Kinder wie die Zeit vergeht. Schon wieder ist es Samstag und die denkwürdige Show von Iggy And The Stooges liegt hinter uns. Als Highlights warteten neben den All-Time-Favourites Donots auch Bullet For My Valentine, Pendulum und auf der Sounds For Nature Bühne Disco Ensemble und Johnossi. Vom Wetter wurde man nicht im Stich gelassen. Es blieb moderat warm und -viel wichtiger- trocken. Gummistiefel durften weiterhin eingepackt bleiben.

[box]Die Bilder des Taubertal-Donnerstag
Itchy Poopzkid
The Locos
Donots
Bullet For My Valentine
Disco Ensemble
Pendulum
Johnossi
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Klimmstein erklommen als erste die Hauptbühne am Samstag. Für ihre wenigen Zuschauer hatten sie sich etwas besonderes ausgedacht. In ihrer Heimat Österreich gäbe es die ungeschriebene Regel, dass man sein Auftrittsgeld noch am gleichen Tag versaufen müsse. Weil man das trotz des frühen Termins alleine nicht hinbekommen hätte, postierte man rechts und links vor der Bühne 2 Bierverkäufer. Während des Konzerts auf österreichischer Mundart wurde dort gratis Bier abgegeben. Auch eine Art sich in der Erinnerung der Zuhörer zu verankern – zumindest so lange die Einnahmedosis nicht zu hoch wird.

Schon zum nexten Act hatte sich das Tal massiv gefüllt. Itchy Poopzkid wollten wohl nur wenige verpassen. Nach ihrem Gastspiel beim Open Flair am Vortag mussten sie allerdings leicht gehandicapt antreten. Panzer hatte sich dort einen Bänderriss zugezogen. Visualisiert man sich eine typische Itchy Poopzkid Show im Gedächtnis, kann man sich durchaus vorstellen, dass mal einer der gewagten Sprünge daneben geht. Die Band machte aus der Not eine Tugend. Die Crowd solle doch aus Solidarität auch nur auf einem Bein springen. Übrigens entschuldige man sich für die vergleichsweise leicht weniger furiose Show – andere Bands wären wohl überhaupt nicht angetreten.

Als interessanter Einschub zwischen dem aus meiner Sicht besten Samstags-Auftritt, den Donots, traten The Locos auf die Bühne. Frontmann Pipi scheint die Kulisse des Taubertal zu gefallen – im Vorjahr war er schon mit seiner anderen Band Ska-P da. Der Auftritt damals war mit Blick auf die Verkleidungen wesentlich aufwendiger als die Show von The Locos in diesem Jahr. Das tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Pipi bog sich das Publikum zu recht. Anfänglich nämlich war er mit der Resonanz auf sein Schaffen nicht wirklich zufrieden. Am Ende verliess die Band die Bühne dann aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Der Boden war bereitet, die Donots traten in Erscheinung. Viel braucht es eigentlich nicht zu sagen: Sie sind die „Rekord-Band“ des Taubertals. Keine Gruppe verschlug es häufiger nach Rothenburg. Die Chemie zwischen Agierenden und Auditorium stimmte vom ersten Ton weg. Der Platz verwandelte sich in euphorisiertes Konglomerat- und wie immer war das hitgeladene Konzert viel zu schnell vorbei. Trivia am Rande: Ingo hat doch tatsächlich mal kein rot-weiss-schwarz-kariertes Hemd getragen. Zeiten ändern sich.

Bullet For My Valentine dürfte neben K.I.Z eine der polarisierensten Acts des 2011er Taubertal-Lineups sein. Die waliser Metalcore hat eigentlich seit jeher mit dem Image zu kämpfen Poser zu sein. Ich für meinen Teil fand ihr Treiben auf der von Anre Rieu gemieteten Tauberal-Bühne durchaus stimmungsvoll. Die Crowd empfand das wohl ähnlich. Wie eigentlich bei allen der 3 letzten Shows auf der Hauptbühne war die Stimmung grandios. Als Ausklang  wählten Bullet das Metallica Cover „Creeping Death“ und leiteten damit über zu einem Erlebnis der ganz anderen Art: Pendulum.

Die australische Drum-’n’-Bass-/Break-Band Pendulum fährt nicht nur im Kielwasser von The Prodigy – sie beerbten sie auch auf dem Taubertal. Mitte Juli am Gurten konnte ich sie schon einmal miterleben. Der Auftritt dort brachte die Securities mächtig ins Schwitzen. Innerhalb der ersten beiden Minuten wurden 25 Crowdsurfer herausgefischt von denen einige auch behandelt werden mussten. Der Taubertaler ging etwas entspannter an die Sache heran – sieht man mal von den beiden entzündeten Bengalos mitten in der Show ab.

Abschluss des Tages bildeten Johnossi auf der Sounds For Nature Bühne – hätte besser sein können. Das muss man ehrlich sagen. An der Band lag es nur bedingt. Johnossi wirkten nicht unbedingt so frisch und agil wie man sie schon gesehen hat. Das mag vielleicht dazu beigetragen haben, dass der Funke der 2-Mann-Combo einfach nicht wirklich auf die Meute vor der Bühne überspringen wollte. Und so leerte sich die anfänglich von vielen Pendulum Beobachtern gefüllte Bühne mit jedem Lied zusehends. Roscoe, den Abschlusssong des Sets, bekamen etwa noch die Hälfte der ursprünglichen Menge mit.
Vielleicht lag das auch schlichtweg daran, dass einige sich noch auf den Weg zum Steinbruch aufgemacht haben. Es soll ja durchaus Fans von K.I.Z geben, die nach kraftraubendem Tag um 1:40 Uhr in der Früh noch Lust auf berliner Hip-Hop haben.