Stolze 41.000 Zuschauer lockte das Tagesfestival Rock im Pott bei seiner Premiere mit den Headlinern Placebo und Red Hot Chili Peppers in die Veltins Arena zu Gelsenkirchen. Auch wenn die Stimmung vor Ort in der gewohnt superlativbehafteten Pressemitteilung etwas zu überschwänglich gefeiert wird: Eine Fortsetzung scheint so sicher wie das Amen in der Kirche – fragt sich nur mit welchem Konzept.

Andre Lieberberg lässt auch kaum einen Zweifel an einer Neuauflage in 2013 aufkommen, wenn er sagt:

Wir sind sehr glücklich nach „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ nun auch im Ruhrgebiet ein weiteres Festival erfolgreich gestartet zu haben. Die große Akzeptanz und die überwältigende Stimmung der Fans lässt uns mit Optimismus in die Zukunft blicken.

Etwas vorsichtiger äussert sich Mitveranstalter Dirk Becker gegenüber der WAZ:

Wir schauen, dass wir uns in der nächsten Zeit zusammensetzen und überlegen, was sinnig ist und welche Bands wir kriegen könnten.

Alle zufrieden, gleich bei der Premiere mehr Zuschauer als erhofft. Da drängt sich die Frage auf, warum man nicht gleich ein neuen Termin präsentiert und das aktuelle Momentum nutzt um erste Eintrittskarten an den Festivalisten zu bringen.

Warum gibt es nicht gleich einen neuen Termin?

Zwei Szenarien fallen mir als mögliche Gründe spontan ein. So dürften sich die meisten musikalischen Top-Acts noch nicht endgültig über ihre Tourpläne und das Routing über das Frühjahr hinaus sicher sein. Möglichwerweise will MLK und Dirk Becker Entertainment deshalb zunächst die Entwicklungen abwarten und den Termin dann passend zum Headliner legen. Anders als Rock am See in diesem Jahr, die im Nachhinein kurzer Hand für Green Day den Austragungstermin verlegten.

Aber auch die Zukunft des Area4 könnte in den strategischen Planungen in den Frankfurter Büros eine Rolle spielen.
Sollte das Area4 nämlich in 2013 nicht mehr veranstaltet werden, könnte die Marek Lieberberg Konzertagentur auf die Idee kommen in dessen Fussstapfen zu treten. Schliesslich gäbe es dann im bevölkerungsreichsten Bundesland, Nordrhein-Westfalen, kein mehrtägiges Rockfestival von Rang und Namen mehr – nebenbei: man könnte Deutschlands grösstem Festivalveranstalter und Lieblingskontrahenten, FKP Scorpio, ein Schnippchen schlagen.

Letztlich aber dürfe die Gewinnaussicht darüber entscheiden, in wie weit MLK diesen Weg einschlagen würde. Denn mit einer zeitlichen Ausdehnung von Rock im Pott kämen auch weitere Unsicherheiten und Kosten auf den Veranstalter zu – angefangen bei den durch das Duisburg-Fiasko getriggerten Sicherheitsregelungen bis hin zu höheren Budgets für Programm, Geländepacht und Reinigung.

6.000 Besucher mehr als erhofft

Würde man für die Perspektive das gemachte Nest verlassen? Vielleicht ist die besetzte Nische, 1-Tagesfestival in einer Fussballarena, so profitabel, dass man gar keinen Gedanken daran verschwendet das Konzept zu ändern. Man sieht am Beispiel der Konkurrenz: Es ist nicht einfach ein 3-Tagesfestival in NRW mit mehr als 20.000 Besuchern zu bevölkern.
Beim Rock im Pott hingegen hatte man auf 35.000 gehofft, geworden sind es schliesslich sogar 41.000 zahlende Kunden. Die sind schnell da und schnell wieder weg, brauchen keine Campingflächen und produzieren weniger Müll als er bei einem „normalen“ Festival anfallen würde.
Wäre die Arena bis auf den letzten Platz im Oberrang gefüllt gewesen, hätte man 48.000 Menschen unterbringen können. Etwas Luft nach oben und damit zur Ertragssteigerung ist also auch noch da.

Zudem lobte die Marek Lieberberg Konzertagentur die Veltins-Arena: friedliche Atmosphäre, Sound und Infrastruktur, die eine zeitnahe An- und Abreise ermöglichte, wurden gepriesen.
Es scheint sich seit dem Big4-Konzert 2011 also einiges zum positiven hin verändert zu haben. Damals kam es „Auf Schalke“ zu teils tumultartigen Szenen. Akustik, Toilettensituation, Getränke-Versorgung und die Verkehrssituation waren damals von den Besuchern harsch kritisiert, die Arena gar als konzertuntauglich betituliert worden.

Wäre ich am Ruder, wäre meine Entscheidung klar: Zusammensetzen und Rock im Pott 2013 möglichst schnell mit dem bestehenden Konzept für 2013 festzurren. Und das Area4 bitte in eine neue Runde schicken.