Es ist schon bewundernswert in welch kurzer Zeit sich Mumford & Sons an die Spitze gespielt haben. Nur läppische zwei Alben brauchte es um in der letzten Woche den Ritterschlag verliehen zu bekommen. Headliner auf dem Glastonbury Festival.

Marcus Mumford

Aber auch so war die gesamte Deutschlandtour innerhalb weniger Stunden ausverkauft. In Onlineauktionshäusern knackten die Ticketpreise teilweise die 200€-Marke und auch heute vor der Halle finden sich viele leer ausgegangene, die noch ihre letzte Chance auf ein Ticket wittern.

Die, die das Glück haben eines dieser begehrten Stücke Papier ihr Eigen zu nennen, sehen heute erstmal zwei Vorbands. Half Moon Run und Mystery Jets sind das und ziehen den Abend gewaltig in die Länge. Nicht, dass sie schlecht wären, nein, aber zwei Vorbands lassen das Publikum doch mal schnell ungeduldig werden.

Mumford & Sons üben sich aber in Wiedergutmachung. Das machen sie so gut, dass all die Warterei schnell vergessen ist. Schnell wird einem klar, warum diese Band so schnell so groß wurde. Nicht nur die überzeugenden Alben, sondern auch vor allem die absolut sympathische und überzeugende Livepräsenz ist es, das diese Band in die Herzen der Menschen gespielt hat.

Das aktuelle Album „Babel“ hält sich nach Einstieg auf Platz 2 nach 21 Wochen immernoch in den deutschen Albumcharts. Die Singles laufen täglich in den Radiostationen rauf und runter und die Konzerte sind restlos ausverkauft. Mittlerweile haben wir es hier mit einem Erstligisten des Musikbusiness zu tun. Aber raushängen lassen sie das absolut nicht.

Wie kleine Jungs albern die vier Bandmitglieder zwischen den Songs auf der Bühne rum, machen ihre Späße mit dem Publikum und verbreiten so ihre gute Laune in der gesamten Halle.
Die Lichterketten, nur wenige Meter über den Köpfen des Publikums von der Decke hängend, sorgen für ein unfassbar familiäres Ambiente in der riesigen Halle, welches irgendwo zwischen Weihnachtsmarkt und Osterfeuer liegt, aber trotzdem nicht kitschig wirkt.
Mumford & Sons schaffen immer wieder Abwechslung und Überraschungen, indem sie langsame und schnelle Songs so gut mischen, dass niemand erraten kann, was die Band wohl als nächstes auspackt. Grade das sind diese kleinen Momente, die den Abend so besonders machen. Wo grade noch 7000 Zuschauer andächtig inne hielten und lauschten, da tanzt jetzt eine wilde Feiergesellschaft um die Wette.

Die Bandmitglieder wechseln die Instrumente wie ihre Unterwäsche und auch die zusätzlichen Bläser und Streicher untermalen den sowieso schon bombastischen Sound perfekt. Markus Mumfords Stimme scheint selbst nach wochenlanger Tour  keine Ermüdungserscheinungen zu zeigen und röhrt gewaltig durch die Halle und hinterlässt hier und da immer wieder eine wohlige Gänsehaut.

„I really fucked it up this time…“. Nein, heute nicht, auch wenn diese Zeile wohl jeder mitsingt, heute fuckt niemand up, heute sehen wir eine Band die einfach Spaß an ihrer Musik hat und das auch auf das Publikum überträgt.

Wär hätte gedacht, dass 90 Minuten Banjogeklimper einfach mal so überhaupt nicht nervig sein können?

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