Dass Trail Of Dead nicht gerade dafür bekannt sind, eine ruhige Kugel zu schieben, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Was sich aber am Samstag im Leipziger Conne Island für Szenen abspielten, war für mich, der vorher noch keinem Konzert der Band beiwohnen durfte, dennoch überraschend.

…Trail Of Dead

Nicht einmal das kleine und gemütliche Conne Island konnten die vier Texaner an diesem Tag ausverkaufen. Mit dafür verantwortlich ist sicherlich die ungünstige Terminwahl am Osterwochenende. Und so verwundert es auch nicht sonderlich, dass die erste Vorband The Coathangers vor gerade mal einer Hand voll Leuten spielt. Die drei Damen versuchen jedoch auf der Bühne alles um den wenigen Zuhörern ein wenig einzuheizen. Dass das eher weniger gut gelingt, liegt sicherlich auch daran, dass die Sängerin mit einer eher weniger zum Singen geeignete Stimme gesegnet ist.

Ähnliches kann man auch über die zweite Vorband Ribozyme sagen. Musikalisch klingt das zwar nicht wirklich schlecht, etwa wie eine Mischung aus Hot Water Music und Metallica. Doch das Potential, das den Songs nicht abzusprechen ist, wird durch die zeitweise etwas dünne Stimme des Sängers nicht wirklich ausgeschöpft.

Von den an der Abendkasse ausliegenden Karten dürften nur eine Hand voll übrig geblieben sein, denn als Trail Of Dead gegen 22:30 Uhr die Bühne betreten, ist der Club sehr gut gefüllt. Und was ihnen an diesem Abend geboten wird, dürften sie so schnell nicht vergessen.

Schon mit dem ersten Song ist klar, in welche Richtung sich der Abend heute bewegt. Denn bereits mit dem ersten Riff steigt die Stimmung bis zum Siedepunkt und ein kleiner aber feiner Moshpit bildet sich direkt vor der Bühne. Trail of Dead geben von Anfang absolut Vollgas, es gibt kaum Verschnaufpausen um die Knochen vom Tanzen zu regenerieren. Und spätestens beim episch guten „Will You Smile Again For Me?“ dürfte auch der letzte Anwesende davon überzeugt sein, dass dort absolute Genies ihres Genres auf der Bühne stehen.

Dass Trail Of Dead das lieben, was sie tun, daran lassen sie an diesem Abend keinen Zweifel. Es sind Vollblutmusiker wie sie im Buche stehen und dabei nicht nur auf ein Instrument beschränkt sind. So spielen Gitarrist Jason Reece und Drummer Doni Schroeder ein fortwährendes Bäumchen-wechsel-dich, tauschen immer wieder ihre Plätze auf der Bühne. So wirft Bassist Danny Wood sein Arbeitsgerät lieblos in die Ecke, weil es nicht so wollte wie er, nur um wenig später mit einem anderen Modell plötzlich mitten im Publikum zu stehen. Das Bad in der Menge lässt sich auch Jason Reece nicht nehmen (wobei er kurioserweise die Rechnung ohne ein viel zu kurzes Mikrofon-Kabel gemacht hat).

Ja, das Quartett auf der Bühne hat richtig Bock. Und das überträgt sich auch auf das Publikum, das nach zwei Zugaben und insgesamt 90 Minuten noch immer nicht genug hat und nach weiteren Songs verlangt. Doch den Gefallen tun die vier Protagonisten dem Leipziger Publikum heute nicht. Obwohl sie den Eindruck machten, dass gerne weitergespielt hätten, ist nach besagten eineinhalb Stunden Schluss. „Zum Glück“ sagen meine Beine. Möglicherweise standen lediglich Lärmschutzbestimmungen einer weiteren Fortsetzung im Weg.

Trail of Dead feiern nächstes Jahr ihr 20-jähriges Bandbestehen. Zum alten Eisen gehören die vier Texaner aber noch lange nicht. Wer die Möglichkeit hat, sie live zu sehen, sollte diese tunlichst wahrnehmen. Chancen haben beispielsweise Besucher des Open Flair oder Taubertal Festivals.

[tourdaten]And-You-Will-Know-Us-By-The-Trail-Of-Dead[/tourdaten]