Sänger Ingo Donot hat Rücken – eigentlich schon seit Start der herbstlichen Wake The Dogs Tour. Doch jeden Abend lässt er sich wieder zusammentapen und steht seinen Mann. So auch in Würzburg am vergangenen Freitag, vor einem begeisterungsfähigen, spontanen Publikum.

„Danke an meine Therapeutin, die mich heute Nachmittag zusammengeflickt hat. Sie ist noch bei einem anderen Konzert – irgendein Singer-Songwriterding – kommt später aber vorbei“ lies Ingo die mit rund 400-500 Zuschauern gefüllte Posthalle gleich zum Auftakt wissen. Dabei präsentierte er fast schon ein wenig stolz seinen dicht mit blauen Pflastern eingeklebten Rücken. Während des Konzerts merkte man ihm die Schmerzen nicht an und die Helferin konnte zu fortgeschrittener Stunde tatsächlich noch persönlich begrüsst werden. Es sollte nicht die einzige denkwürdige Aktion an diesem kalten Herbstabend bleiben.

Der linke Schuh Song

Die Crew habe die Band gebeten im Laufe der weiteren Tour nicht mehr soviel zu reden, grinste Ingo ins Mikro. Aber sind wir ehrlich: Die intime Faninteraktion ist unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Donots-Konzerts. Und so wurde in Würzburg rund ein Viertel der 95 Minuten mit Schabernack und Smalltalk verbracht. Well done.

Teilweise konnte die Band garnichts dafür – denn die Zuschauer leierten mehrere Aktionen eigenständig an. Erwähnt sei der eine aus der ersten Reihe der seinen linken  Schuh auf die Bühne warf. Ingo schnappte ihn sich, roch daran und ermunterte den Rest des Saals es dem jungen Mann gleich zu tun. Den nächsten Song hindurch wedelte also verschiedenstes Schuhwerk durch die Luft. Als älteres Semester musste ich zwangsläufig an die Sandalenszene aus Das Leben des Brian denken.
Es blieb die fünf Minuten über wohltuend geruchsneutral.

Ingo Donot

Auch das Sitzrudern war von Bandseite nicht eingeplant, wurde aber freudig angenommen als sich die ersten Reihen einfach absetzten und in die Riemen legten. Ingo verfiel in einen Rammstein-Modus und feuerte das Publikum mit improvisierten Ruderlyrics zu „Ein Mensch brennt“ an. Sehr witzig – und ziemlich Banane.
Tatsächlich wäre es garnicht nötig gewesen die durchweg jugendlichen Zuschauer zu Blödsinn zu animieren. Denn an jenem Abend waren sie sowieso für jede Albernheit zu haben. Die Chemie stimmte einfach. Und so brachte man die Band im Laufe des Konzerts auch noch zu einem Handytelefonat mit der Mutter einer auserwählten Besucherin namens Alex. Dass besagte Lady barfuss auf die Bühne kletterte vermochte zu diesem Zeitpunkt schon niemanden mehr zu verwundern. Schade nur dass Ingos Hauptkommissar-Nummer auf dem mütterlichen Anrufbeantworter landete und nicht live entgegengenommen wurde.

Musik wurde entgegen anders lautender Gerüchte auch gespielt.

Atlas Losing Grip

Zunächst von der schwedischen Vorgruppe Atlas Losing Grip. Deren Sound erinnerte mich partiell massiv an den von Rise Against, wird von Wikipedia aber als Melodic Punkrock beschrieben. Schon ZSK hatte bei ihrer Reunionstour auf die Dienste von Atlas Losing Grip gesetzt. Sie bereiteten den Würzburgern wirklich kurzweilige 40 Minuten, die wunderbar auf den Hauptact einzustimmen vermochten. Job done.
Nur das mit dem Geldverdienen sollten die Schweden noch optimieren. Aus einer ersten Begeisterung heraus wollte ich mir eines der leicht bizarren Shirts der Band zulegen. Zwölf gut investierte Euro – sollte man meinen. Doch die meisten Motive hatte man nur in Grössen von M abwärts vorrätig. Sorry.

Gegen 21:15 Uhr enterten dann die Donots die Bühne. Calling eröffnete das mit reichlich Wake The Dogs Material bestückte Set. 18 Songs, viele Gecks sowie einer Wall Of Death und einem staubigen 20-Meter-Circlepit später war mit Dead Man Walking erstmal Schluss. Für drei Songs Zugabe kehrten die Ibbenbürer kurz später aber nochmal zurück. Und die hatte es in sich: Besonders stimmungsvoll wurde es als Ingo und Guido sich für eine Unplugged-Version von The Years Gone By Mitten in die andächtig sitzende Menge begaben. Darauf folgte der Twistetd Sister-Klassiker We’re Not Gonna Take It. Wo früher wohl final Schluss gewesen wäre, hängten die Donots zum Ausklang die aktuellen Single So Long an. Performt natürlich ohne Frank Turner.

Was bleibt ist die Erinnerung an einen kurzweiligen Aben mit zwei bestens aufgelegten Bands. Nur den ein oder anderen Zuschauer mehr hätte man ihnen gewünscht. Das freigegebene Drittel der Posthalle war gut gefüllt, aber in einer Studentenstadt sollte man an einem Freitag ein wenig mehr Zuspruch erwarten können. Andererseits machte genau diese intime Clubatmosphäre auch einen grossen Teil der Faszination dieses Abends aus.

Vielleicht fühlt sich ja der ein oder andere Leser animiert 22 Euro zu investieren. Im November steuern die Donots zunächst die österreichische Nachbarschaft an, ehe sie im Dezember nochmal eine Runde durch die Heimat touren.
Es lohnt sich.  Apropos lohnen: Wake The Dogs gibts als MP3-Download aktuell übrigens auch für smarte 4,99 Euro. Darauf enthalten 14 Tracks, unter anderem die Zusammenarbeit mit Frank Turner. So Long Donots.

[tourdaten]donots[/tourdaten]

>> Alle Bilder der Donots auf 3Lieder
>> Alle Bilder von Atlas Losing Grip auf 3Lieder

Die Würzburger Setlist:

Calling
Pick Up The Pieces
You Got It
Wake The Dogs
Oh Yeah Oh Yeah
Coma Away With Me
Room With A View
Duck And Cover
All You Ever Wanted
To Hell With Love
Superhero
You’re So Yesterday
In Too Deep
Olympia
Control
Solid Gold
Stop The Clocks
Whatever 80s
Dead Man Walking

The Years Gone By
We’re Not Gonna Take It
So Long