Auf ihrer Festivalhomepage äußern sich die Veranstalter des Chiemsee Reggae Summers zum Thema Homophobie. Nach Kontakt mit diversen Kritikern der Buchungspolitik des CRS habe man sich „in mehreren Gesprächen nunmehr hinsichtlich der Buchung von Dancehall Artists verständigen können“, wobei vorwiegend Vertreter der Grünen Ansprechpartner gewesen seien.

Im Hintergrund steht die Verpflichtung Capletons. In Folge dessen kam es wie im vergangenen Jahr bei Sizzla zu Protestaufrufen. Frittenbude sagten in diesem Kontext ihren Auftritt ab.

Mit der nun eingegangenen Selbstverpflichtung wolle man „einen Beitrag zur Deeskalation in der Debatte leisten“ und „gleichzeitig ein wirksames Signal gegen Homophobie und Diskriminierung setzen“. Im Vordergrund steht der Reggae Compassionate Act (RCA), den der Künstler unterzeichnet haben muss. Der RCA ist eine Selbstverpflichtung in Zukunft auf Lieder mit homophoben Gedankenguts zu verzichten. „Sollte er künftig nachweislich den RCA missachtet haben, sehen wir von einer weiteren Verpflichtung dieses Künstlers in Zukunft ab“, versichern die Veranstalter des CRS. Gleichermaßen wolle man die Künstler explizit darauf hinweisen, auf der Bühne des Chiemsee Reggae Summers keine „`problematischen` Texte“ darzubieten.

Auch soll sich der entsprechende Künstler bei Gelegenheit von seinen getroffenen Aussagen distanzieren. So geschehen auch bei Capleton. Es seien „kürzlich einige Missverständnisse im Hinblick auf die Absichten meiner Musik aufgekommen“. Der jamaikanische Reggae-Künstler sei geprägt von seinem Glauben, lehne Gewalt aber durchgängig ab: „Ich bin strikt und überzeugt gegen Gewalt und jeglichen Hass. Ich glaube an eine universelle Liebe, welche die Kraft hat, die Menschheit zu einen und ich hoffte, dass meine Texte in einem metaphorischen Sinn verstanden werden, so wie ich es beabsichtigte. In Zukunft übernehme ich die Verantwortung, dass solche textlichen Missverständnisse vermieden werden.“

Etwas pathetisch schließt der CRS sein Statement ab: „Nur im Dialog mit den KünstlerInnen sowie ihren Milieus werden wir wirksam etwas erreichen. Das ist unsere Überzeugung.“ Die zentralen Punkte der Selbstverpflichtung standen schon in den vergangenen Jahren im Zentrum der Buchungspolitik des Chiemsee Reggae Summers. Auch bei Sizzla hatte man sich auf dessen Unterzeichnung des RCAs berufen.

Ob der gewünschte Beitrag zur Deeskalation tatsächlich geleistet werden kann, ist also nicht gewiss. Das linksautonome Rabatz Bündnis, das schon in den vergangenen Jahren im Zentrum des Protests gestanden hatte, rief direkt nach Capletons Verpflichtung zu „dezentralen, kreativen Aktionen“ auf. Der Künstler habe den RCA bereits gebrochen. „Aufgrund neuer Hass-Videos wurde unter anderem die USA Tour 2010 abgesagt“, so in der Pressemitteilung des Bündnisses.

 

3 KOMMENTARE

  1. Ob dieser RCA was bringt? Klar, der Künstler verspricht keine Diskreminierenden Lieder mehr zu veröffentlichen. Aber die Strafe? Ob einen Internationalen Künstler es interessiert, dass er nicht mehr auf dem CRS spielen darf? Denke nicht das er dafür seine Überzeugung fallen lässt/ in seinen Liedern außen vorlässt.

    • Effektiv wäre der RCA nur, wenn alle wichtigen europäischen Festivals RCA-Verstöße durch Nichtbuchung ahnden würden.

      Da dem nicht so ist, stehe ich dem Ganzen aber auch eher kritisch gegenüber.

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