Wir schreiben den 03. Juli des Jahres 2013. Zum allerersten Mal sitze ich post-festivalistisch depressiv in meinem Wohnzimmer und weiß nicht, wie ich das Geschehene in Worte fassen soll. Neben mir steht ein Bier (reine Gewohnheit der letzten beiden Wochen), nebenher läuft das selbstbetitelte Debüt-Album von The Lumineers. Der (enorm subjektive) Versuch einer Aufarbeitung.

Foto: Lisa Reber

Zeitsprung. Spätsommer 2012. Die Festivalsaison hat mit dem Berlin Festival gerade erst einen würdigen Abschluss gefunden. Und dennoch stellt sich mir die Frage: Was soll’s denn werden im Jahr 2013? Hurricane? Klar, wie jedes Jahr halt. Rock am Ring? Scheiß Gelände. Highfield? Um die Ecke, eh klar. Melt? Lineup-abhängig. Und dennoch reift in mir irgendwie die Erkenntnis, dass die deutschen Festivals, so schön sie auch sein mögen, einfach nicht mehr ausreichen. Daher steht für mich fest, dass ich im Jahr 2013 erstmals ein ausländisches Festival besuchen werde. Maßgeblich von den Schwärmereien im Hurricane Forum beeinflusst (Stebbie & ThomZorke), fällt die Wahl schließlich auf das Glastonbury Festival of Contemporary Performing Arts.

Zwischen Hoffen und Bangen

Es findet sich schließlich aus meinem Freundeskreis und Festivalstamm eine kleine aber feine sechsköpfige Gruppe, die das Unternehmen Glastonbury in Angriff nehmen will. Doch so einfach der Entschluss gefasst ist, so schwierig ist es, überhaupt an Karten zu kommen. Denn anders als hierzulande, ist der Ansturm auf die Tickets des Glastonbury Festivals an diesem 07. Oktober unfassbar groß. Knapp 90 Minuten lang versuchen wir von verschiedenen Rechnern und Internetanschlüssen verzweifelt eine Verbindung zur Ticketseite aufzubauen. Im Hinterkopf, dass es beim letzten Festival 2011 nur vier Stunden bis zum Ausverkauf dauerte, sehen wir unsere Felle bereits davon schwimmen, den Traum platzen. Doch dann ist es soweit: Einer meiner Mitfahrer hat es tatsächlich geschafft. Die aufkommende Resignation weicht in Sekundenbruchteilen Glücksgefühlen. Und der erste Moment der Ungläubigkeit (Heißt das, dass wir die Tickets sicher haben?) wird abgelöst durch unbändige Freude. Diese wird noch einmal gesteigert, als wenige Minuten später die Meldung über den Äther geht, dass das Festival ausverkauft ist, wir also mit die letzten Tickets ergattern konnten.

1 KOMMENTAR

  1. Danke für diesen wundervollen Artikel! Jetzt kann ich es noch weniger abwarten, endlich mal dort hinzukommen!
    Aber England hat noch soooo viele andere großartige Festivals zu bieten. Das Reading Festival und das Isle of Wight Festival, sind nach meiner Erfahrung definitiv lohnenswert. Wobei das Reading Festival etwas mehr an ein deutsches Festival erinnert. Vor allem alterstechnisch. Das Isle of Wight ist hingegen Family pur. Aber generell würde ich sagen, dass englische Festivals einfach mehr zu bieten haben, neben der Musik und damit das Festivalerlebnis so ganz anders und irgendwie (für mich zumindest) besser macht, als auf deutschen Festivals.
    Aber im nächsten Jahr geht es neben meinem geliebten Hurricane hoffentlich auch wieder ins Ausland. Roskilde oder Rock Werchter stehen da weit oben auf meiner „Muss-ich-mal-hin-Liste“ ;-)

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