Der dritte und letzte Tag am Serengeti bringt nochmal hauptsächlich eines: Viel Schweiß. Sei es durch die endlich strahlende Sonne oder den mitreißenden Shows, Flüssigkeitsnachschub ist bitter nötig.

Die kurzen Hosen, und T-Shirts kommen heute endlich mal zum Vorschein. Es ist Sommer eingekehrt auf dem Serengeti. Das ganze Wochenende blieb es zwar trocken doch heute ist es das erste mal angenehm warm.
Viel nackte Haut muss natürlich geschützt werden. Der eine macht das mit Sonnencreme, andere stellen sich einfach während Anti-Flag vor die Bühne. Denn der Staub der hier aufgewirbelt wird, lässt definitiv keine UV-Strahlen mehr an die Haut. Die US-Politpunker hauen mal wieder so richtig einen raus. Das Gelände vor der Bühne ist für diese Uhrzeit erstaunlich gut gefüllt und das wissen Anti-Flag zu nutzen. Hits aus der gesamten Karriere der Band bringen die Körper der Festivalisten in Bewegung und lassen sie gegeneinander knallen. Die politische Message kommt auch nicht zu kurz, nur schaffen es Anti-Flag, im Gegensatz zu ZSK am Vortag, diese auch sympathisch und glaubhaft zu überbringen. Zum großen Finale baut Drummer Pat Thetic sein Drumset inklusive Verkabelung nochmal im Publikum auf und trommelt da inmitten feiernder Fans. Großartige Aktion zum Abschluss eines großartigen Auftritts.

Während sich die Staubwolke vor der Hauptbühne wieder lichtet, sonnt sich das Festivalvolk entweder auf der, selbst am dritten Festivaltag noch einladend, grünen Wiese, oder verschwindet im stickigen Zelt mit Schützenfestcharacter. Ich entscheide mich fürs Zelt, denn ich bin nunmal wegen der Bands da. Dort spielen in der Umbaupause Cocoon Fire. Die machen ganz netten Indie-Rock mit Elektroeinflüssen und auch, wenn das ganze ein bisschen etwas von Schülerband hat, weiß der Auftritt doch zu gefallen. Star der Show ist ein kleines Kind, welches ausgelassen tanzend über das Zeltparkett hüpft. Zur Belohnung für den one-man-Moshpit gibt’s sogar eine CD von der Band geschenkt, sympathisch.

Weitaus mehr tanzende Menschen sind an der frischen Luft bei Dendemann anzutreffen. Nickende Köpfe, winkende Hände, hüpfende Beine und das alles auf einmal. Dendemann versteht was von seinem Fach und mit seiner Backingband bringt er die fettesten Sounds auf das Serengeti. Unterhaltsame Mitmachaktionen runden das ganze zu einer ordentlichen Show ab. Dendemann macht definitiv Spaß.

Und schon wieder stehe ich vor der Wahl Wiese oder Zelt. Und schon wieder finde ich mich im Zelt wieder. Da gibt’s mit Cruel Hand so richtig eins vors Fressbrett. US-Hardcore präsentiert von ein paar durchgeknallten Typen die keine Rücksicht auf sich oder ihre Instrumente nehmen. Selbst die Indie-Hippiegirlies stehen mit offenem Mund staunend ob der Biegsamkeit des Sängers vor der Bühne. Selbst wenn man nicht auf Hardcore steht, fesselt die Show und lässt begeisterte Zuschauer zurück.

Kontrastreicher könnte es auf der Hauptbühne nicht zugehen. Gentleman samt Band sorgen für die Ladung Reggae an diesem Tag. Kaum erklingen die ersten Offbeats, schon ist die Luft von einem süßlichen Duft erfüllt. Und wenn man auf das wirre Zeug achtet, dass Gentleman zwischen den Liedern von sich gibt, so könnte man meinen, dass er selbst auch an diesem Duft geschnuppert hat. Ich kann mir das ganze jedenfalls nur bis zur Hälfte geben, denn erstens bekomme ich Hunger und zweitens gibt es für mich wohl nichts schlimmeres als Reggae. Also schnell die obligatorischen Chinanudeln reingeschraubt und wieder zurück ins Zelt. Zum ersten mal gezielt.

Benzin headlinen nämlich heute die Zeltbühne und das kriegen sie auch verdammt gut hin. Anscheinend bin ich nicht der einzige Festivalbesucher mit Reggae-Abneigung und so füllt sich das Zelt schon sehr früh, sodass es pünktlich mit vollgepackter Hütte losgeht. Benzin sind sowas wie die Punkrock Durchstarter der letzten Monate und so kommt es, dass verdammt viele Leute mitmachen und -singen. Benzin haben die Meute im Griff und bringen auch das eine oder andere Mitmachspielchen mit ein. Sehr kurzweilige 45 Minuten später ist das ganze auch schon leider vorbei und die Masse trottet in die Freiheit, dem Höhepunkt des Festivals entgegen.

Mit 25-Minütiger Verspätung krabbeln die Deichkinder unter dem riesigen, weißen Vorhang hervor, welcher die gesamte Bühne verhüllt. „99 Bierkanister“ soll die Startmarke für diese Riesenparty sein. Der Vorhang fällt und ein Bühnenbild aus verschieden hohen Podesten erscheint. Diese können sich in verschiedenste Formen verwandeln und transportieren fußfaulen Bandmitglieder gerne mal über die Bühne.
Deichkind liefern eine Show, welche an Absurdität kaum zu übertreffen ist. „Roll das Fass rein“ nehmen sie nur allzu wörtlich und bewegen sich in einem überdimensionalen Fass einmal quer durchs Publikum. Die Zuschauer, aufgelöst in Ekstase, kommen kaum noch zum durchatmen. Seitenstiche quälen mich, während ich versuche allen Umstehenden zu beweisen, dass ich Hits wie „Limit“ von vorn bis hinten mitrappen kann und dabei trotzdem beim hüpfen cool aussehe (grade Punkt zwei klappte definitiv nicht). Um Punkt 22 Uhr ist mit „Krawall und Remmidemmi“ der Ofen aus und der kühle Abendwind trocknet langsam die Schweißperlen auf der Stirn.

Zum Serengeti gefahren, Deichkind gesehen, Schmerzen überall, leider geil!