Der Vorverkaufsstart des Haldern Pop vergangene Nacht hinterliess massenhaft verärgerte Kaufwillige und wirft die Frage auf: Wie zeitgemäss und zukunftsfähig ist das derzeit gepflegte Modell mit den drei Verkaufsphasen?

Das Haldern Pop (Foto: Christoph Buckstegen)

Das Haldern Pop ist ein relativ kleines Nischenfestival. Insgesamt kann man nur rund 7000 Tickets anbieten und tut dies regelmässig sehr erfolgreich. Vergangenes Jahr war das Festival nach knapp zwei Monaten restlos ausverkauft. Die Leute griffen zu ohne wesentliche Programmpunkte zu kennen. Diesmal ist das nicht anders – eher noch viel extremer. Von Veranstalterseite beschreibt man die Nachfrage als noch wesentlich rasanter als in den Vorjahren und warnt: Nicht zu lange Zeit lassen, will man 2014 dabei sein. Das verfügbare Kontingent nimmt rapide ab.

Als interessierter Beobachter hatte auch ich mich kurz vor 0 Uhr gestern Nacht auf dem Shop-Server des Haldern Pop eingefunden. Klicks ins Leere, vergessene Warenkörbe, fehlende Bestätigungsmails. All das musste ich nicht fürchten.
Binnen kürzester Zeit, sprich 4 Minuten waren die ersten 1000 Karten weg, Verkaufsphase 2 war auch nur 10 Minuten aktuell. Wer sich die Nacht um die Ohren geschlagen hatte um ein paar Euro zu sparen brauchte mehr Glück als Verstand um erfolgreich zu sein. Selbst wenn man an den weissen Seiten vorbei Karten in den Warenkorb manövrieren konnte, war man nicht am Ziel. Denn oft gingen sie auf dem Weg zum Kaufabschluss doch noch verloren. Und selbst wenn die Bestellung durchging: Glaubt man dem Haldern-Forum, warten einige Käufer noch immer auf ihre Bestätigungsmails. Und ohne die wurde die Bestellung schlichtweg nicht erfolgreich übermittelt.

Kurzum:  Der Vorverkaufsstart verlief aus Sicht vieler Kunden eher frustrierend. Davon hat der Veranstalter durchaus Notiz genommen und wendet sich am Abend entschuldigend an seine Klientel. Beschwerden seiner Kunden nimmt man ernst und ignoriert sich nicht einfach – hilft den Betroffenen nicht wirklich weiter, ist aber eine nette Geste.

Ungeahnte Dimensionen hätte der Zugriff auf die Webseite erreicht. Definitiv nicht vorhersehbar, sagen die Verantwortlichen. Warenkörbe seien nicht willkürlich geleert worden, es handle sich um einen bedauerlichen Fehler. Keiner hätte einen Vorteil bei der Hatz nach den preisreduzierten Tickets gehabt. Das Versagen des Shopsystems bringt man mit einem Ansturm in Verbindung, der gegenüber dem Vorjahr „exorbitant gesteigert“ gewesen sei. Damals nämlich wären die beiden ersten Phasen zwar ebenfalls schnell abgeschlossen gewesen – wenigstens aber wären Warenkörbe erhalten geblieben und Bestellungen problemlos durchgegangen.
Man gibt sich durchaus selbstkritisch, wenn man schreibt: „Diese extreme Situation muss gründlich neu überdacht werden.“

Fehlende Bandbestätigungen und ein Verkaufsstart zur Geisterstunde haben nicht helfen können. Karten nur offline zu verkaufen will man sich und den auswärtigen Haldernfreunden nicht antun.
Blieben in erster Näherung drei Möglichkeiten:
a) Verschmelzun der drei Verkaufsphasen zu einer. Im Gegenzug das komplette Kontingent leicht gegenüber dem aktuellen Phase 3 Preis von 99 Euro verbilligen. Damit wäre der Fairness genüge getan und die Nachfrage nachts um 0 Uhr würde sich in Grenzen halten, sprich: Der Server hätte durch eine grössere Spreizung der Last mehr Luft zum Atmen.
b) Verlosung der Karten der ersten beiden Phasen unter allen Interessenten. Eine eher aufwendige Methode, die allein deswegen nicht in Erwägung gezogen werden dürfte.
c) Auslagerung des Ticketings. Man könnte es einem grösseren Provider übergeben, der mit weitaus mehr Serverkapazität und speziellen Warteraummechanismen Spitzenlasten abfangen kann. Würde natürlich Provision kosten und das Haldern auch irgendwie entwurzeln. Von daher auch nicht sonderlich wahrscheinlich.