Foto: Thomas Peter

Der Tag und meine Stimmung leiden unter zwei Plagen: Dem windigen, nasskalten Wetter und dem Management von Limp Bizkit. Doch von vorne und möglichst ohne depressive Grundstimmung. Was schwer fällt – fühlt man sich um 0:20 Uhr doch ziemlich veralbert.

Samstag startete so wie der Freitag geendet hatte. Mit Hardcore. Erst langsam arbeitete man sich am Nachmittag via 4lyn und The Bones zum deklarierten Festivalhighlight hin. Mit Ill Nino war man dann musikalisch schon beim Nu-Metal angekommen, den der nachfolgende Headliner Limp Bizkit Ende der 1990er verkörperten wie kaum eine andere Band.

Der Tag war bis Ill Nino eher so vor sich hingeplätschert. Oftmals hatte man sich fast gewünscht die Zeit würde schneller runterticken, denn im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren in denen die Sonne über dem Reload herunterbrannte, macht sie sich heuer rar. Es ist bitterkalt und der Wind drückt die gefühlte Temperatur weiter in den Keller. Immerhin blieb es über weite Teile des Tages trocken.

Draussen lud kaum ein dort zu verweilen. Davon profitierte das Liveblog, denn ausser zum Fotografieren sah man mich kaum auf dem Bühnenareal. Bis auf 4lyn wurden alle Bands eingefangen und stehen mittlerweile im Festivalalbum zur Schau. 4lyn begannen rund 10 Minuten vor der auf dem Zeitplan vorgemerkten Zeit. Mutmasslich weil ihr direkter Vornutzer der kleinen Bühne, Deez Nuts, circa 10 Minuten weniger abgedeckt hatten als vorgesehen.

Zurück zur Casa Limp Bizkit. Ein freundlicher Helfer der Band hatte den ganzen Nachmittag über Fotoverträge der Band unter das Fotografenvolk verteilt. „Ausfüllen und am Abend mitbringen – dann seid ihr dabei“. Von wegen.
Die Realität am Wellenbrecher gegen 23:15 Uhr war eine andere. Als ich eintraf steckten mir Kollegen gleich die veränderten Bedingungen. Nur 15 Leute dürfen in den Graben – nämlich die, die zuerst ihre Verträge eingereicht haben. Ungläubiges Staunen war die Folge.
Kurz vorm verzögerten Konzertstart versuchte man die Situation zumindest etwas zu entschärfen. Eine zweite Welle Knipser sollten beim zweiten Song zum Zug kommen. Also wanderten noch einmal knapp 10 Personen in den Graben, den die „Erstfotografen“ zu diesem Zeitpunkt eigentlich hätten verlassen sollen. Die bleiben aber und so drängten sich bei Song 2 25 Fotografen im Graben. Der überbleibende Rest durfte abwandern. Denn weil man ja etwas besonderes ist, wurde die Regel „3 Songs, No Light“ schnell mal ausgehebelt. Nach Lied 2 war Schluss für alle. Auch für mich. Angefressen zog ich mich zurück und verfolgte Fred Durst und seine lahmen Zwischensprüche nur noch vom Pressezelt aus.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Kein Problem wenn man vorher kommuniziert, dass Fotografieren nicht drin ist. Aber am Wellenbrecher 5 Min vorm Auftritt neue Fakten schaffen ist dreist. Und meinen unterschriebenen Vertrag einzubehalten natürlich auch.

So schnell kann sich ein Festivalhighlight also in die grösste Enttäuschung des Wochenendes verkehren. Irgendwie hatte ich schon heute morgen in Bezug auf Limp Bizkit ein schlechtes Gefühl. Schade, dass es sich so krass bestätigen musste.
Und letztlich haften bleibt am Ende des Samstags das Gefühl, ziemlich böse verarscht worden zu sein.

22 KOMMENTARE

  1. Oh man…..

    Wenn ich das hier so lese hat da einer einen ganz schönen Dämpfer für sein Ego verpasst bekommen…..

