Die Nachricht erreicht uns unerwartet: Es wird 2012 kein 30jähriges Jubiläum des Rheinkultur in Bonn geben. Ob man 2013 wieder zurückkehrt ist fraglich, die Probleme des Umsonst und Draussen Festivals sind einfach zu vielschichtig. Ohne einen grundsätzlichen Sinneswandel von Politik und Besuchern wird das wohl nichts.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr als man lange Zeit um das Festival zittern musste, ist diesmal keine akute finanzielle Unterdeckung das Problem.
Vielmehr beklagt der Veranstalter eine mangelnde Würdigung und Unterstützung durch die Stadt Bonn. Als Konsequenz des fehlendem Entgegenkommens würde das finanzielle Risiko immer grösser und wäre einfach nicht mehr zu schultern.

Die dem Grundgedanken des Festivals widersprechenden Randaleszene auf der HipHop-Stage und die auch von Haldern Pop/ Area4 beklagten Auflagen in NRW in Folge des Loveparade-Desasters dürften ihr übriges zur Entscheidung beigetragen haben.

Wie schon im Vorfeld der 29.Ausgabe hat man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Dafür spricht allein die epische Pressemitteilung zum Aus, die viele Grössen des nationalen Musikbusiness ihr Bedauern ausdrücken lässt. Zeigt übrigens auch: Der Beschluss muss schon etwas länger gefasst worden sein.

Um die Absage abzuwenden hat man erfolglos verschiedene Gedanken durchgespielt.
Erneut fasste man beispielsweise eine Kommerzialisierung des Festivals ins Auge, verwarf die Idee Eintritt zu verlangen aber aus bekannten Motiven: Als Verein erhält man Subventionen – selbst wenn sie im letzten Jahr um 1/4 gekürzt wurden. Die würden wegfallen, statt dessen neue Kosten entstehen. GEMA-Gebühren wären höher, das Tickting müsste bezahlt werden und es war und ist gänzlich unsicher, ob die beteiligten Partner und Musiker auch eine kommerzielle Rheinkultur mit Sonderkonditionen subventionieren würden. Und überhaupt: Man wollte sein Festival für jedermann zugänglich machen – unabhängig vom Inhalt des Geldbeutels.
Auch die anhaltende Hoffnung, doch noch einen weiteren Grosssponsor ins Boot holen zu können, zerschlug sich. Dessen Unterstützung hätte den finanziellen Spielraum erhöhen und die Existenz des Festivals sichern können. Nur fand sich eben keiner bereit in die Rolle zu schlüpfen.

Auch wenn die Presseerklärung drastisch klingt: Vielleicht birgt die frühe Absage auch eine Art Chance.
Alle Karten liegen auf dem Tisch. Jeder weiss, woran es in Bonn letztlich hapert und dass ein Weiterwurschteln der Veranstalter keinesfalls als naturgegeben vorausgesetzt werden kann. Möglicherweise rüttelt der Schock auf und bringt neue Bewegung in die festgefahrene Situation. Denn das etwas fehlt bemerkt man ja oft erst dann, wenn man es verloren glaubt.

1 KOMMENTAR

Comments are closed.