Captain Planet, das sind vier Musiker aus Hamburg. „Moment mal…Hamburg? Schon wieder eine Truppe aus der Hamburger Schule?“, mag sich der Ein oder Andere nun gelangweilt fragen. Zugegeben, ein Hauch davon zieht sich – mit Blick auf die Texte – durch den Stil der Band um Frontmann Jan Arne von Twistern; und doch sind Captain Planet irgendwie ganz anders…

Eine echte Bekanntheit sind Captain Planet unter Rockmusikfans sicher noch nicht. Und dennoch: „Inselwissen“, das letzte Album aus dem Jahr 2009, präsentierte sich bereits als bemerkenswert solides Stück Musik. Ein sehnlichst erwarteter Nachfolger muss den gestiegenen Erwartungen nun Stand halten. Das neue Werk trägt den Titel „Treibeis“, ist seit wenigen Tagen im Handel erhältlich, und stellt Album Nr.3 aus dem Hause Captain Planet dar.

Der Song Pyro eröffnet die Platte zufriedenstellend, wenn auch nicht brillant. Es ist ein Titel, welcher direkt zu Beginn klarstellt, dass die Band ihre vertraute Linie beibehält. Konkret gesagt heißt das: Up-Tempo Punkrock, dirigiert von massiven Gitarrenklängen und pausenlos hämmernden Drums… ein klein wenig in Muff Potter-Manier eben.

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Die Lyrics – nahezu allesamt – aus der Feder von Jan Arne, lassen den Blick wieder in die 3-Zimmer Mietwohnungen, die tristen vier Wände der Wohnräume, und auf die isolierten Beobachter hinter den Fenstern (Spinne), schweifen. Captain Planet treffen den Zeitgeist, machen Atemlos und verschenken Lorbeerblätter (wie im Song Aus Alt Mach Neu) zugleich.

Insgesamt, und wie gewohnt, wuchtig produziert ertönt Treibeis. Die Bassdrum bahnt sich ihren Weg durch besagte,ungezügelte Gitarrenriffs, und zerschlägt in Sekunden sämtliche Gedanken abseits des Albums. Und dann ist da noch der Gesang: Wundervoll turbulent, lauthals und wütend, versucht dieser sich gegen die Instrumente durchzusetzen, um am Ende doch eher darin zu ersticken. Eigentlich sind die Texte – thematisch geprägt von Zweifeln, Angst, und Neuanfang – aber zu bestechend authentisch und hörenswert für diese Produktionsart.

Trotzdem gelingt es Captain Planet äußerst schnell, den Hörer für die Songs zu begeistern. Dynamische Refrains und entfesselnd gewaltige Chöre (Sand In Den Augen, Gehwegflattern) geben fast jedem Song Ausdruck und Wiedererkennungswert. Besondere Highlights stellen für mich die Lieder Nest, Aus Alt Mach Neu und Nationalpark dar.

Bei der Betrachtung der Texte wird zudem klar: Captain Planet erzählen nicht einfach melancholische Alltagsgeschichten – es geht dabei um mehr. Die Jungs sind untergründige Sozialkritiker. Mitreißende Textpassagen wie etwa „(..)Wir haben dich gestern Abend ausgesetzt, kein Platz in unserem Leben (..), Mach’s gut“ (Spinne) oder „(..)Was nicht ankommt da vorne, war’s nicht wert gedacht zu werden(..)“ (Spielplatz) deuten darauf hin.

Nach gut 30 imponierenden Minuten endet „Treibeis“ aber schon wieder mit den Zeilen „(..)Lass uns jetzt nicht warten, lass uns endlich gehen (..)“ (Gehwegflattern) und verbreitet so etwas Aufbruchsstimmung. Es bleibt zu sagen, dass Captain Planet mit diesem Album einen weiteren, äußerst soliden Longplayer abliefern. Dieser wirkt auf mich mindestens so gut wie das Vorgängeralbum, ist aber aufgrund seiner geringen Spieldauer für meinen Geschmack ein wenig zu kurz geraten. Punkrock-Fans sollten hier dennoch gnadenlos zuschlagen…

Weitermachen, solange die Gläser da draußen noch halbleer sind, kann man den vier Hamburgern hier nur empfehlen.