Die Ärzte starten in die Open Air Saison. Das erste „Ärztival“ führt die Band mit ihren Gästen The Damned, Triggerfinger und LaBrassBanda in das Kölner Fußballstadion.

Foto: Steffen Neumeister

„Ärzte, who the fuck is Ärzte?“ Der Zwischenruf, der spontan von der Band mit dem Publikum während des Songs ZeiDverschwÄndung einstudiert wird, ist ebenso wie der Songtitel selbst leider bezeichnend für diesen Abend.

Dabei fing es doch so schön an. The Damned und Triggerfinger bieten kurzweilige Unterhaltung im Vorprogramm, während die Sonne, nur kurzzeitig vom Nieselregen verdrängt, für angenehmes T-Shirt-Wetter sorgt. LaBrassBanda schaffen es sogar, die sonst so intoleranten Die Ärzte-Fans, ordentlich in Bewegung zu versetzen. Man merkt der Band den Spaß an, den sie grade auf der Bühne haben und das schlägt auch auf das Publikum über. Kein Wunder also, dass die Bayern für drei Zugaben auf die Bühne zurückgerufen werden.

Ein kurzes persönliches Zwischenspiel: Es gibt wohl kaum eine Band, die meine Kindheit und Jugend so sehr geprägt hat wie Die Ärzte. So viele schöne Momente und so viel tolle Konzerte habe ich mit diesen drei Flitzpiepen aus Berlin schon erlebt. Umso enttäuschender, wenn man seiner alten Lieblingsband dabei zusehen muss, wie sie ihr eigenes Denkmal demontiert.

Es ist wohl schon kein gutes Omen, als während des Openers Wie Es Geht der Vorhang nicht fallen will. Wenn eine Band das jedoch überspielen kann, dann sind es Die Ärzte. Gewohnt selbstironisch lacht sich die Band einfach selbst über diesen Fehler kaputt. Noch wähne ich mich in einem Konzert, welches viel Spaß verspricht. Der Opener ist mal was neues und das Publikum scheint auch gut aufgelegt zu sein.

Die Erwartungshaltung schwindet jedoch mit jedem Song. Wann kommt denn jetzt endlich mal ein Highlight? Wo bleiben die Albernheiten? Wo die Songs, die nicht schon tausendfach rauf und runter gedudelt wurden? Einzige Ausnahme bleibt das spontane Schnalz-Cover des Hot Butter Hits Popcorn.

Das Set zieht sich wie Kaugummi. Selbst dem Eisverkäufer wird dabei langweilig und lässt sich von der Menge in den Bühnengraben tragen. Das Eis welches die Band daraufhin geschenkt bekommt, hat sie sich heute mal definitiv nicht verdient.

Weiter geht es durch das Radiogedudel. Lasse Redn, Westerland, Unrockbar, Zu Spät, ich wäre besser einfach nach Hause gegangen. Das heute ist einfach eine lustlos runtergespielte Stadionshow. Das „beste“ der letzten drei Alben plus Hits, die mir schon aus den Ohren hängen. Man könnte fast meinen, dass die Band heute nur das wohl zahlreich erschienene Laufpublikum bedienen möchte.

Nichts ist mehr da von der letzten Tour, nach deren Konzerten ich mich berauscht und begeistert auf den Weg nach Hause machte. Heute ist es mehr die Enttäuschung die überwiegt. Die Enttäuschung über eine Band, die anscheinend keinen Wert mehr auf Originalität legt.

 

8 KOMMENTARE

  1. Ich war leider in Köln nicht dabei, aber geh seit 27 Jahren zu den Konzerten von DÄ. Was die Setlist angeht, war es doch schon immer so, daß die Drei es nicht allen recht machen können. Nur die Aussage, daß die DÄ Fans intoleranten seien, finde ich unmöglich. Ich weiß ja nicht, was für Fans der Herr Neumeister bis jetzt kennengelernt hat….er sollte seine Aussage mal überdenken.

    LG Mel

    • Ich habe die Fans kennengelernt, die 2008 in Homberg die Vorband „Die Türen“ ausbuhten, sich umdrehten und ihre Eintrittskarten hochhielten. Oder die Fans, die 2007 auf dem Frequency Festival während der Nine Inch Nails, die direkt vor DÄ spielten, Ärzte-Sprechchöre zum besten gaben, bis Trent Reznor sich mal gegenüber dem Publikum auskotzte und sich nach dem Konzert schwor nie wieder mit dieser Band zusammen zu spielen.
      Und das sind nur zwei von vielen Beispielen.

