Saarwellingen, mitten im tiefsten Saarland. Es ist ein Samstag im Juni. Bei mild-sonnigem öffnet das Rock Camp Festival zum dritten Mal seine Tore. Zwischen Folk, Indie- und Punkrock präsentiert  man nun ein Line-Up, das vielversprechender kaum sein könnte. Wir haben uns auf die Reise zum rund 400 Kilometer entfernten Festival gemacht…

Chuck Ragan; Apologies, I Have None Tim Vantol und Montreal sind nur einige der Namen, die an diesem Samstag rund 1.500 Musikfans zum Rock Camp locken. Ganz unscheinbar in einem Waldgebiet befindet sich das überschaubare Festivalgelände. Von einem Rockfestival ist im umliegenden 13.000-Einwohnerort Saarwellingen folglich kaum etwas  zu spüren. Dabei wird hier für einen fairen Eintritt breites musikalisches Spektrum geboten

Den Festivaltag eröffnen A Hurricane’s Revenge, eine lokale Band, mit dynamisch massiven Punkrockklängen und lassendie Erwartungen an die darauffolgenden Künstler steigen. Paper Arms und The Slow Death, deren Toursupport, knüpfen nahtlos an dieses Genre an, und können das erste kleine Highlight des Tages bieten.

In regelmäßigen Abständen zieht eine breite graue Wolkendecke auf, der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, immer mehr Besucher strömen nach und nach vor die Bühne. Mit dem kanadischen Singer-Songwriter Northcote ist ohnehinein großartiger Künstler angekündigt, der mitreißende Melodien in Lagerfeuer-Manier spielt ohne dabei schmalzig zu wirken. Zum Erstaunen des Publikums tritt allerdings zunächst die Sängerin Billy The Kid aus Vancouver ins Rampenlicht. Sie steuert eindrucksvoll ein paar Songs ihrer Soloplatten bei. Gekonnt lenkt sie damit den Nachmittag  in eine ruhigere musikalische Richtung. Unterstützt wird sie dabei von Northcote und Headliner Chuck Ragan, der sich bereits hier zum ersten Mal zeigt.

Mit energiegeladener Stimme und authentischem Songwriting gelingt es dann auch Northcote die Begeisterung im Publikum in der kommenden halbe Stunde aufrecht zu halten. Mit seiner symphatisch-unaufgeregten Art gewinnt er zahlreiche neue Hörer für sich. Das Publikum ist nun ausgiebig auf Folk eingestimmt, doch dann folgt ein Bruch in der Struktur…

Es ist inzwischen früher Abend geworden, die Temperaturen haben sich etwas abgekühlt. Vom Regen sind die gut gelaunten Besucher aber verschont geblieben. Die Hamburger Punkrock-Band Montreal beginnt nun ihr Set. Als einzige deutschsprachige Band des Festivals zeigen sie sichtlich bemüht mit der Menge zu kommunizieren. Nicht nur Sänger Hirsch und Gitarrist Yonas legen ein enormes Tempo vor, auch Schlagzeuger Max Power gibt wieder mal alles. Man hätte den Spielplan wohl besser verschoben, und Montreal hinter Tim Vantol gesetzt. Denn die totale Begeisterung bleibt für sie an diesem Nachmittag aus.

Wenig später steht nämlich schon der Niederländer Tim Vantol mit seiner Band auf der Bühne. Wieder gibt es Folk Rock zu hören, Tim Vantol singt rauhhalsig zu den Klängen seines neuen Albums. Ihm gelingt es das Publikum mitzureißen. Es wird mitgetanzt, mitgeklatscht und mitgesungen. Als ein echts Highlight des Tages bleibt sein Auftritt in Erinnerung.

Mit Soundproblemen haben im Anschluss die Indiepunkrcoker von Apologies, I Have None zu kämpfen. Als Co-Headliner sind die Erwartungen des sehr durchmischten Publikums kaum zu bremsen. Und so fällt der Ausstieg von Bandmitglied Dan Bond auch heute ins Gewicht. Mit einer rasanten Show und einer gut gemischten Setlist aus neuem und altem Material wissen sie dennoch zu überzeugen.

Unter inzwischen dunklem Abendhimmel folgt dann schließlich der Headliner des Abends: Wenige Künstler wurden in den letzten Monaten so viel diskutiert und gleichzeitig gefeiert wie Chuck Ragan, der Headliner des Rock Camp Festivals. Wahnsinnig gute Kritken haben seiner bisherige Konzerte erhalten. Auf seinem neuen Album wirken seine Songs packender denn je. So auch in Saarwellingen. In gut 75 Minuten Spielzeit gelingt es Ragan und Band (fast) jeden einzelnen Zuschauer für sich zu gewinnen. Viele Besucher planen  – auch durch diesen Abend – weitere seiner Konzerte anzusteuern.

Und so bleibt die Erkenntnis des Tages, dass das Rock Camp ein wirklich unterbewertetes, beeindruckendes Festival ist. Man kann kann nur auf ein ähnlich gutes LineUp im kommenden Jahr hoffen…