Katzenjammer machen Musik. Genauer kann man diese Band wohl kaum beschreiben, denn bei den vier Damen aus Norwegen ist so ziemlich alles möglich. Nun veröffentlichen sie ihr zweites Album,  und zeigen, dass auch gute Musik massentauglich sein kann.

Mit ihrem ersten Album bewiesen Katzenjammer bereits, dass man es mit Talent und Können weit schaffen kann. In ihrem Heimatland Norwegen sind sie bereits die verdienten Megastars und auch hier bahnen sie sich langsam den Weg in die Massenmedien. Dies wird nicht zuletzt daran liegen, dass Katzenjammer zum Major-Label Universal wechselten. Doch die Plattenfirma alleine erklärt nicht den Erfolg.

Das Album beginnt ungewohnt düster, löst sich dann aber schnell in die bekannte, fröhliche Zuckerwatte-Popwelt in Form von I Will Dance (When I Walk Away) auf. Ein locker-leichter Hit, zauberhaft garniert mit herrlichen Gesangsharmonien. Die absolut richtige Wahl grade diesen Song als Vorabsingle zu veröffentlichen.

Hier beginnt sie also, die musikalische Weltreise auf die uns die Band schickt. Während man sich erst an einer Theke eines schäbigen Saloons, wie man ihn aus alten Westernfilmen kennt, wiederfindet, so geht’s wenige Songs später an den Bosporus wo man sich von orientalischen Klängen betören lässt. Klingt absurd, ist es auch! Aber genau das macht dieses Album aus, Langeweile will nicht aufkommen und so schafft es selbst ein Genesis Cover zur grandiosen Symbiose aus experimentellen Kochtopf/Holzlöffel-Gekloppe und Pophymne.

Zwischendurch taucht man in die düstere moskauer Unterwelt ein und tanzt mit der russischen Mafia und Gogol Bordello gleichzeitig zu Gypsy Flee mit einem Glas Vodka in der Hand auf dem Tisch. Selbst bei ruhigeren Songs wie Lady Marlene – welcher im Refrain ein bisschen an den Ärzte Klassiker „Omaboy“ erinnert – kommt das Gehör nicht zur Ruhe. Mit viel liebe zum Detail werden die Songs mit vielen Gimmicks, welche man oft erst beim dritten oder vierten Durchlauf entdeckt, gespickt.

Wem hier noch immer nicht die Luft ausgegangen ist, der macht sich mal eben auf den Weg ins örtliche Irrenhaus, denn genau da scheint Cocktails And Ruby Slippers hinzupassen. Und das ist absolut positiv gemeint.

A Kiss Before You Go knüpft wunderbar an das Debutalbum Katzenjammers an, traut sich aber trotzdem ein bisschen mehr. Die Band tanzt die ganze Zeit auf einem schmalen Grat zwischen Wahnsinn und Kitsch, jedoch fällt sie nicht ein einziges Mal. So schafft Katzenjammer es, eine von vorne bis hinten interessante und gute Platte abzuliefern. Eine Platte, die man von Kindergarten über Altenheim bis hin zur Indiedisco überall spielen könnte.

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