Foto: Thomas Peter

Nicht nur für mich sind es neue Gründe, die da heute erschlossen werden. Auch das Reload ist neu hier, in Sulingen. Man merkt es ab und an. Kleinere Info- und Organisationsmängel werden durch hilfsbereit freundliches  Auftreten kompensiert.

Beispiel Bahnhof Twistringen. Von der ehemaligen Heimat des Reload wurde ich persönlich abgeholt und direkt zum Campingplatz gebracht. Danke nochmal Julian! Knappe 6 Stunden nach dem Aufbruch in Aschaffenburg kam man also im Norden der Republik an und konnte gegen 15 Uhr das 2Seconds in die Luft geworfen werden. Dass es in diesem Moment anfing leicht zu tröpfeln sollte im Nachhinein verschmerzbar sein. Immerhin schien zu diesem Zeitpunkt noch die Sonne.
Es blieb auch gar nicht viel Zeit sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Schliesslich stand mit Pay No Respect ausserplanmässig um 15 Uhr schon die erste Band auf dem Programm. Erklärung: Pay No Respect touren mit Terror und waren deshalb einfach mitgekommen. Nach dem Motto „lass sie doch spielen“ setzte man sie kurzer Hand einfach vor den eigentlichen Opener R.Y.O.T. Die sind übrigens Wiederholungstäter, waren 2007 schon mal da.

Über Emil Bulls und Fiddlers Green arbeitete man sich zum ersten Höhepunkt des ersten Tages hin. Skindred brauchten ein wenig um die geschätzt 4000 Zuschauer in den Griff zu bekommen. Letztlich gelang das dem fürs neue Album umgestylten Benji Webbe samt Band wirklich gut. Bei kaum einer anderen Band am Freitag ging die Crowd ähnlich gut mit – gut es gibt da eine kleine Lücke, die ich nicht beurteilen kann.

Der Pressebereich liegt nämlich hinter einen Rolltor – nach 22 Uhr geschlossen. Normalerweise kam immer mal jemand vorbei und öffnete es mit einer speziellen Karte. Seien es Standbesitzer, die Vorräte holen oder Mitarbeiter des Festivals. Nur eben vor dem Hatebreed Auftritt passierte das nicht. Erst durch eine SMS an einen Kartenhalter konnte ich mich aus meinem Gefängnis befreien. Folglich gibts von Hatebreed keine Fotos.

Gleiches trifft für Terror zu. Skindred traten mit etwa 15minütiger Verspätung auf die Bühne und spielten die Zeit quasi komplett nach.Als Umbaupause zwischen Skindred und Terror waren 30 Minuten angesetzt. Dass die Bühnencrew es tatsächlich in 15 Minuten schaffte und damit wieder in den Zeitplan kam, hielt ich für unwahrscheinlich. Da hatte ich sie wohl etwas unterschätzt.

Gegen 1 Uhr kamen Hatebreed zu einem Ende. Mit meinem ersten Bier des Tages prostete ich Jamey Jasta und seinen Mannen zu. Nach deren Abgang gabs die zweite Currywurst mit Pommes an diesem Tag. Nahrungsalternativen sind leider rar gesät.

So hätte der relativ regenarme Tag eigentlich ein nettes Ende finden können. Die mit Mercedes Jeep angereisten Zeltnachbarn hatten aber etwas dagegen. Sie öffneten die Türen ihres Vehikels und demonstrierten mir und dem Umfeld ihre mächtige Soundanlage. Auf Hardcore mit House versorgt zu werden ist schwerer verdaulich als jede Currywurst.

Was nun genau daran Schuld war, dass ich am anderen morgen ziemlich gerädert aufwachte ist im Nachhinein nicht mehr zu bestimmen. Möglicherweise war es einfach die feuchte Kälte, die das Gelände fest in ihren Würgegriff genommen hatte. Sie forderte mehrere Zusatzschichten um wenigstens ein bisschen Wärme im Schlafsack zu verspüren.