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Der Songpool von laut.fm ist ziemlich umfangreich und kennt viele Exoten. Beim Zusammenstellen unseres Radios findet man dort oft Bands, von denen man bis dato gar nicht wusste dass sie existieren. Das heutige Paket von Rock im Park/am Ring allerdings stellte den Pool vor unlösbare Probleme: 6 der 8 vermeldeten Gruppen kannte er schlichtweg nicht.

Neu dabei sind Duff McKagans Loaded (Myspace), Five And The Red One (Myspace), Nervecell (Myspace), Red Jumpsuit Apparatus (Myspace), Silvester (Myspace), The Blackout (Myspace), VV Brown (Myspace) sowie You Me At Six (Myspace).

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie diese Welle als Produkt früherer Bestätigungen entstanden sein könnte. Vertrag A zwischen Agenur B oder Label C und Veranstalter D verknüpft das Auftreten von bereits bestätigter Band E mit der Gruppe F, die dadurch heute den Weg ins Lineup fand.

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Diplomatisch formuliert fiel die Reaktion auf die heutigen Bestätigungen im Zentralorgan eher verhalten aus. Manch einer flüchtete sich in Ironie oder Sarkasmus.
Schaut man dem Volk auf den Mund liegt es nicht einmal daran, dass sich unter den Namen kaum bekanntes befand. Zwar zeigt man andernorts, dass man auch zum Ende hin noch nette Bands ins Lineup aufnehmen kann, das eigentliche Problem ist aber ein anderes. Es geht um die Art und Weise wie man mit den Festivalisten umgeht und kommuniziert. Es fühlt sich einfach so an als würde der bedingungslose Kommerz das Zepter übernommen haben.
MLK veranstaltet Festivals nicht aus reiner Nächstenliebe, das ist glaub ich jedem klar. Aber die Relation zwischen Geben und Nehmen hat sich in diesem Jahr gefühlt dramatisch zu Ungunsten der Festivalisten verschoben.
Der Druck auf die Ticketkäufer wurde allein dadurch -bewusst oder unbewusst- verstärkt, indem man eine Preiserhöhung zunächst angekündigte, dann verschob um sie letztlich komplett abzusagen. Das mag im Grundsatz nobel klingen, kam aber beim Grossteil der Kunden so nicht an. Seltsame Begründung im Pressetext des heutigen Tages:

Da für Rock am Ring keine Tickets mehr erhältlich sind, haben die Veranstalter sich dazu entschlossen, den Eintrittspreis für Rock im Park nicht wie angekündigt ab 1. April zu erhöhen.

Zuvor wurde die Verschiebung der Erhöhung ebenfalls wenig logisch erklärt:

Aus Gründen der Fairness gilt die zweite Preisstufe im ermäßigten Vorverkauf nunmehr noch bis 31. März.

Welche Fairness? Und gegenüber wem fragte man sich damals.

Damit nicht genug. Von Beginn an wurde heuer ein eigenartiges Versteckspiel um die Festivalköpfe betrieben. 2008 waren die Headliner von Beginn an bekannt. Man wusste also genau worauf man sich beim Kauf der Karten einlies.
Komplett anderes Szenario in diesem Jahr. Mit jeder Presseveröffentlichung wurden zwar die anhängigen Bands in den Himmel gehoben, auf klare Headlineraussagen musste man aber bis heute warten. Penible Zeitgenossen sagen gar, man warte immernoch.
Auch das Artwork, das vage Rückschlüsse auf die Positionen der Bands im Billing zugelassen hätte, wurde in diesem Jahr erst kurz vor dem Ausverkauf publik gemacht. Ein Zufall?

Apropos Veröffentlichungen. Es sind die überheblich bis arrogant wirkenden Kommentare wie…

Die starke Resonanz bestätigte die moderne Programmkonzeption und Mischung mit Protagonisten wie The Killers, Placebo, Billy Talent, Mando Diao, Peter Fox und The Prodigy an der Spitze. Einen interessanten Kontrast hierzu bilden härtere Headliner wie Slipknot, Limp Bizkit, Marilyn Manson und Korn.

… die selbst alteingesessene Fans der MLK-Festivals die Zornesröte ins Gesicht treiben. Mich persönlich würde interessieren, ob irgendjemand der Offiziellen in den Fanforen mitliest und die dortige Stimmung auch nur ansatzweise ins Handeln einbezieht.

Die „starke Resonanz“ jedenfalls lässt sich trotz vergleichsweise biederem Lineup zum Premiumpreis einfach damit erklären, dass viele Fans sich in blindem Vertrauen auf den Veranstalter bereits frühzeitig ihr Ticket sicherten bzw. frühzeitig Urlaub einreichen mussten. Der ist nun gebucht und so fährt man eben auch hin und sei es nur um mit Bekannten und Freunden ein gemeinsames Wochenende auf dem Campingplatz zu verbringen und einigen Bands zu lauschen.

Man sollte auch nicht vergessen, dass es heuer trotz  der zwangsweisen Reduktion des Kontingents um 5000 Karten 2 Wochen länger dauerte, bis keine Tickets mehr verfügbar waren.

Den Ausverkauf an der eigenen Konzeption oder den verpflichteten Namen festzumachen, empfinden daher 2009 nicht wenige als eher kühn. Gerade mit Blick auf die direkte Konkurrenz Southside/Hurricane. Dort sieht man nicht nur das qualitativ wertigere Lineup, sondern zahlt auch noch 20 Euro weniger als für die MLK-Festivals.
Es wird spannend zu verfolgen sein wie das Rock im Park/am Ring-Ticketing 2010 bei gleichbleibendem Konzept und ähnlichem Druck durch die in- und ausländische Konkurrenz verlaufen wird.

Zurück in der Gegenwart bleibt zu konstatieren: Der Ring ist ausverkauft und für den kleineren Zwilling Rock im Park sind noch etwa 25.000 Karten zu 135 Euro zu haben.

Das aktuelle Lineup von Rock im Park/am Ring:

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