  2. ganz ehrlich, auf welchem konzert warst du bitte? bis auf die etwas sehr best-of lastige setlist stimmt kein bisschen was du schreibst.
    „wo waren die albernheiten?“
    ja hast du mal zugehört?
    bis auf den kleinen makel der setlist waren die ärzte in bestform. ohne jetzt damit angeben zu wollen: das war mein ärzte konzert nr. 45 und es war richtig gut, die vielen albernheiten haben über die etwas maue setlist hinweggetröstet. ich und auch andere schwebten nach dem konzert debil lächelnd auf der wolke der glückseeligkeit und waren geflasht.
    es waren genug albernheiten. „how the fuck is ärzte“ und das popcorncover waren nur 2 davon. farin mit seinem versuch kölsch zu reden, oder als farin sich bei einem song sich von einem roadie mit der sackkarre über die bühne hat fahren lassen war echt witzig. oder mein persönlicher lieblingsspruch des abends: Farin: „Bela wir sollten eine LKW hupe einbauen“ Rod: „MÖÖÖÖÖÖÖÖP“ xD

    also liebe leser, lasst euch von dem quatsch den der herr neumeister hier verfasst hat nicht beirren. Lasst euch von einem mittourer der schon eine menge ärzte konzerte gesehen hat sagen: das war ein sehr gutes ärzte konzert. die setlist war etwas mau aber darüber konnten die herrlich schönen blödeleien hinwegtrösten

    in diesem sinne!
    lg, Spacki

    • Ich freue mich ja, wenn viele Menschen das anders sehen und einen schönen Abend hatten, ich fühlte mich jedoch leider absolut nicht unterhalten. Klar, im Vergleich zu anderen Bands sind Die Ärzte, was den Unterhaltungsfaktor angeht, immernoch weit vorn, keine Frage. Nur sind es einfach nicht mehr die alten Ärzte. Das wirkt alles viel zu gezwungen, klar machen sie hier und da mal ihre Witzchen, aber wo sind die Zeiten, in denen sie Songs einfach mal auf Zuruf spielten oder spontane Ideen in 15-Minütige Hirnschwundorgien umwandelten? Die sind lange vorbei.

      Zudem hab ich tatsächlich selten nach einem Konzert so viel negatives in entsprechenden Fanforen gelesen. Also scheine ich mit meinem Artikel ja nicht so ganz auf der falschen Fährte zu sein. Klar, es gibt immer die, die alles was ihre Lieblingsband macht abfeiern. Jedoch da wo Kritik angebracht ist, sollte sie auch geduldet werden.

      • Das ist Dein Eindruck und natürlich gibt’s auch immer die Mecker-Ecke, alles völlig ok.
        Ich gehöre nicht zu denen, die alles, was die Band macht, zwingend abfeiern müssen, aber ich hab die auf den beiden Gigs vorher in Flensburg und Rostock gesehen und da haben die schon genug Mist gemacht, also das, was Du als die alten Ärzte bezeichnen würdest.
        Man sollte immer den Kontext beachten, in dem sie sich bewegen. Klar, war das Set eher auf Leute ausgelegt, die die Band nicht sooo gut kennen, aber Quatsch haben die schon gemacht. Sie hatten auch im Vergleich zu den Gigs vorher etwas weniger Zeit, das könnte auch ein Grund sein, dass sie etwas straighter waren. Mal abwarten, wie die nächsten Ärztivals werden, ich werde dann ma nach Kassel etc. berichten ;)

      • weißt du woran das lag?
        das sind die lärmschutzauflagen der stadt köln, von uns verhasst, von den anwohnern geliebt weil ab 23 uhr zum glück ruhe ist.
        da war einfach keine zeit für auschweifenden 15 minütige oder gar noch längeren blödeleien. in rostock glaub ich haben sie radio brennt auf zuruf gespielt. in köln war für sowas einfach keine zeit. deswegen wurden die blödeleien zum ende des konzertes auch weniger bzw. es wurde garnicht mehr rumgeblödelt, sie haben sich in der ersten hälfte verquatscht.
        und was ziehen wir daraus für ein fazit: locations mit lärmschutzauflagen sind gift für eine band wie die ärzte weil sie dadurch gehindert werden zur hochform aufzulaufen

  3. Also ich war am Donnerstag in Rostock – mein 6. Die Ärzte Konzert. Ich muss sagen das sie gewohnt genial wie immer dort gewesen sind. Die Menschen sind aus dem Jubeln nicht mehr raus gekommen. Es wurde viel gelacht, es gab unzählige Circle-Pit’s und die traditionellen niveaulosen Witze wurden einem um die Ohren gehauen. Zudem wurde die hälte vom Album 13 und Planet Punk gespielt und die Klassiker wie Schrei nach Liebe fanden auch ihren Platz. Bela beugte sich sogar kurz den Publikum und spielte den Einspieler von BSL, sowie ein vom Publikum verlangtes Radio brennt.
    Wie immer war es anders bei Die Ärzte, aber dennoch gleich. Alle Konzerte sind verschieden von der besten Band der Welt das sowohl von der Setlist, also auch den Sprüchen her.
    Vielleicht hatten sie nur einen schlechten Tag, aber wer jetzt mit einem bangen zu den folgenden Konzerten eilt, den kann ich beruhigen und sagen: Es war alles wie immer!

    Grüße, Gü.

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