Etwas paradox ist es schon: Der amtierende Träger des „Best Lineup“ Festival Awards mag nicht mehr mitmachen in der Hatz nach grossen, teuren Namen. Für 2014 verzichtet das Berlin Festival auf die Buchung der „ganz grossen Headliner als Zugpferde“, und senkt gleichzeitig den Kartenpreis dauerhaft auf 79 Euro.

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Berlin Festival 2014, Quelle: Festival
Berlin Festival 2014, Quelle: Festival

Man wolle den lokalen Charakter betonen und „die Musik- und Clubszene der Hauptstadt fördern und repräsentieren.“ Konzert- und Clubteil des Festivals sollen nicht länger räumlich getrennt sein, sondern auf verschienden Floors und Areas auf dem Flughafen Tempelhof zusammenfinden. Auch die Gastronomie legt man in Berliner Hände.

In Vergangenheit hatte das Berlin Festival mit exklusiven Buchungen in Kopfzeile und Mittelfeld auf sich aufmerksam gemacht. Anfang 2014 mündeten diese Anstrengungen im Gewinn der Auszeichnung „Best Lineup“ bei den European Festival Awards. Eine Wiederholung wird wohl auf sich warten lassen.

Verzicht auf grosse Headliner

Die wichtigste und für viele ärgerlichste Information heute ist nämlich, dass man nicht weiter mit der Zubuchung weiterer Headliner rechnen darf.
Mit Woodkid, Moderat, Editors und K.I.Z. scheint dieses Jahr das Ende der Fahnenstange bereits erreicht zu sein. Das neue Konzept sieht vor statt in grosse Namen lieber in ein „vielseitigeres Line-Up“ zu investieren, „mit Bands an die wir glauben und die wir aufregend finden.“ Ziel sei es ausserdem „ein Festival zu schaffen, das nicht ist wie jedes andere.“ Allerdings hatte man dieses Ziel in den Augen vieler Fans schon vor dem heutigen Umbruch erreicht.

Unglücklicher Ankündigungszeitpunkt

Schön und gut. Es ist das Recht der Veranstalter ihr Festivalkonzept zu verändern. Allerdings ist der Zeitpunkt ziemlich unglücklich gewählt. Man hätte diese Änderung vor dem Verkauf der ersten Karten kommunizieren sollen – ja vielleicht sogar müssen.
So darf es nicht wundern, dass Käufer der Frühbuchertickets ihrem Ärger auf Facebook Luft machen, teils sogar von „Verarsche“ sprechen. Sie hatten in gutem Glauben an eine Fortsetzung des bekannten Konzepts ihre Karten gekauft und zeigen sich jetzt verständlicherweise enttäuscht von den jüngsten Entwicklungen.

Warum jetzt?

Warum jetzt diese markante Kurskorrektur dreieinhalb Monate vor dem Festival vornehmen? Das ist die Frage, die sich unweigerlich aufdrängt. Zumal der damit verbundene Unmut mehr als vorhersebar ist. Eine echte Antwort liefert die Verlautbarung des Festivals nicht. Bleibt also nur zu mutmassen:
Lief der Kartenvorverkauf so schlecht, dass man sich zur Abkehr der teuren Headlinerfixierung und zur Preisreduktion der Tickets entschloss?
Oder musste man erkennen, dass einem 2014 die tourenden Headliner durch die Finger geflutscht sind und zieht nun mit dieser Anpassung die Notbremse?
Dass dieser Umbruch von vornherein geplant war scheint ein relativ unrealistisches Szenario.