    Nur weil man aus irgend einem Grund nicht in den Graben kommt muss man nicht gleich eine ganze Band, oder ein Festival zu den Akten legen, bzw. auch noch öffentlich seinen Frust raus posaunen……

    Und jetzt mal im Ernst…..
    Die Bands haben (Zumindest ab einem bestimten Bekanntheitsgrad) meisten keine Ahnung, was ihr Management, oder der Praktikant im Management im Detail mit den Fotografen, dem Hotel, oder der Toilettenfrau für Abmachungen getroffen hat…

    Freu dich doch einfach, dass du ne‘ Akkreditierung hast und berichten darfst…

    Und wenn mal wieder spontan der Fotograben flach fällt (Warum auch immer… sowas passiert oft genug) sollte man evtl. mal überlegen, obb man sich mal herab lässt und sich unter das Normale Fussvolg ohne Wichtigem Schlüsselanhänger mischt und n‘ paar Schöne Panorama Fotos vom Konzert macht…

    Und ja ich weiß… das war voll und du hattest Angst um deine Spiegelreflex-Kammera….Ein erfahrener Festival-Foto-Mann/Frau hat immer ne‘ kleine Handliche Kammera für genau solche Zwecke dabei…. Ab in die Leute und von dirt aus Fotos machen…. Weil selbst mit ner‘ mittelprächtigen Digital-Kammera kann man da noch sehr schöne Bilder machen und anschließend darf man dann ein gelungenes Gratis-Konzert belauschen….

    Aber wie gesagt:
    Don’t blame the Band….
    Die Jungs können da nix für… und ich kann mich meinem Vorschreiber Johnny nur anschließen… man konte echt merken, dass die Jungs auf der Bühne Bock hatten die Sau raus zu lassen…. Und das hat meiner Meinung nach sehr gut funktioniert

    In diesem Sinne:
    Rock On!

  2. Hallo Thomas,

    da ich als Secu so ziemlich direkt in der Mitte des Grabens stand muss ich hier mal ein bischen korrigieren.

    Die Fotoverträge kamen vom LB Tourmanagement, soweit korrekt.
    Das Splitting der Pressehorde haben wir gemeinsam mit dem Management von LB besprochen.
    Die Massnahme von 3 auf 2 Songs zu gehen kam von uns.
    Zu den Gründen:

    Der Graben wird maximal unterschätzt, insbesondere von der Presse. Der Graben ist keine Loge, VIP Area oder strategisch günstiger Ort um Fotos zu schiessen sondern primär mal ein gefährlicher Arbeitsplatz und im ureigentlichsten Sinne eine Rettungsgasse um kollabierende, verängstigte oder sonstwie Bergungswürdige Gäste aus dem Publikum schnell aus dem Gefahrenbereich abzutransportieren.

    Viele deiner Kollegen, du gehörtest glücklicherweise zu den vernünftigen (erkennbar am Festivalistenpulli), ignorieren diesen Umstand so das wir teilweise kapitulieren mussten und uns komplett aus dem Graben zurückzogen und an den Seiten postierten weil vor lauter Presse garkein Platz mehr für uns war.

    Als sich ankündigte, Ill Nino sei dank, das die Crowd im Rockmodus war mussten wir entscheiden wer Opfer zu bringen hat: die Crowd die Eintritt zahlt um Ihre Band zu sehen oder die Presse. Wir entschieden uns für die Presse.

    Direkt beim ersten Song habe musste ich Fotografen beiseite schubsen („geh mal bitte weg“ funktioniert ja nicht dank dem „Ich hab Presseausweis ich bin wichtig Egomode“ weil Surfer kamen. Dies drei Songs, also geschätzte 13 Minuten durchzuziehen ist bei einer solchen Band einfach unverantworlich – für die Presse, für die Gäste, für die Security.

    Ausserdem haben sich mitnichten 50 Fotografen im Graben getummelt. Wir haben die Fotografen auf 2x 15 Leute aufgeteilt. Frühes Erscheinen sichert gute Plätze. Das ist im Graben nicht anders wie bei der Parkplatzsuche.

    Das du diesmal zu Kurz kamst tut mir, insbesondere weil ich Eure Platform sehr schätze und für wichtiger halte wie manch anderes Format für das geknipst wurde, sehr leid.

    Wenn du zum Open Flair in Eschwege kommst, dann revanchieren wir uns gerne bei dir mit dem einen oder anderen alkoholischen Kaltgetränk.

    • Ich verstehe Eure Nöte und hab auch kein Problem damit wenn mir gesagt wir: Fotografieren ist nicht. Aber so wies lief wars halt einfach frustrierend.

      Ich meinte nicht dass 50 Leute im Graben waren, sondern ca 25 bei Song 2. Hab auch ein wenig reingeschaut und fragte mich warum die Kollegen da teilweise „Krieg“ gespielt haben. Am Nachmittag gings ja auch.. wobei am Limp Bizkit Tag ein paar wirlich rücksichtslose Fotografen zugegen waren. Denen war Euer Job genauso egal wie die anderen Knipser.

