Ein neuer Termin fürs Omas Teich war schon fixiert, erste Tickets angeboten. Mittlerweile wurde der Verkauf ausgesetzt. Der Grund ist so banal wie traurig: Im Juli lockte das Rockfestival nur 8000 Besucher nach Ostfriesland. Zu wenig um die Kosten zu decken. Konsequenz: ein Verlust im „unteren sechsstelligen Bereich“. Nun kämpft das kleine Open Air um seinen Fortbestand.

Etwa 2000 Tickets habe man zu wenig abgesetzt für die vergangene Ausgabe, bilanziert Lake Events Geschäftsführer Mario Rolfs gegenüber der Ostfriesen-Zeitung. Dadurch sei ein Minus im „unteren sechsstelligen Bereich“ entstanden. Rechnet man mit dem letzten Kartenpreis von 70 Euro, kann man grob von einem Fehlbetrag von 140.000 Euro ausgehen.

Einigung mit Gläubigern ist primäres Ziel

Grössere Rücklagen scheint es nicht zu geben. Primär geht es deshalb darum, eine Einigung mit den rund 40 Gläubigern des Festivals zu erzielen.
Booking-Agenturen, Bühnenbauer, Entsorgungsfirmen – sie alle müssten im Rahmen eines Sanierungsplans auf einen Teil der zugesicherten Gelder verzichten. Nur dann ginge es möglicherweise mit einem solventen Partner an der Seite im kommenden Jahr mit dem Festival weiter.

Niemand will, dass ,Omas Teich’ in der Versenkung verschwindet. Wir wollen, dass es weitergeht.Mario RolfsGeschäftsführer Lake Events

Diesen Sommer feierte das Omas Teich sein 15jähriges Bestehen. Was 1998 als fixe Idee bei einer Privatparty an Grossmutters Gartenteich begonnen hatte, wuchs sich zu besten Zeiten zu einem Open Air mit 10000 Besuchern aus.

Mögliche Gründe?

Erstmals war der Spartensender ZDFkultur mit seinen Übertragungswagen angerückt, um das ostfriesische Festival im TV zu inszenieren. Möglicherweise Grund für einige zu Hause zu bleiben und sich mit der getroffenen Auswahl zu begnügen. Zumal die Wetterprognosen vor dem Omas Teich Wochenende durchaus von einem Kartenkauf abschreckten – besonders spontane Verkäufe an der Tageskasse dürften davon betroffen gewesen sein. Dass letztlich die abschreckenden Vorhersagen gar nicht eintrafen, muss im nachhinein als Ironie des Schicksals verstanden werden.
Letztlich dürfte einer der Hauptgründe für die Schwierigkeiten des kleinen Festivals aber ganz woanders zu suchen sein: Seit Jahren kennt die Gagenentwicklung der Musiker nur eine Richtung: steil nach oben. Für kleinere Festivals wird es also immer schwieriger bei moderatem Kartenpreis ein von der breiten Masse als wertig empfundenes Festivallineup zusammenzustellen. Sie sind quasi gezwungen ins Risiko zu gehen – und das kann -wie beim Omas Teich zu sehen- durchaus im Fiasko enden.

 
Eindrücke vom Omas Teich 2012

Omas Teich 2012 – After Movie from VISUAL ART HOUSE / FLAPP on Vimeo.