Ein neuer Winter, ein neues Fest van Cleef. Das Label von Thees Uhlmann und Markus Wiebusch lud ein und die Elite der deutschen und Internationalen Indie-Szene kam. Der Bielefelder Ringlokschuppen sollte den Startpunkt für diese kleine aber feine Festivaltour markieren.

Von Thomas Regniet und Steffen Neumeister

In eisiger Kälte bahnten sich einige Tausend Konzertjünger durch den schon dunklen, Bielefelder Spätnachmittag in Richtung Ringlokschuppen. Man blickte in Gesichter voller Vorfreude, überdeckt von kälteverzogenen Mienen. Erste Herdenwärme konnte man dann aber in der Schlange vorm Einlass erhaschen. In der Halle wuselte es währenddessen schon lebhaft zwischen den beiden Veranstaltungshallen hin und her. Die Menschen schoben durch die engen Gänge, der eine machte Halt an der Theke, der andere stärkte sich mit einer Tüte Pommes. Trotz des im ersten Augenblick chaotisch wirkendem Gewusel lief doch alles in geregelten Bahnen ab.

Natürlich gab es auch Musik:
Am frühen Abend betrat Frank Turner mit seiner vierköpfigen Band, den Sleeping Souls, die große Halle. Was dann kam, konnte sich durchaus sehen lassen. Nachdem Frank Turner wie üblich zunächst mit dem klangvollen, aber eher ruhigeren Song „Eulogy“ sein Set begann, ging es dann äußerst energisch mit Songs wie „Try This At Home“ und „Peggy Sang The Blues“ weiter.
Es folgte ein bunt gemischtes Set aus altbekannten Hits wie „The Road“ und einer ganzen Reihe neuer Songs. Hierbei sind sicherlich „If I Ever Stray“ und „I Still Believe“ zu nennen, welche die Stimmung rasant steigen ließen. Insgesamt gab es eine gekonnte Auswahl aus Rock n Roll, Indie-/Punkrock und Folkmusik zu hören.
Es wurde getanzt, geklatscht, mitgesungen und mitgefeiert. Bereits nach 35 Minuten endete allerdings die Spielzeit von Frank Turner mit dem sehr vertrauten Song „Photosynthesis“. So verließ Frank Turner schließlich die Bühne. Nicht aber, ohne einen ordentlichen Applaus zu erhalten. Es blieb ein wirklich gelungener Auftritt zurück, der die Besucher im Ringlokschuppen zudem auf den weiteren Abend einstimmte. Man hätte sich mehr Spielzeit gewünscht.

Element Of Crime zogen eine beachtliche Menge vor die Bühne und grade in den ersten Reihen stieg der Altersdurchschnitt sichtlich an. Die Band um Sven Regener verzauberte den gesamten Saal schon mit den ersten Tönen und es gab wohl niemanden, der sich der klagenden Stimme Regeners entziehen konnte.
Es gab hauptsächlich Songs der jüngeren Alben zu hören, jedoch macht es grade bei dieser Band keinen Unterschied ob neue oder alte Songs. Wer sein musikalisches Niveau über Jahre so halten kann, der kann auch die aktuelle Platte von vorn bis hinten komplett durchspielen. Jung und alt sangen zusammen die Lieder, die zu jeder Lebenssituation und in jedes Alter passen. Element Of Crime, für viele der absolute Höhepunkt des Abends.

Auch Kevin Hamann war mit einem seiner musikalischen Projekte, nämlich Clickclickdecker, beim Fest van Cleef vertreten.  Er präsentierte seine stets etwas ins Melancholische abzielenden Indierocksongs.
Euphorisiert vom Auftritt von Element of Crime, strömten nun eine ganze Reihe Besucher der kleineren Bühne entgegen, die Halle war erstaunlich gut gefüllt.
Hamann hatte als musikalischen Begleiter wie immer Oliver Stangl mitgebracht. Da auch das Set hier recht kurz ausfiel, reduzierten die beiden Musiker ihre Songauswahl auf die prominentesten Tracks. So gab es Nummern wie „Wer Hat Mir Auf Die Schuhe Gekotzt“, „Einbahnstraße“ oder „Immerhin Beabsichtigt“ zu hören. Diese begeisterten das Publikum, es wurde kräftig mitgesungen.
Mit seiner einzigartigen Stimme modulierte Kevin Hamann den Gefühlspegel der Songs gut, indem er zwischenzeitlich sanft, dann wieder ungezügelt und mit voller Stimmkraft sang. Nach gut 40 Minuten beendeten Clickclickdecker einen soliden Auftritt und gaben ihr Cover von Schutzraum zum Besten. Fazit: Clickclickdeckers Auftritte sind durchaus sehenswert, wenn es auch an diesem gestrigen Abend nicht überragend war.