      Das mit den 2×15 Fotografen kam auf nachdem ich schon temporär vorm Graben verschwunden war. Anfangs hiess es die 15 und dann keiner mehr.
      Aber nochmal: Mir gehts nicht um die Fotos, die ich sowieso vor der Veröffentlichung vom Limp Bizkit Managment authorisieren lassen hätten müssen, sondern um die misratene Kommunikation.

      Statt Open Flair steht bei mir das Taubertal auf dem Programm. Ausserdem bleib ich meistens komplett nüchtern ;)
      Danke aber für Deine Infos, die durchaus noch ein bisschen mehr Licht in die Situation bringen. Dank auf für Dein Lob.

      Vielleicht hast Du auch gesehen dass ich oftmals schon frühzeitig aus dem Graben verschwunden bin. Ich sehe nur selten einen Sinn darin die selben Posen x-mal abzulichten.

      • Klar hab ich das gesehen. :-)
        Einige knipsen halt nicht der Fotos wegen sondern ob des Ego.

    • Na, seid ihr beim Open Flair auch wieder mit euren Wasser-Pump Guns am Start? Ich war auch im/beim Reload-Graben, aber nur Freitag und bisl Samstag. Hatte leider großes Pech :-(
      Also dann sieht man sich bei Open Flair! Und wenn Thomas nicht kommt, um sein Getränk abzuholen, nehm ich das :-P

  3. Mein Rückblick zum Reload Festival (Samstag)

    Das Festival ist super zu erreichen, es liegt quasi direkt an der Landstraße. Auch natürlich „in the middle of nowhere“. Parkplätze und Camping sind kostenlos und direkt an der Bühne. Ein Festival der kurzen Wege. Von unserem Parkplatz bis zum Festivaleingang waren es glaube 2 Minuten.
    Wir sind zu the Bones angereist. Die haben ihre Rock’n Roll Show solide gespielt. Dann gings auch schon los mit schlechtem Regenwetter und wirklich eiskalten Wind, der einem nur so durch die Klamotten wehte. Was Ill Nino gar nicht zu Gute kam, das Publikum stand hauptsächlich nur rum und versteckte sich unter den Bierpavillons (wie wir auch), da halfen auch die zahlreichen Ansagen des Sängers nichts alla “ Fuck the Rain, lets party you’ll get so fuckin cold Motherfuckers if you only stand around“ und das war direkt nach dem Opening Song. Komischer Weise hörte dann der Regen mit Ende der Performance von Ill Nino auf.
    Schnell nochmal was warmes zu sich nehmen, Tasse Tee für 2 €, tat wirklich sehr gut bei dem nasskalten Wetter. Dann 5 Minuten vorher ab nach vorne zu Limp Bizkit.
    Was soll ich sagen es war grandios. Habe die Mannen um Fred Durst zuletzt 2003 gesehen und seien wir doch mal ehrlich was haben die außer 2009 Rock am Ring gutes auf die Beine gestellt, richtig nichts. Das erste Lied war „Hot Dog“ mit einem leider kurzfristigen Verstäker Ausfall. Dann folgte „Why Try“ vom aktuellen GOLD COBRA Album. Insgesamt spielten sie Why Try, Douchbag & Gold Corba vom aktuellen Album, leider fehlte „Shotgun“. Dann gings zum ersten Mal aber so richtig ab bei „My Generation“. Die Ansagen waren allesamt gelungen. Wie z.B “ Can i fuck in your tent“ oder „I’m german, thirsty means DURST“. Man konnte richtig merken das Limp Bizkit richtig Bock hatten. Kein Vergleich zum letztjährigen Comeback beim Area 4 von Blink 182, schlechter Sound und ja wir sind hier dann müssen wir wohl spielen, die hatten sowas von keine Lust darauf. Bei „Breakstuff“ stand Fred dann quasi mitten im Publikum und alle sangen lauthals “ REAK YOU FUCKIN FACE TONIGHT“. Das Wetter meinte es gut mit Limp Bizkit 10 Minuten nach Konzert Ende setzte erneut der Regen ein. Es sollte eine Bestimmung sein, das der Auftritt nicht ins Wasser fallen sollt. Der Trip war auf jeden Fall seine 50 € wert. Zur Übersicht mal die komplette Playlist:

    Hot Dog
    Why Try
    My Generation
    Livin it Up
    My Way
    Douchebag
    Nookie
    Breakstuff
    Behind Blue Eyes
    Gold Cobra
    Take a Look Around
    Faith
    Rolli’n

  4. Und genau da liegt der Hund begraben: wenn du die Foto-Anekdote einbringst, ist das gut und schön. Das Interessante an dem Konzert ist aber vor allem… nunja: das Konzert. Und wenn du es dir nicht mal richtig anschaust, dann brauchst du auch nicht darüber zu berichten bzw. deinen persönlichen Groll gegenüber Limp Bizkit/Fred Durst raus zu lassen, sondern lediglich deine Fotos reinzustellen.

