Zurückgelassene Zelte sind generell ein grosses Problem für Festivalveranstalter. Einerseits kostet die Entsorgung Zeit und Geld, andererseits schlagen die Müllberge sich negativ in der Ökobilanz nieder. Das schweizer Open Air St. Gallen entgegnet dem Dilemma mit einem Zeltdepot. Dieses Jahr eingeführt, fühlt man sich gleich von dessen Erfolg bestätigt.

>> Diskussion über die Müllproblematik an Festivals

Glastonbury Räumung kostet 3,7 Mio Euro

Das Chaos von ca 175000 Besuchern des Glastonbury werden 800 Arbeiter innerhalb von 3 Wochen beseitigen. Kostenpunkt laut Schätzungen rund 3,7 Millionen Euro. Imposante Bilder vom Glastonbury Gelände nach dem Festival hält die Daily Mail bereit.
Beim Openair St. Gallen mit seinen 30000 Besuchern fällt weit weniger Müll an, nämlich etwa 2 kg pro Person und Tag – was in etwa der schweizer Normalmenge entspricht. Etwa 1,9 kg Abfall produziert jeder Schweizer täglich, das macht 694 kg im Jahr.
Und doch sieht man beim Openair St. Gallen Einsparungspotential. Vollkommen zu Recht, rechnen einige 3-Tagesfestivals in Deutschland doch nur mit 3 kg Müll pro Person über die volle Distanz!

16,50 Euro Zeltpfand

CHF 20 oder umgerechnet 16,50 Euro musste man am Bändelumtausch an Pfand pro Zelt hinterlegen. Wurde das stoffene Hotel am Ende wieder mitgenommen, bekam man das Geld am Ausgang zurückerstattet.

Von den 11300 registrierten Zelten  wurden 8475 oder umgerechnet 75 Prozent wieder ausgelöst.
Etwa 3000 liessen ihr Zelt stehen. Die Veranstalter gehen davon aus, dass diese Zahl noch niedriger ausgefallen wäre, hätte sonntags kein Dauerregen eingesetzt.

Zwar nennt das Festival keine Vergleichszahlen vom Vorjahr -vielleicht weil schlicht keine über kg Müll hinausgehenden erfasst wurden- doch wird von einer „deutlichen Verbesserung“ gesprochen. Das Zeltdepot sei ein Schritt in die richtige Richtung, „auch wenn weitere Verbesserungen möglich sind.“
Ohne dort gewesen zu sein ist mehr als vorstellbar, dass sich der zusätzliche Aufwand in einer längeren Wartezeit am Bändchenschalter bemerkbar gemacht hat.

Persönlich stehe ich einem solchen Zeltpfand gespalten gegenüber. Nicht, dass mir die Leute leid täten, die ihr Pfand in den Matsch schiessen. Aber letztlich werden am Eingang die Festivalisten bestraft, die sich schon vorher vorbildlich verhalten hatten. Und sei es nur durch die längere Standzeit.

Doch wenn die Einführung des Pfandes dazu führt, dass die Leute schon beim Zeltkauf nachdenken und die Hände von billigen „Einmalzelten“ lassen, ist schon viel gewonnen. Denn zu einem Zelt für 60+ Euro baut man eine andere Verbindung auf als zu einem für 20 Euro vom Discounter. Von längerer Haltbarkeit und echter Festivalfunktionalität möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu sprechen beginnen.

Was haltet ihr vom Konzept Zeltpfand? Gängelung oder tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung?
Sagts uns in den Kommentaren.

1 KOMMENTAR

  1. Dieser Zeltpfand vehindert aber nicht, dass tausend andere Dinge stehen bleiben: Stühle, Pavillons, Grills etc.
    Also löst es das problem ja auch nur teilweise…

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