auch die jetztige Meldung hatte die vergangenen Tage bereits einen Vorboten: Über Facebook auf die CRS-Teilnahme Capletons aufmerksam gemacht, zeigte sich die Band schockiert: Von Seiten der Veranstalter  habe man der Band „versichert, dass keiner dieser homophoben Vollidioten dort auftreten wird.“ Im CRS Forum wurde daraufhin diskutiert, ob folgende Aussage bereits als heimleiche Absage Capletons gedeutet werden dürfte. Das dürfte zum jetzigen Zeitpunkt auszuschließen zu sein.

Währenddessen haben sich Frittenbude über den bandeigenen Blog dezidiert zu dem Thema geäußert: „SOLANGE CAPLETON ODER IRGEND EIN ANDERER HOMOPHOBER „KÜNSTLER“ AUF DEM CHIEMSEE REGGAE SUMMER SPIELT, IST UNSER AUFTRITT DORT GECANCELLED“, so in einem Eintrag von heute. Man habe die Zusage explizit an die Bedingung geknöpft, sich die Bühne nicht mit homophoben Künstlern teilen zu müssen, deren „IDIOTISCHE PROPAGANDA“ man nicht verbreitet sehen wolle.

Ein Forenuser auf chiemsee-reggae.de hat darauf reagiert und  – nach eigener Aussage – mit dem Veranstalter telefoniert. Folgendes Statement habe er von diesem erhalten: „Von Veranstalterseite spielt Capleton 100%tig, eher schmeissen wir Frittenbude“. Verifizieren können wir diese Aussage derzeit allerdings nicht. Ein öffentlicher Kommentar der Macher steht derzeit noch aus.

Wie im vergangenen Jahr spielt damit bereits im Vorfeld des Festivals das Verhältnis einiger jamaikanischer Musiker zum Thema Homosexualität eine gewichtige Rolle. Die Verpflichtung Sizzlas hatte 2010 weitreichenden Protest nach sich gezogen, der bis hin zu Warnungen vor möglichen Buttersäureattacken während des Konzertes gereicht hatte. Obwohl der Veranstalter sich, mit Verweis auf die Kunst- und Meinungsfreiheit, bis zuletzt für den Künstler ausgesprochen hatte, musste der Auftritt schließlich abgesagt werden. Nach Aussage des Veranstalters habe die sichere Durchführung des Festivals bei den bestehenden Protestankündigungen in Frage gestanden. Auch in diesem Jahr gibt es eine Protestbewegung von Gegnern Capletons. Eine initiierte Facebook-Seite, sie wirbt gegen die Buchung Capletons, hat derzeit rund 220 Fans.

Über Frittenbude schreiben wir im Bezug auf diesen Aspekt nicht zum ersten Mal. Der abgebrochene Auftritt auf dem Mini Rock Festival (“Auf so ne sexistische Scheiße hab ich echt keinen Bock.“) hatte für heftige Kontroversen gesorgt. Auch dieses Mal dürften die Meinungen auseinander gehen. Eine konsequente Entscheidung oder ein Fehler, weil man beim Festival selbst viel besser seinen Standpunkt zum Ausdruck bringen könnte?

 

12 KOMMENTARE

  1. Dank Menschen wie Capleton ist die Lage von Homosexuellen auf Jamaika ist dramatisch. Homosexualität ist illegal und Homophobie kulturell tief in der Gesellschaft verankert. Bis zu 15 Jahre Haft drohen für einfaches Händchenhalten. Körperverletzungen und Morde an Homosexuellen haben nach Presseberichten in den letzten Jahren immer mehr zugenommen (vgl. u. a. ARD Weltspiegel 6. Mai 2007 und NEON Februar 2008). Dabei kommt es häufig zu öffentlichen Mob- und Lynchszenen, an denen nicht selten auch die Polizei aktiv beteiligt ist. Der Vorsitzende der jamaikanischen Homosexuellenorganisation J-Flag, Brian Williamson, wurde 2004 ermordet, ebenso wie 2005 der offen homosexuelle Koordinator von Aids-Hilfsprogrammen Lenford Harvey.

  2. frittenbude, ist das nicht die deutschlandphobe band? mit denen möcht ich auch keine bühne teilen

  3. Ich kanns nicht verstehen, wie man das verurteilen kann, dass sie die Bühne nicht mit einem Homophoben „Künstler“ teilen wollen. Dabei gehts noch nicht mal unbedingt darum, die Message weiter zu verbreiten, sondern ums Prinzip. Ich finds gut und kann auch das CRS nicht verstehen das sie solche Künstler überhaupt buchen. Meinungsfreiheit hin oder her. Gerade als Reggae Festival sollte man sowas verurteilen.

  4. Frittenbude haben es offenbar nötig, mit allen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen. Die Begründung in diesem Fall kann ich verstehen, aber wenn mann dies in Zusammenhang mit anderen Eskapaden sieht (Mini Rock Festival) kann man schon zu dem Schluss kommen, dass sich die Jungs einfach gerne wichtig machen.

  5. Meiner Meinung nach sollte man diesen kruden Homophobikern entgegentreten. Nicht mit Gewalt oder Buttersäurebeuteln, sondern mit ein offen zur Schau getragenen Meinung.

    Absagen greift meines Erachtens zu kurz zumal es sich ja nur um einen Künstler handelt – und man die aufgeschlossene Mehrheit des Publikums hinter sich weiss.
    Ganz davon abgesehen: Die Band sollte sich in Zukunft vielleicht etwas besser informieren *bevor* man einem Festival eine Zusage gibt. Schliesslich standen in Vergangenheit schon desöfteren mehr oder minder moderat homophobe Künstler am Chiemsee Reggae auf der Bühne.

    • Würde man nicht direkt nach oder vor betreffendem Künstler spielen, würde die Botschaft aber auch verpuffen, finde ich. Man würde ja nicht unbedingt die gleichen erreichen, die sich die homophoben Heinis auch anschauen.
      Eine Absage ist in meinen Augen ein deutliches Zeichen und auch etwas, dass (vielleicht auch nur gering, aber immerhin) die Untertsützer dieser intoleranten Menschen (in diesem Fall die Veranstalter) trifft.
      Und das man sich besser informieren sollte stimmt, aber vielleicht dachten die Frittenbudler, dass das Festival aus dem Kram von letztem Jahr gelernt hat … offensichtlich ja nicht.

    • Ich seh die Absage auch eher positiv, selbst wenn es vielleicht nicht viel bringt. Ich als Künstler hätte auch keine Lust mit solchen Leuten die Bühne teilen zu müssen.

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