[Edit: Ein Blick ins deutsche Markenregister offenbart zwei Einträge für „Rock am Ring“. Beide wurden nicht 1985 vorgenommen.
Die Marek Lieberberg Konzertagentur GmbH & Co. KG hat sich 1993 die Wortmarke für die Bereiche „Veranstaltung von Musikkonzerten und Unterhaltungsdarbietungen; Tonträger“ gesichert. 1997 zog die Nürburgring GmbH nach und meldete die Wortmarke für den Bereich Merchandising an („Papier, Pappe (Karton) und Waren aus diesen Materialien, soweit in Klasse 16 enthalten; Druckereierzeugnisse; Fotografien; Schreibwaren; Verpackungsmaterial aus Kunststoff, soweit in Klasse 16 enthalten; Spielkarten; Leder und Lederimitationen sowie Waren daraus, soweit in Klasse 18 enthalten; Häute und Felle; Reise- und Handkoffer; Regenschirme, Sonnenschirme und Spazierstöcke; Bekleidungsstücke, Schuhwaren, Kopfbedeckungen).
Als Laie lese ich daraus: MLK dürfte ein Festival mit dem Namen „Rock am Ring“ veranstalten, im Zweifel aber keinen Merchandise mit der Aufschrift verkaufen. Ein Jurist anwesend, der dazu Stellung beziehen kann?]

Als ob die Wortspitzen zwischen Lieberbergs auf der einen Seite und dem Grüne Hölle-Triumvirat auf der anderen noch nicht schmutzig genug gewesen wären: Wir erleben die nächste Eskalationsstufe. Nun geht es um den prestigeträchtigen Namen „Rock am Ring“.

Laut Rhein-Zeitung stösst es dem Insolvenzverwalter des Nürburgrings und dem neuen Eigner Capricorn sauer auf, dass Marek Lieberberg sich als alleinigen Schöpfer von Rock am Ring illustriert.

„Gemeinsam gegründet“

Ihrer Meinung nach hat die Rennstrecke zumindest partiell ebenfalls Rechte an dem sogenannten Werktitel „Rock am Ring“. Diese gehen der Meinung der Insovlenzverwaltung nach auf die Gründung des Festivals im Jahre 1985 zurück. Damals schulterte die Konzertagentur Mama Concerts und die Nürburgring GmbH gemeinsam das Projekt. Lieberberg als damaliger Mitgesellschafter bei Mama Concerts habe deswegen nicht, wie jüngst immer medial betont, die alleinigen Nutzungsrechte am Titel „Rock am Ring“. Da man sich offensichtlich nicht einigen konnte, geht die Sache vor Gericht.

„Alle möglichen Tricks“

Vielleicht hatte Marek Lieberberg bei der Podiumsdebatte in Mönchengladbach vor zwei Tagen also doch nicht ganz zufällig von „Rock im JHQ“ gesprochen. Er dürfte schon damals von der bevorstehenden gerichtlichen Auseinandersetzung gewusst haben. Gegenüber der Rhein-Zeitung gibt er sich kämpferisch: „Das ist alles nicht stichhaltig. Man versucht nur mit allen möglichen Tricks, mich daran zu hindern, das Festival an einem neuen Ort aufzuziehen. Das wird nicht gelingen, selbst dann nicht, wenn wir den Namen Rock am Ring nicht mehr nutzen könnten.“

Der Aussenstehende kann mittlerweile eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln. Aber vor und hinter den Kulissen wird nicht umsonst mit harten Bandagen gekämpft. Schliesslich geht es um Geld – und wahrscheinlich nicht gerade wenig. Eigentlich haben Capricorn und seine Partner ihr neues Festival am Nürburgring auf den unvorteilhaften Namen „Grüne Hölle“ getauft. Geht es also nur darum eine „Ablöse“ von Marek Lieberberg zu kassieren? Oder plant man in den Büros am Nürburgring bei einem Sieg vor Gericht tatsächlich dem neuen Kind das altbewährte, mit Tradition behaftete und natürlich geldwerte Branding überzustreifen? Getreu dem Motto: Nichts ändert sich, aber Marek ist raus!
In dem Fall wäre dann wohl eine Ablöse für die partiellen Namensrechte an die Marek Lieberberg Konzertagentur zu zahlen.

Mending als Gladbach-Backup

Auch ein weiterer heute aufgekommener Aspekt lässt aufhorchen. Als Backup für den neuen Standort Mönchengladbach soll die Marek Lieberberg für sein -nennen wir es einstweilen noch- Rock am Ring einen Flughafen in Mendig im Kreis Mayen-Koblenz im Auge haben. Das Gelände liegt gerade einmal 30 Kilometer vom Nürburgring entfernt.
Zur Erinnerung Lieberberg und Deag wollen ihre Festivals beide parallel am Pfingstwochenende 2015 veranstalten.

 

Ich vermag nicht zu sagen, wie der Rest der Festivalwelt dazu steht. Anfangs war es ja ganz amüsant. Aber persönlich bin ich das Schlagen und Stechen langsam leid und wünsche mir ein schnelles Ende dieser Zwistigkeiten – zumindest in der Öffentlichkeit. Sollen sich beide Parteien lieber auf ihren Job konzentrieren und versuchen mit ihren Festivals für Positivschlagzeilen zu sorgen.