    Nebenbei: es gab kein Presse-Zelt. Es gab, soweit ich weiß, nur ein VIP-Zelt, zu dem die Presse anfangs noch nicht mal Zutritt haben sollte. Falls ich mich irre, wurde mir da einiges vorenthalten.

    • Hmm ich sass in besagtem Presse-Zelt. Wie sonst hätte ich ins Netz kommen sollen? Es war hinter dem Rolltor hinter dem runden Glasturm.

      Konzertberichte haben keine grosse Tradition in meinen Liveblogs. Emotionen dagegen schon. Die sind auch gerne mal subjektiv und polarisieren.

  5. meine meinung: erste hälfte des berichts gut, die zweite ab „casa limp bizkit“ völliger murks.

    diese *heul* „wir kommen nicht in den graben“- knipser geschichte und das fred durst „poser mit lahmen sprüche“ (ui, wie kreativ, das hat noch nie jemand über ihn gesschrieben) gebashe ist einfach nur peinlich. hättest du mal lieber ne anständige kritik vom konzert geschrieben (setlist, stimmung, sound).

    • Sry, aber da kam auch nur dünnes als Ansage.
      Und das Konzert habe ich nicht vor Ort mitverfolgt, sondern 800m weit in einem Zelt. Was soll ich also drüber schreiben?

      Du kannst gerne finden dass das peinlich ist. Ich werde meine persöniche Art dennoch nicht ändern. Dazu gehören auch Emotionen. Emotionen übrigens, die 40 weitere Fotografen mit mir teilen..

      • ziemlicher widerspruch wenn du angibst, dass du nicht über ein konzert berichten kannst, welches du 800m entfernt (zitat von dir) mitgekriegt hast, dir gleichzeitig aber ganz sicher zu sein scheinst, dass „nur (!) dünnes als ansage“ (wieder zitat von dir) kam.

        ps: finde, dass 40 (!) fototgrafen auch verdammt nochmal nichts im graben verloren haben: es stehen eh schon zuviele secs, tv leute und bühnenvolk im weg und kein mensch braucht 236 934 fotos von einem gig, gerade wenn man aufgrund der möglichkeiten der neuen digicams seine eigenen schnappschüsse machen kann.

      • Das ist schnell erklärt: Ich kann doch ohne das Konzert zu sehen nicht beurteilen wie die Stimmung war und wie die Chemie zwischen Band und Publikum gewesen ist.
        Sehr wohl aber kann ich die Musik und die Kommentare auf der Bühne hören.
        Sry, aber da gibts absolut keinen Widerspruch.

    • „kein mensch braucht 236 934 fotos von einem gig, gerade wenn man aufgrund der möglichkeiten der neuen digicams seine eigenen schnappschüsse machen kann“

      Schon traurig solche Aussagen :-(

  6. Deine eigene meinung kannst du aber trotzdem ruig mit einbauen!:D das ist auch finde ich immer ziemlich interesannt mit zu lesen wie die „persöhnliche“ meinenung des reporter’s ist =)

  7. Du hast Recht, dass ich Festivals immer sehr offen aus meiner Perspektive beschreibe. Morgen, wenn der Ärger verraucht ist, werde ich den Artikel nochmal updaten.

    Für den Moment nur so viel: Das Reload ist ein sehr gemütliches, überschaubares Festival. Bei besserem Wetter absolut chillig und sein Geld wert. Dazu sind die Laufwege kurz und die Macher geben sich alle Mühe den Besuchern ein schönes Wochenende zu ermöglichen.
    Will heissen: Ich werde wohl wiederkommen – es sei denn Fred Durst taucht nextes Jahr wieder auf.

  8. Auch wenn ich da vollkommen auf deiner Seite bin, dass das extrem assozial ist so mit der Presse umzugehen, finde ich das Gemotze grade etwas übertrieben. Schreibt doch lieber ein bisschen mehr über das Festival. Der geneigte Leser möchte da ja vielleicht 2012 mal hin und wird sein Urteil über das Event wohl kaum bilden können, wenn er weiß wie dort mit den Fotografen umgegangen wird.

Comments are closed.