Es gibt Dinge, die sind einfach genau so, wie man sie sich vorstellt. Ein Alt-J Konzert gehört definitiv nicht dazu. Beim hören ihres Debutalbums hatte ich immer eine dunkle, enge, aber gemütlich eingerichtete Hinterhofgarage im Kopf. Vielleicht ein paar Lichterketten an der Decke und überall gemütliche Sitzmöglichkeiten  im Raum verteilt.

Nun gut, wer das Kölner E-Werk kennt, der weiß, dass diese Location ungefähr am weitesten von der oben genannten Vorstellung liegt, wie es nur geht. Aber trotzdem habe ich den gesamten Abend dieses warme Gefühl im Bauch. Auch wenn heute Abend viele Tausend dieses Konzert mit mir erleben, wir erleben es gemeinsam. Alle sind nur wegen dieser einen Band da. Wegen diesem einen Album, welches die Band in windeseile weit nach oben katapultiert hat und dessen Reisehöhe vermutlich immernoch nicht komplett erreicht wurde.
Da stört es auch nicht, wenn erstmal die Vorband zu Wort kommt.

Stealing Sheep sind drei bezaubernde Damen aus Großbritannien die mit einfachsten Mitteln eine mitreißende Atmosphäre schaffen. Irgendwo zwischen 70er Jahre Hippiemusik und isländischer Folklore strahlen sich die Frauen durch die 30 Minuten Spielzeit und zaubern ein Lächeln auf die Gesichter der meisten Anwesenden.

Alt-J werden im kommenden Festivalsommer allgegenwärtig sein. Gefühlt auf jedem zweiten Festival um den gesamten Globus steht diese Band im Billing. Umso mehr freut man sich über den momentan noch sehr frischen Eindruck der Band. Locker und lässig, als wenn sie grade auf dem Weg zum Brötchen holen wären, schlendert die Band auf die Bühne. Intro. „One, two, three, hey!“. Das Sample wirkt wie ein Startschuss. Ein Startschuss, nicht etwa in eine wilde Party, sondern in eine art Trance in die die Zuschauer versetzt werden.

Gebannt, oft mit geschlossenen Augen lauschen die vielen Menschen im seit Wochen ausverkauftem E-Werk zu Köln dem nahezu perfekten Sound. Immer wieder Szenenapplaus nach den Songs. Von Stück zu Stück tauche ich immer tiefer in eine Welt voller Farben und Töne, die ungefähr so ist, wie ich mir einen LSD-Rausch vorstelle. Das detailverliebte Bühnenbild mit seinen verschieden angestrahlten Vorhängen, welche dem Plattencover nachempfunden sind, tut sein übriges. Großer Effekt mit kleinen Mitteln, das scheint das Konzept dieser Band zu sein.

Die vier Bandmitglieder erzeugen einen tiefen, ausschweifenden Sound, ganz ohne voraufgenommene Tonspuren und ist dabei so auf den Punkt genau hellwach, dass nicht ein einziger Verspieler auffällt. In Fachkreisen würde man sowas wohl Perfektion nennen, ich sage einfach atemberaubend.

Erst der tosende Jubel nach Breezeblocks, dem letzten Song vor der Zugabe, holt mich wieder zurück aus diesem Zustand. Hellwach und mit einem breiten Grinsen stehe ich nun da und warte auf den Schlussakkord. Taro ist eben dieser und schafft es, den gesamten Saal kollektiv doch wenigstens einmal an diesem Abend in Bewegung zu setzen. Jeder hier weiß, dass dies die letzte Gelegenheit für heute Abend ist um doch nochmal die Füße halbwegs zu bewegen.

Fast verschüchtert, mit verschmitzten Lächeln im Gesicht verlässt die Band ohne großes Aufsehen der Bühne und überlässt sich den übrig gebliebenen Zuhörern mit sich selbst und dem grade erlebten. Ein Konzert welches diesen einen Abend überdauern wird.