Kraftklub sangen einst …und Josh Homme hätte nie die Arctic Monkeys produziert. Denn Fakt ist: mit dem dritten Album der Arctic Monkeys, produziert eben vom QOTSA-Frontmann, hat sich deren Stil stark verändert. Vom leichtfüßig-tanzbaren Indie-Rock ging die Entwicklung hin zu schweren und düsteren Gitarrenriffs. Eine Veränderung, die nicht allen Fans gefiel – die aber das gesamte Potential der Band zeigte.

Satte 32°C zeigt das Thermometer an diesem sonnigen Nachmittag in Berlin. Eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen für einen gelungenen Nachmittag – zumal die Spandauer Zitadelle nur teilweise im Schatten liegt und Wasser lediglich für 2 Euro pro 0,4 Liter zu haben ist. Insbesondere die Hardcore-Fans in der ersten Reihe lechzen schon während der ersten von vier Bands nach kühlem Nass.

Die erste Band, das sind OK Kid. Der Sound erinnert leicht an Casper – und begeistert auch in erster Linie das weibliche Publikum. Ein ganz guter Eintieg in den heißen Nachmittag.

The Strypes steigern anschließend das Tempo. Mit ihrem schnellen und tanzbaren, an die 1950er und 60er angelehnten Rock’N’Roll heizen sie den knapp 8000 Zuschauern anständig ein. Beeindruckend, wie cool und routiniert The Strypes trotz ihres jungen Alters schon sind und mit unvorhersehbaren Ereignissen wie gerissenen Gitarrengurten umgehen.

Dritter und letzter Support ist schließlich Miles Kane. Kaum ein Künstler passt besser vor die Arctic Monkeys als Miles Kane. Nicht nur weil die musikalische Ausrichtung durchaus Parallelen aufweist, sondern auch weil die Arctic Monkeys und Miles Kane spätestens seit dessen Zusammenarbeit mit Frontmann Alex Turner unter dem Namen The Last Shadow Puppets eine große gemeinsame Zielgruppe haben dürften. Miles Kane ist und bleibt eine verdammt coole Rampensau. Das Publikum ist so textsicher, dass man denken könnte, Miles Kane spiele hier eine Headliner-Show. Ohrenbetäubender Lärm und eigens für ihn angefertigte Plakate unterstreichen seine Beliebtheit im Fanlager der Arctic Monkeys.

Doch all das ist nebensächlich als pünktlich um 21 Uhr die Arctic Monkeys die Bühne betreten. Umhüllt von dichten Rauchschwaden betreten die vier Briten die Bühne. Betont cool und unnahbar inszenieren sich die Arctic Monkeys dieser Tage. Tank-Tops und legere T-Shirts sind längst seriöseren Hemden und Jacketts gewichen. Der riesige Backdrop im Stile des AM-Album-Artworks leuchtet auf und die ersten schweren Riffs bohren sich unaufhaltsam in die Gehörgänge. Do I Wann Know? eröffnet das Set und gibt die Richtung vor, in die sich der Abend entwickelt. Mit Fokus auf dem neuen Album AM präsentieren die Arctic Monkeys eine gute Mischung ihres gesamten Schaffens.

Ja, die Arctic Monkeys sind gereift. Sich schon nach wenigen Songs provokativ die Lederjacke anzuziehen wie annodazumal auf dem Highfield Festival, das würde Alex Turner heutzutage wohl nicht mehr passieren. Überhaupt scheint es zwei grundverschiedene Bands unter dem Label Arctic Monkeys zu geben. Denn heute legen die vier von der Insel eine Spielfreude an den Tag, der ihren Festivalauftritten nur selten attestiert wird. Eine Spielfreude, die vom ersten Song an auf das Publikum überspringt. Hüftschwung-Einlagen, Kniefall-Gitarrensoli – Alex Turner scheint das Rampenlicht zu genießen.

Ob nun die schweren Gitarrenriffs von Crying Lightning, das zeitlose Indie-Disco-Geschrabbel von I Bet That You Look Good On The Dance Floor oder Balladen wie I Wanna Be Yours – die Artic Monkeys überzeugen auf der gesamten Breite ihres musikalischen Schaffens.  Auch ein etwa fünfminütiges technisches Problem, das Dancing Shoes ungewollt unterbricht, bringt die Band kaum aus der Ruhe.

Dass das Konzert mit R U Mine? nach neuzig Minuten eigentlich viel zu früh endet und es angesichts der Jahreszeit schöner gewesen wäre, das Konzert wegen mangelnder Dunkelheit später am Abend zu veranstalten, das bleiben unbedeutende Randnotizen. Denn das waren vielleicht die besten Arctic Monkeys, die es je gegeben hat. Auch, und vielleicht gerade weil ein gewisser Josh Homme sie einst in die richtige Richtung stieß.