Unter dem Motto „Das ist sicher: Wir rocken weiter“ fand heute eine Podiumsdiskussion zum Thema Rock am Ring 2015 im Mönchengladbacher Hockeypark statt. Neben Absichtserklärungen hielt das öffentliche Treffen einen ungefähren Ticketpreis und einen potentiellen Headliner für 2015 bereit. Für die Besucher gab es zudem T-Shirts gratis.

Eingeladen waren interessierte Gladbacher, besonders natürlich die, die direkte Auswirkungen des Festivals fürchten müssen. Veranstalter Marek Lieberberg, sein Sohn Andre, Hockeypark-Betreiber Michael Hilgers, Oberbürgermeister Norbert Bude und Marten Pauls von der Initiative „Green Camping“ informierten die Anwesenden zu einigen Details ihrer Planungen. Glaubt man der RP online, blieben allerdings viele Äusserungen eher unkonkret.

Heimspiel für Lieberberg

Für Marek Lieberberg war es ein Heimspiel.
Vor dem Start der Diskussion liess er sich mit dem Gründer der Facebook-Gruppe „Rock am Ring: Mönchengladbach sagt Willkommen“ ablichten.  Sie hat es innerhalb von lediglich 12 Tagen geschafft, 33000 Supporter der Sache einzusammeln. Ob auch einige der wenigen über das JHQ-Areal verstreuten Kammmolche auf „Like“ gedrückt haben?
Die Aktion jedenfalls kommt gut an in Teilen des eingeschworenen Ring-Fanlagers, vermittelt sie doch ähnlich wie die Abklatsch-Orgie bei Rock am Ring am Wochenende so etwas wie Fannähe und in die andere Richtung Stallgeruch. Promotionstechnisch macht dem alten Fuchs Marek Lieberberg eben so schnell keiner was vor.

Die Wirkung bleibt nicht aus. Lieberberg wurde vom Publikum im Hockeypark in Mönchengladbach wie ein Rockstar willkommen geheissen. Natürlich mit dem seit dem Wochenende fest in den Köpfen verankerten Ruf „Wir sind der Ring„. Trotz einiger ungelöster Umweltbedenken und Sorgen direkter Anwohner, beispielsweise einem Asylbewerberheim, sei er sich „100 Prozent sicher, dass alle guten Willens sind“. Auch Bürgermeister Bude hieb in diese Kerbe: Es solle „alles daran gesetzt werden, das Festival genehmigungsfähig zu machen.“ Klingt als lägen Nägel mit Köpfen greifbar nahe. Wer aber heute eine finale Bestätigung erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Über kritische Stimmen der Zuhörer ist nichts überliefert. Man würde aber alle mit ins Boot holen, versprachen die Verantwortlichen nach einem vorgelagerten, knapp dreistündigen Arbeitstreffen während der öffentlichen Diskussion.

Kartenpreise um 160 Euro

Positives gibt es auf den ersten Blick von der Kartenpreisfront zu vermelden. Zum 30jährigen Jubiläum sollen die Tickets (zunächst) 160-165 Euro kosten – und nicht wie in diesem Jahr bei 189 Euro starten.
Was nicht gesagt wird: Erste Tickets für die letzte dreitägige Ausgabe 2013 kosteten lediglich 150 Euro. Nur wenn das Ring-Jubiläum viertägig veranstaltet werden würde, wäre es für die Fans ein echtes Schnäppchen. Auf dem heutigen Motto-Banner prangte zunächst aber weiterhin nur der schon länger bekannte Termin 5.-7. Juni 2015. Denkbar bleibt für den Moment aber auch ein Tag 4. Schliesslich kam auch letztes Jahr die Verlängerung eher überraschend.

Premierengäste Die Toten Hosen?

Zur Premiere könnte es zu einem Wiedersehen mit einer der langjährigen Stammgäste kommen. Wir alle erinnern uns noch an Marek Lieberbergs bedeutungsschwangeren Worte im Vorfeld von Rock am Ring 2013. Auch wenn wir nicht genau wissen, wie Lieberberg konkret Campino von Die Toten Hosen in seine Worte eingeflochten hat, er scheint ihn nach dessen warmen Worten am Wochenende in seine Rede integriert zu haben.
Campino, am Wochenende als Gaststar Teil von Marterias Ring-Auftritt, liess die Reporter wissen: „Wo Marek Lieberberg und seine Familie sind, da ist ‚Rock am Ring‘. Und wo ,Rock am Ring‘ ist, werden die Toten Hosen sein.“
Erste öffentliche Bestätigungen erwartet Lieberberg übrigens -wie fast immer- etwa zwei bis drei Monate nach dem Ende des Vorjahres-Festivals. Spätestens also Mitte September.

„Nomen est Omen“

Einen Seitenhieb auf das neue Festival am Nürburgring konnte sich Marek Lieberberg auch heute nicht verkneifen. „Nomen est Omen“ entfuhr es ihm – ich stimme dahingehend zu, dass der Name nicht nicht die glücklichste Entscheidung der neuen Herren am Nürburgring ist. Unterschwellig schwingt bei Hölle einfach etwas negatives mit.

Lieberbergs Hausaufgaben

Zunächst muss der Ring-Veranstalter einen genehmiugungsfähigen Bauantrag einreichen, der dann von der Stadt bewilligt werden muss. Dieser Antrag muss enthalten: Ein Verkehrs-und Sicherheitskonzept, das sicherlich kaum eine Hürde für MLK darstellen dürfte. Kniffliger ist da schon die ebenfalls notwenige naturschutzrechtliche Absicherung und eine Immiussionsbeurteilung, die Aufschluss über die Belastung des Geländes durch rund 100000 Besucher pro Tag gibt.
Wird man sich mit der Stadt handelseinig, muss noch ein Pachtvertrag mit dem Eigentümer des Geländes, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, geschlossen werden.

All diese Hausaufgaben will MLK laut eigenem Bekunden in früheren Interviews bis spätestens Anfang Juli erledigt haben.

„Horst Festival muss sich keine Sorgen machen“

Für viele Festivalisten schien der Zuzug von Rock am Ring nach Mönchengladbach gleichbedeutend mit keiner Zukunft für das kleine Horst Festival. Das sieht Marek Lieberberg anders. Seiner Meinung nach sind beide Festivals nebeneinander vereinbar. Bleibt abzuwarten, wie der kleine David auf den Ernstfall reagieren würde.
Das Horst Festival findet heuer vom 11.-13. Juli statt. Es wird erneut wieder rund 15000 Besucher anlocken. Für lediglich 18,60 Euro präsentiert das Horst 21 Bands, darunter Namen wie Madsen, Prinz Pi, Slime und Kylesa.