Ja ich weiß, immer mit dem Wetter anzufangen wurde mir schon desöfteren vorgehalten. Aber was soll man tun wenn es kein bestimmenderes Thema gibt? Am Festivalsonntag erklimmt das Thermometer die 37 Grad-Marke, schweisstreibende Bedingungen für den Endspurt.

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Wasserschlachten wohin das Auge reicht. Das gesamte Festival scheint sich in einem stetigen Wasserfilm zu befinden. Blöd nur, dass dieser nach spätestens fünf Minuten der Nichtbefeuchtung schon wieder fast vollständig getrocknet ist. Wasserstellen sind der „place to be“ an diesem heißen Sonntag. Das Bier kocht in den Zelten vor sich hin während sich die meisten der Festivalbesucher lieber mit dem kühlen, alkoholfreien Nass aus der Leitung versorgen.

Dispatch, Fotos: Thomas Peter

Enstpannte Klänge für dieses Szenario bieten Dispatch. Sie gelten als die wohl unbekannteste bekannte Band der Welt. In den USA füllen sie Stadien, auf deutschen Festivals gibt es leider einen sehr undankbaren Nachmittagsslot in brütender Hitze und vor ziemlich lichtem Publikum. Soundprobleme tun ihr übriges dazu. Leider ein eher mauer Auftritt, sodass ich nach der Hälfte wieder den Schatten meines Pavillons suche.

Me First And The Gimme Gimmes

Zurück zur Bühne geht es erst wieder in der Dämmerung. Me First & The Gimme Gimmes geben nämlich ihren Einstand auf dem Area4. Vielen ist wohl gar nicht bewusst welche Größen der Rockszene da vor ihnen stehen. Ein Konzentrat der Foo Fighters, Lagwagon, Swingin‘ Utters und NOFX in Form von Bandmitgliedern der einzelnen Bands steht dort auf der Bühne und performt altbekannte Popsongs und Oldies im neuen Punkrockgewand. Dazwischen einige eher weniger politische korrekte und beleidigende Ansagen und schon haben wir die perfekte, respektlose Punkrockshow. Ohne Skrupel verwurstet die Bands Hits wie „Leaving On A Jetplane“, „I Believe I Can Fly“, ja sogar Led Zeppelins unantastbares „Stairway To Heaven“. Immer mit einem schelmischen Grinsen und einem gemeinen Spruch auf den Lippen versteht sich. Ein absolut großes Konzert an diesem Abend.

Sportfreunde Stiller

Die Sonne weicht, doch die Hitze bleibt. Auch bei den Sportfreunden Stiller rinnt der Schweiß die sowieso schon nassen Körper herunter – sei es aufgrund von Wasserschlachten oder Schweißausbrüchen.
Der Bühnenaufbau zeigt sich auf der durchaus kleineren Bühne bei weitem nicht so spektakulär und riesig wie beim Hurricane Festival, jedoch wird an diesem Abend bewiesen, dass die Band sowas auch eigentlich nicht nötig hat.
Wieder mit vielen Gastmusikern auf der Bühne bieten die Sportis ein Set, welches sich aus der gesamte Karriere der Band bedient. Auch die neuen Songs wissen zu gefallen und das Publikum kennt die Hits genauso wie die Schmankerl.
Und sogar diesmal lässt die Band das Fußballkapitel glücklicherweise komplett zugeschlagen und konzentriert sich auf die wirklich guten Songs. Ein Co-Head der Tags zuvor durchaus einen Headliner mimen hätte können. Schade, dass es nicht so kam.

Die Beatsteaks feiern den "two drummer summer".

Unangefochtener Headliner des gesamten Festivals sind allerdings die Beatsteaks. Chef im Ring sozusagen. Und das zeigen sie auch. Zwar mit 20 Minuten Verspätung, aber mit Vollgas von der ersten Sekunde an bieten die Beatsteaks einen erstklassigen Festivalauftritt.
Auf dieser Festivaltour wird die Band von einem zweiten Drummer begleitet. Dieser ergänzt Thomas Götz ohnehin schon fabelhaftes Schlagzeugspiel um einige detailverliebte Nuancen und bringt in einigen Songs noch nie dagewesenen Druck hinter die altbekannten Songs.
Sogar für Spontanaktionen ist die Band heute zu haben. Auf Zuruf aus dem Publikum spielen die Beatsteaks „Barfrau“. Weil der Song so kurz ist direkt zwei mal hintereinander. Beendet wird das Festival mit einer Coverversion des Beastie-Boys-Klassiker „Sabotage“, welcher seit Jahren zwar immer mal wieder im Set der Band auftaucht, nach dem Tode Adam Yauchs aber eine ganz besondere Bedeutung für Band und anwesende Zuschauer hat.

Area4 Festival, das war mal wieder ganz großes Kino, wenn nicht sogar die beste Ausgabe seit Festivalbestehen. Leider von viel zu wenigen Besuchern gewürdigt, sodass um die Terminzusage für das kommende Jahr erstmal gebangt werden muss.