Was kann man schon von einem Konzert an einem grauen, spätwinterlichen Montag Abend in Westfalen erwarten? Nicht viel werden die meisten sagen. Jedoch sieht das schon wieder ganz anders aus, wenn die auftretende Band The Subways heißt.

The Subways, alle Bilder: Steffen Neumeister

Während der Supportbands könnte man wirklich auf einen stimmungstechnisch eher unterkühlten Abend wetten. Die Pickers aus Berlin machen netten und schwungvollen Indierock. Das tut keinem weh, bietet aber doch eher die Hintergrundmusik zum Bier holen.
Mehr zur Sache geht’s da doch bei Turbowolf. Der Sänger, welcher rein äusserlich ein uneheliches Kind von Frank Zappa sein könnte, wirft sich ohne Rücksicht auf seinen Körper über die Bühne des Skaters Palace. Wie der Name es schon sagt dient die Halle neben Konzerten hauptsächlich als Skatehalle, woran auch mehrere Rampen im ganzen Raum erinnern. Turbowolf aber haben nichts viel mit fröhlicher Skatemusik zu tun. Ziemlich düster und hart, mit imposanter Bühnenpräsens vergeht das Warten auf den Hauptact des Abends wie im Flug. Wirklich bewegen wollen sich die sehr zahlreich erschienenen Zuschauer noch nicht.
Erst als The Subways selbst mit dem altbekannten Eröffnungstrio „Oh Yeah“, „Holiday“ und „Obsession“ die Bühne überfallen – betreten wäre zu Harmlos ausgedrückt – verwandelt sich der Platz vor der Bühne in ein einziges Schlachtfeld. Wo 30 Minuten zuvor noch andächtig den Tönen der Supportbands gelauscht wurde, springt, tobt und schlägt sich halb Münster zu Brei. Die zahlreich anwesenden Damen schrecken nicht zurück und mischen voll im Geschehen mit.
Frauenpower ist das Stichwort. Bassistin Charlotte, der glitzernde, kleine Flummi; in dessen Hand eine handelsübliche Bassgitarre wie eine Streitaxt mit der man ganze Kriege gewinnen kann aussieht, rennt und springt über die Bühne wie eine vom Löwen verfolgte Gazelle.
Gitarrist Billy hingegen versucht sich als Bergsteiger und klettert immer wieder auf das Schlagzeug seines Bruders Josh um umgehend wieder runterzuhüpfen. Wie eine wildgewordene Kindergartengruppe sieht das ganze aus. Der Soundtrack zum ganzen gestaltet sich allerdings weniger Kinderfreundlich. Wenige Songs vom aktuellen Album, dafür viele, vom Publikum gern angenommene Klassiker gibt es zu hören. Trotzdem dürfen natürlich aktuelle Kracher wie „We Don ´t Need Mony To Have A Good Time“ oder auch „Kiss Kiss Bang Bang“ nicht fehlen. „Rock´n´roll Queen“ gibt es – wie im Herbst schon – mitten im Set.

Mit „Tournaround“ gibt’s den letzten Song vor der Zugabe und Münster wird zum größten Circlepit den Westfalen jemals gesehen hat aufgefordert, denn Charlotte mag es groß, so zumindest sagt es Billy.
Zur Zugabe gibt’s dann noch „Lost Boy“ als Akustikversion und den Fanliebling „Celebrity“ vom aktuellen Album. Während die Band grade zum letzten Song „It´s A Party“ ansetzen will, schallts Songwünsche aus dem Publikum entgegen. Ein Wunsch der durchkommt ist „Strawberry Blonde“, welcher dann auch spontan noch eingeschoben wird, auch wenn Münster beim Text etwas helfen muss, geprobt wurde der nämlich nicht. Natürlich kann man die Fans mit so einem ruhigen Song nicht verabschieden und es gibt dann doch das zuvor angekündigte „It´s A Party“. Die vermeintlich unterkühlten Westfalen lassen nochmal alles raus und entzücken die Briten auf der Bühne aufs äusserste.

Subways-überdurchschnittliche 90 Minuten verlängern das Wochenende nochmal merklich und sorgen für einen absolut unterhaltsamen und spaßigen Montag Abend.