Am gestrigen Eröffnungsabend des Eurosonic Noorderslag fand die Verleihung der Festival Awards Europe statt. Erstmalig ging mit dem Tomorrowland ein Elektrofestival als Gewinner der Best Major Festival-Trophäe hervor. Rock am Ring nimmt die Auszeichnung für das Beste LineUp mit nach Hause, als bestes neues Festival geht das saarländische Electro Magnetic aus der Konkurrenz hervor.

2012

2012 war kein einfaches Jahr für Veranstalter und Festivalisten. Der europäische Festivalmarkt sah sich mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und einem gewissen Sättigungseffekt konfrontiert. Nicht nur britische Festivals machten zudem die Olympischen Spiele und die Fussballeuropameisterschaft zu schaffen, zogen sie doch benötigte Infrastruktur und Besucher ab. All diese Faktoren brachten bei weniger etablierten Festivals einen Rückgang der Ticketnachfrage mit sich. Einige entschieden daher es 2012 lieber bleiben zu lassen, darunter auch sogenannter Major Player wie das Sonipshere UK. Und obwohl just dieses Sonishphere-Mutterschiff auch für 2013 abgesagt wurde, bleibt die Szene prinzipiell optimistisch was die Zukunft angeht.
Auch für die Festivalisten war es nicht einfach, denn die Wetterextreme des Sommers 2012 waren wirklich heftig. Von Deichbrand-Style, total durchfeuchtet und im Matsch versinkend, bis hin zu unerbittlicher Hitze mit Temperaturen jenseits der 35 Grad, der man beim Area4 ausgesetzt war, wurde uns alles geboten.

DACH Bilanz fällt mager aus

Am gestrigen Abend allerdings spielte das keine unmittelbare Rolle mehr. Man war gekommen um sich selbst zu feiern und möglichst eine Auszeichnung davon zu tragen. Die bringt nämlich unbezahlbare Aufmerksamkeit und Reichweite mit sich. Bessere Ticketverkäufe und das Interesse bisher unerreichbar scheinender Künstler können die Folge sein.

Mit diesen Hoffnungen im Hinterkopf fuhren viele einheimische Veranstalter gen Groningen, doch die Ausbeute fiel diesmal eher mager aus. Lediglich Rock am Ring und das Electro Magnetic konnten die Kategorien Best European Festival LineUp respektive Best New Festival mit nach Hause nehmen.
17 andere Festivals aus dem deutschsprachigen Raum blieben unberücksichtigt.

Der Modus der European Festival Awards beteiligt Besucher und Veranstalter der Livemusikbranche gleichermassen. In einer ersten Phase stimmten über 1 Million Teilnehmer für ihre Favoriten ab. Ende November ergab sich aus diesem Voting eine Kurzliste, die sich nun eine Jury aus mit Köpfen aus der Branche zur Brust nahm. Sie bestimmten die Gewinner 2012, die gestern zwischen den Performances der Aufsteigerbands C2C, Bernhoft und Jake Bugg auf der Gala jubeln durften.

Elektro-Nische triumphiert

Als Gewinner darf sich insbesondere die Elektro- und Dance-Musik Ecke fühlen. Dem Tomorrowland gelang es nicht nur als erstem Elektrofestival die Kategorie Bestes Grossfestival zu gewinnen, auch Best Indoor Festival (Sensation, Niederlande) und Best New Festival (Electro Magnetic, Deutschland) fiel an die Dance-Fraktion.

Best-Medium-Sized holte sich der kleine Bruder des Sziget, das Balaton Sound. Bei den kleinen Festivals wurde das Tauron New Music Festival (Polen) zum zweiten Mal nach 2010 geehrt.

Das beste LineUp soll 2012 Rock am Ring aufgeboten haben. In der Gunst der Musiker stand letztes Jahr das Roskilde Festival ganz oben.
Apropos: Die Foo Fighters wurden als Headliner des Jahres ausgezeichnet, die Festivalhymne 2012 hat Lykke Li mit I Follow Rivers geliefert. Of Monsters And Men nahmen den Titel als Bester Newcomer mit.

 

Die Gewinner im Überblick:

-öffentliches Voting-

Bestes Grossfestival: Tomorrowland (Belgien)
Bestes Mittelgrosses Festival: Balaton Sound (Ungarn)
Bestes Kleines Festival: Tauron New Music (Polen)
Bestes Indoor Festival: Sensation (Niederlande)

Bestes Europäisches Festivalprogramm: Rock am Ring
Headliner des Jahres: Foo Fighters (USA)
Newcomer des Jahres: Of Monsters And Men (Island)
Festivalhymne des Jahres: Lykke Li – I Follow Rivers (Schweden)

-Voting der Jury-

Lifetime Achievement Award: Herman Schueremans (Live Nation Belgien, Rock Werchter)
Promoter des Jahres: Pukkelpop (Belgien)
Lieblingsfestival der Musiker: Roskilde (Dänemark)
Umweltpreis: We Love Green (Frankreich)