System Of A Down sorgten in den letzten Monaten weniger durch atemberaubende Live-Auftritte für Schlagzeilen als viel mehr durch das ständige bandinterne Hickhack um ein wohlmöglich neu erscheinendes Album. Nichtsdestotrotz begeisterten die armenisch-stämmigen US-Amerikaner am vergangenen Wochenende bei Rock im Pott und der Premiere des Rock ‚N‘ Heim Festivals. Gestern waren sie nun in der Berliner Wuhlheide zu Gast.

Besser hätten die Rahmenbedingungen dieses Abends kaum sein können. Der Himmel zwar bewölkt, aber trocken. Die Menschen gut gelaunt. Die Wuhlheide wie immer schön herausgeputzt für das Gastspiel der Alternative Metaler. Und trotzdem sollte der Abend nicht so gut verlaufen, wie man es hätte erwarten können.

Zugegebenermaßen ist es Meckern auf hohem Niveau – und wahrscheinlich auch ziemlich ungerechtfertigt – wenn man Hawk Eyes, den Support, an dieser Stelle kritisiert – zumal diese durch die Tourabsage von The Pretty Reckless wenige Tage zuvor erst in den Genuss kommen durften, den Abend für System Of A Down zu eröffnen. Nichtsdestotrotz wird man während deren Set das Gefühl nicht los, die Band hätte selber an ihrem Auftritt am meisten Spaß.

System Of A Down betreten schließlich gegen 20:50 Uhr die Bühne. Aerials eröffnet das Set und gibt sofort die Richtung vor, in die sich dieser Abend bewegt. Der durchschnittliche Besucher eines System-Konzerts ist männlich, bewegungswillig und nicht zimperlich, wenn es um Körperkontakt während eines Konzerts geht. Nahezu der gesamte Innenraum tanzt, springt und prügelt aufeinander ein. Ob bei Psycho, Chop Suey oder B.Y.O.B. – hier bleibt kein Fuß am Boden. Dass die gesamte Wuhlheide jede Textzeile (und teilweise sogar Instrumentenparts) mitsingt, versteht sich ohnehin von selbst.

Ja, dieser Abend wird größtenteils vom Publikum getragen. Zwar liefert das Quartett auf der Bühne den Soundtrack dazu, dennoch hat man aber immer das Gefühl, als stünden dort eher vier Individuen auf der Bühne, die ihren Job erledigen, als eine eingeschworene Truppe, die sich vorgenommen hat, den Leuten hier mal richtig in den Hintern zu treten. Vielleicht ist es der Fakt, dass man um die bandinternen Querelen weiß. Vielleicht aber präsentieren sich die Herren nie besonders wortgewandt und redselig.

Sei’s drum. Der größte Kritikpunkt ist ohnehin die Dauer des Konzerts. Zwar stehen am Ende des Gigs immerhin 23 Songs zu Buche. Bricht man dies allerdings auf magere 75 Minuten herunter, ergibt sich ein eher mangelhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Nun mögen sich diese Zeilen negativer lesen als sie tatsächlich gemeint sind. Denn im Endeffekt war es immer noch ein wirklich gutes Konzert. Aber langfristig wird von diesem Abend in der Wuhlheide bei mir nicht mehr hängenbleiben als ein Haken in der Seen-Live-Liste.