The National sind die Redaktionskonsensband überhaupt. Sie sind die Meister des düster-melancholischen Alternative Rocks. Am Dienstag gastierten sie in der Parkbühne zu Leipzig.

Unerträgliche 35°C zeigt das Thermometer an diesem heißen Sommerabend. Während Leipzig noch unter der brütenden Hitze leidet, toben in Nordrhein-Westfalen unterdessen schwere Unwetter. Unwetter, die sich auf dem direkten Weg gen Osten befinden. In Vorfreude auf The National mischt sich daher eine gehörige Portion Unbehagen.

Als Support haben sich The National auf diese Tour St. Vincent mitgebracht. Annie Clark, so ihr bürgerliche Name, ist eine Songwriterin und Multiinstrumentalistin aus Oklahoma. So wirklich mag ihr etwas verquerer Indie-rock mit Noise-Anleihen nicht vor The National passen. In Erinnerung wird sie vielen Besuchern daher in erster Linie wegen ihres grell gefärbten Haupthaares bleiben.

Gegen 20 Uhr ist es endlich soweit. The National betreten die Parkbühne im Clara-Zetkin-Park. Die Location ist wie gemacht für diesen Abend. Gesäumt von den schattenspendenden Bäumen des Parks in der unmittelbaren Umgebung, der Zuschauerraum nach hinten leicht ansteigend. Die Parkbühne sorgt trotz nahezu ausverkauftem Haus für eine innige und irgendwie familiäre Atmosphäre.

Auf der Bühne Altbewährtes: Frontmann Matt Berninger schwankt zwischen Lethargie und wütender Verzweiflung, zwischen gekonntem Einsatz seiner unverwechselbaren Bariton-Stimme und inbrünstigen Schreien. Auch bei meinem fünften Konzert von The National ist es nachwievor faszinierend, wie sehr sich Berninger in seiner Musik verlieren kann.

Neben Sänger Berninger stehen einzig die Dessner-Brüder an den Gitarren im Mittelpunkt. Der Rest der Band hält sich zurück, agiert im Hintergrund. Man kennt das, wenn man schon Konzerte von The National gesehen hat. Klar, das ist ein Stück weit Routine. Aber gerade weil es The National trotzdem schaffen, eine unfassbar innige und dichte Atmosphäre zu schaffen, gehören sie mit zum Besten, was momentan über die Bühnen dieser Welt tourt.

Und trotz allem bleibt am Ende das Gefühl, dass hier eine Menge Potential verschenkt wurde. Zum einen fehlten – anders als in den Konzerten davor und danach – Lit Up und Start A War.* Zum anderen – und das wiegt bedeutend schwerer – gehört eine Band wie The National einfach in die Dunkelheit. Bei allem Verständnis für Anwohner und die Idee des Freiluftkonzerts: die eher dunklen Klänge von The National sowie deren Visuals auf den LED-Leinwänden hätten zu späterer Stunde (oder in einer dunklen Halle) noch einmal deutlich mehr hergemacht.

*hätte ich persönlich noch lieber gehört als The Geese of Beverly Road