Für viele der Konzertgänger galt der Auftritt von Thees Uhlmann beim Fest van Cleef in Bielefeld als „Pflichtveranstaltung“. So war sein Konzert wohl das mit dem meisten Zuhörerzuspruch. Der Hamburger, der zudem Besitzer des Labels Grand Hotel van Cleef ist, veröffentlichte dieses Jahr eines der meistgelobtesten Indierockalben.
Nachdem Thees Uhlmann kurz zuvor von Kettcars Sänger Markus Wiebusch angekündigt wurde, betrat er mitsamt seiner 1Live-Krone die Bühne. Die Erwartungen an seinen Auftritt waren vorab sehr hoch. Dass Thees Uhlmann in der Lage war diese zu erfüllen, zeigte sich bereits nach wenigen Songs.
Der Auftritt begann mit den Songs „Lat: 53.7 Lon: 9.11667″ und „Das Mädchen von Kasse 2“. Schon zum Auftakt erlebte man einen wild auf der Bühne tanzenden Uhlmann. Das Publikum wurde bis zum letzten Besucher mitgerissen von der beeindrucken Show und den Anekdoten, mit der der Hamburger den Auftritt auflockern konnte.
Die Lieder, welche es in den rund 50 Minuten zu hören gab, waren ausschließlich Lieder des neuen Soloalbums. Das Publikum war zudem stets textsicher. Keiner der Songs wirkte weniger gut als er auf dem Album erschien. Im Gegenteil: Die Menge setzte sogar noch ein Stück Feierlaune oben drauf. Besonders bejubelt wurden dabei die beiden Singles „Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluss Hinauf“ sowie „Und Jay-Z Singt Uns ein Lied“. Bei dem letzteren hätte man eigentlich erwartet, dass Casper (wie auf dem Album) seinen Part singen würde. Doch vergebens! Der Bielefelder Rapper erschien erst zum eigenen Auftritt.

Dennoch wurde an diesem Abend wieder einmal klar welche musikalischen Qualitäten Thees Uhlmann (vor allem auch live) besitzt. So verabschiedete sich Uhlmann mit seinem Song „Die Toten Auf Dem Rücksitz“ von einem beigeisterten Publikum. Der Maßstab für Caspers Auftritt war also ganz schön hoch gesetzt.

Nun wurden auch die jungen Damen wach, die schon den ganzen Abend in der ersten Reihe vor der Hauptbühne verbrachten. Casper betrat mit einem, an Epik kaum zu übertreffendem Intro die Bühne. „Der Druck Steigt“ war nicht nur der erste Song, sondern beschrieb auch das allgemeine Stimmungsbarometer im Ringlokschuppen. Man wartete auf die Explosion, Casper jedoch vermochte die Spannung ins Unermessliche zu treiben. Irgendwann konnte dann aber jeder loslassen, es gab die Partykracher auf die Ohren und der ganze Saal hüpfte, sang und pogte durch die Gegend. Der dramaturgische Höhepunkt des Abends kam während des Songs „XOXO“. Thees Uhlmann, der Hausherr des Abends, sang den Refrain des Songs, während das Publikum gradezu explodierte. Ein gelungenes Feature zweier begnadeter Musiker.
Zwischen den Songs betonte Casper immer wieder, wie sehr er sich freut auf dieser Bühne zu stehen, hat er doch 7 Jahre lang hinter der Theke im Ringlokschuppen gearbeitet.

Die Offenheit des Fest Van Cleef Publikums zeigte sich in der Standordnung. Die, die bei Element Of Crime und Thees Uhlmann noch vorne standen waren nun zwar weiter hinten in der Halle anzutreffen, nickten jedoch zufrieden mit dem Kopf im Takt.

Nachdem Casper sein Set beendet hatte, leerte sich der Ringlokschuppen langsam und die zufriedenen Besucher drangen in die eisige Dezemberkälte. Sie haben einen schönen Abend voll guter Musik, netten Menschen und toller Stimmung hinter sich.