Als Käufer eines sogenannten Hardtickets wähnte man sich insbesondere auf dem Zweitmarkt bisher auf der sicheren Seite. Wer fälscht schon aufwendige Merkmale wie Prägedruck und Hologramme? Bei Ticketpreisen von 160 Euro scheint es sich zu lohnen: Geprellte Käufer von gefälschten Hardtickets für Rock am Ring/Rock im Park melden sich in den einschlägigen Foren. MLK bestätigt die Problematik auf Anfrage von Festivalisten. Die Kriminalpolizei ermittelt.

von Thomas Peter und Manuel Hofmann

Bisher galten lediglich Eventim-Tickets als fälschungsanfällig

Seit längerem ist bekannt, dass man beim Kauf von CTS/Eventim-Thermotickets aus inoffiziellen Quellen gefährlich lebt. Spätestens seitdem Diebstähle unbedruckter Thermo-Rollen aus eventim-Partnershops ans Licht kamen, wird das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Der Aufwand ein ungültiges Thermoticket zu generieren ist vergleichsweise gering: Thermoticket-Rohlinge, Thermodrucker und eine relativ simple Vorlage reichen aus um ein von einem Original kaum zu unterscheidenden Fake zu erstellen. Hardtickets dagegen haben wesentlich mehr Sicherheitsmerkmale und galten daher als sicheres Handelsobjekt auf dem Zweitmarkt.

Hardtickets gefälscht

Die Fälschungen im Abgleich mit dem Original

Mit steigenden Kartenpreisen und dem Wissen um die Einschätzung der potentiellen Käufer sind auch Hardtickets für Fälscher interessant geworden: Wenige Tage vor dem Start von Rock im Park und Rock am Ring melden sich betrogene Käufer in den Fan-Foren der Festivals und zeigen ihre gefälschten Karten.

Um die aufgetauchten Fälschungen vom Original unterscheiden zu können, muss man schon ziemlich genau hinschauen: Sichtbar werden die Unterschiede lediglich in der Detailansicht – und im Abgleich zu den Originaltickets.

Schreibfehler auf den gefälschten Tickets

Bisher aufgetauchte Fälschungen scheinen alle mit den Ticketnummern 001713, 001714 und 003943 versehen zu sein. Ausserdem finden sich im Infotext auf der Rückseite markante Fehler: Unter Punkt 10 liest man liest man „gewerbiicher“ statt „gewerblicher“, Punkt 12 verhunzt „Veranstaltung“ am Zeilenende zu “Veranstzltung”, in der folgenden Zeile steht ein “and” statt „und“.

Hardtickets können anders als Thermokarten nicht am Eingang gescannt werden – sie besitzen nämlich keinen Barcode. Sehr wohl aber kann man genauer hinschauen.

Kriminalpolizei ermittelt

Veranstalter MLK teilt auf Anfrage von Festivalisten mit, dass sich die Kriminalpolizei bereits mit dem Fall beschäftigt. Die Konzertagentur hat weiterhin selbst Anzeige erstattet. Besucher mit gefälschten Tickets erhalten keinen Einlass; Karten sollen an den Ausgabestellen der Bänder “genaustens auf ihre Echtheit überprüft werden”.

Als Veranstalter habe man “immer wieder vor dem Kauf von Eintrittskarten aus dubiosen Quellen oder über sogenannte Ticketplattformen zu völlig überhöhten Preisen gewarnt”. Den Fans sei daher bewusst, dass die Karten offiziell lediglich über Eventim und angeschlossene Vorverkaufsstellen erhältlich seien. Die Konsequenz daraus ist deftig aber durchaus berechtigt: “Wer sich mit fragwürdigen Dealern einläßt, muss leider auch die Konsequenzen tragen und mit einer Abweisung vor dem Festivalgelände rechnen.”

Rock im Park und Rock am Ring sind seit Monaten ausverkauft – früh wie nie zuvor. Entsprechend groß war daraufhin der Andrang auf Tickets im Zweitmarkt.