Rückblende zum Juni 2011, Muffathalle in München: Bevor Death Cab For Cutie-Sänger Benjamin Gibbard in großer Rockstarmanier auf der Bühne herum tobt, stehen The Head And The Heart auf selbiger: nervös und sympathisch zurückhaltend. Jetzt, knapp drei Jahre später, ziehen sie als Hauptgruppe knapp 1.000 Menschen in das Kesselhaus Berlin.

von David Niebauer und Manuel Hofmann

Geändert hat sich seitdem an sich so viel nicht: Noch immer stehen sechs Menschen auf der Bühne, noch immer geht es um schwerst eingängige Folk-Musik. Ein Album ist dazu gekommen und viele HörerInnen, wie etwa die jüngst durch die Netzwerke gegangene Karte der Musikpräferenzen nach US-Staat eindrucksvoll belegt.
Das brachte Selbstbewusstsein, so scheint es: Die Gesten sind größer geworden, die Ansagen selbstsicherer, die gute Laune wird souveräner inszeniert und zelebriert. Das funktioniert insgesamt ganz gut: Alle Aufforderungen zum Mitklatschen sind erfolgreich.

Ein Besucher sieht sogar den passenden Rahmen, in einer Songpause prosaisch von Erlebnissen bei einem Konzert von Mumford & Sons zu erzählen. Das ist als in den Kopf schießende Referenz wohl nicht die schlechteste Wahl, zumal bezüglich kommerziellen Erfolgs.

Begründet erfolgreich ist The Head And The Heart gerade wegen der großen Eingängigkeit und Tanzbarkeit vieler Lieder des ersten Albums. Diese werden vielgefeiert als Hits präsentiert, sei es nun „Lost In My Mind“ oder „Down In The Valley“ zum Abschluss. Und trotzdem wirken präsentierte Stücke vom neuen Album – etwa „Another Story“ – reifer, weniger geprägt von der ewig gleichen Songstruktur und den von Lied zu Lied wiederkehrenden zu dritt gesungenen „Oh-oh-o“-Schleifen.

Paul Thomas Saunders

Das ist insgesamt nett anzuhören, genügt aber nicht, um auf Konzertdistanz vollends mitzureißen. Dafür braucht es dann die Solo-Gesangseinlagen von Charity Rose Thielen, die schon 2011 in München aufgefallen war und seitdem nochmals an Stimmqualität gewonnen hat.

Grund genug, sich auch heute mit dem Support zu beschäftigt: Paul Thomas Saunders. „Terrifying“ sei es, alleine auf der Bühne zu stehen, sagt er. Dabei ist genau das so faszinierend: Wie er einen alleine, mit Gitarre in der Hand, und ohne Herumgetolle auf der Bühne durchgehend aufmerksam bleiben lässt, trotz ablenkenden Geschwafels von hinten. Und wie es an großartige Konzerte von Conor O’Briens Villagers erinnert – stimmlich, texlich und atmosphärisch.

So sind es gerade seine 20 Minuten auf der Bühne, die den Abend zu einem guten machen. Wo wird Paul Thomas Saunders in knapp drei Jahren stehen?