In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bezieht FKP Scorpio Geschäftsführer Folkert Koopmans erstmals Stellung zur neuen Situation im Juni. Auch Hurricane und Southside werden seiner Meinung nach die Auswirkungen der Konkurrenz von MLK und Deag zu spüren bekommen.

Nur Verlierer

Koopmans glaubt nicht, dass es bei der aktuellen Konstellation überhaupt einen Gewinner geben kann. Vielmehr sieht er ein ruinöses „Blutbad“ auf Marek Lieberberg Konzertagentur und Deag zukommen, sollten Grüne Hölle Rock und Rock am Ring/Rock im Park 2015 ihre Pläne tatsächlich verwirklichen und am gleichen Wochenende in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander stattfinden. Mikroexkurs: Der Nürburgring liegt von Mönchengladbach Luftlinie nur 100km entfernt.

Lieberberg nimmt Abstand von „Rock am Ring“

Lieberberg beabsichtigt sein neues Festival in Mönchengladbach anzusiedeln.
Der Tag lieferte einen guten Eindruck von den harten Bandagen mit denen die Kontrahenten hinter den Kulissen kämpfen. Heute war es MLK, die eine empfindliche Niederlage einstecken musste. Das Landgericht Koblenz gab der Klage vom kommenden Nürburgring-Eigner und Grüne Hölle-Gesellschafter Capricorn statt, der zu Folge Marek Lieberberg nicht alleiniger Besitzer der Marke „Rock am Ring“ ist und folglich nicht einfach mit dem Namen umziehen darf.

Lieberbergs neues Baby braucht also einen alternativen Namen. Der ist Stand heute unklar wie die Frage in welcher Form man 30 Jahre Rock am Ring überhaupt wird feiern dürfen. Von der verkaufsfördernden Bezeichnung „Rock am Ring“ habe sich Lieberberg gedanklich jedenfalls schon verabschiedet, berichtet der SWR. Man nehme Abstand davon den Namen für das Gladbacher Festival zu nutzen, lässt aber das Koblenzer Urteil nichts desto Trotz genau prüfen. Logisch, denn der Name ist bares Geld wert.
Der Weg an einen runden Verhandlungstisch mit Capricorn, um über den Kauf der Anteile des Nürburgrings an der Marke „Rock am Ring“ zu verhandeln, scheint derzeit keine Option für Lieberberg zu sein. Konsequenz: Er wird viel Geld in die Promotion des Neustarts stecken müssen.

Wettbieten befürchtet

Folkert Koopmans, seines Zeichens Ausrichter von Hurricane und Southside, sieht ein hartes Wettbieten um Rockbands aufziehen. MLK auf der einen und die Deag auf der anderen Seite würden sich die Musikergagen gegenseitig nach oben puschen.
Letzte Konsequenz: Der einzelne Besucher wird mehr für sein Ticket zahlen müssen. Wenn nicht 2015, dann eben im Jahr darauf.

Auch für seine eigenen Festivals wird der Konkurrenzkampf zwischen MLK und Deag nicht folgenlos bleiben. Koopmans rechnet damit „Blutspritzer“ abzubekommen: „Und dann fallen leider auch ein paar Blutspritzer auf uns ab, weil es bestimmt ein paar Bands geben wird, die wir auch haben wollen, und die dadurch im Preis-Ranking ziemlich nach oben gehen.“

In Vergangenheit galt folgende ungeschriebene Regel: Band A spielte im einen Jahr bei MLKs Rock am Ring/Rock im Park und wurde im kommenden Jahr dann bei Hurricane/Southside präsentiert. Im dritten oder vierten Jahr wiederholte sich dieser Zyklus.
Ein weiterer, grosser Bandabnehmer im Juni wird diesen einfachen Mechanismus zwischen den beiden dem Eventim-Konzern angehörigen Firmen, Marek Lieberberg Konzerte und FKP Scorpio, nachhaltig aushebeln.