Von Lisa Koschate und Sven Morgenstern

Guten Morgen, liebes Splash! Festival. Das Wetter ist durchwachsen, aber absolut festvaltauglich. T-Shirt-Wetter, kein Regen, nicht zu warm. Was will das Festivalisten-Herz mehr? Wir blicken zurück auf den Samstag beim Splash! Festival 2014. Den Bericht vom Freitag findet ihr hier.

Nachdem uns gestern Nachmittag noch der Rückblick auf den Freitag beschäftigt hat, ging es direkt danach zurück ins Festivalgetümmel. Erste Station waren 3Plusss und Sorgenkind, ein lussstiger Einstieg in den Festivaltag.

3Plusss & Sorgenkind auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern
3Plusss & Sorgenkind auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern

Einzig Doneteasy, der bei einem Song als Gast die Bühne enterte, erschien irgendwie Fehl am Platz. Seiner Körpersprache nach zu urteilen, fühlte er sich auch genau so.

Als nächstes stand Alligatoah auf dem Plan. Sehr erfreulich war, dass er ein paar Änderungen an der Bühnenshow dabei hatte. Zwar standen auch die alten Requisiten – wie der Kinderwagen oder der Suppentopf, in den der Butlerboi Basti auch hin und wieder ein paar Zutaten schmiss – im Mittelpunkt stand aber die riesige Dusche, deren Vorhang als Zeitmaschine und somit Umkleidekabine diente. Die erste Zeitreise gelang perfekt und spuckte einen Mein Gott hat den Längsten-performenden Alligatoah mit Terroristenmaske aus.

Alligatoah auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern
Alligatoah auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern

Die nächste Reise ging laut eigener Aussage etwas schief, sodass Alligatoah im bekannten Trenchcoat rauskam und dem Publikum erklärte, dass sie erstmal gemeinsam ermitteln müssten – der Auftakt zu Fick ihn doch.
Trostpreis wurde gemeinsam mit Timi Hendrix gespielt, der schöne Grüße von der restlichen Trailerpark-Crew ausrichtete – die zwei Songs später dann plötzlich komplett auf die Bühne kamen und den Rest des Sets mit Trailerparksongs füllten. Gefühlt wurde Trailerpark mehr abgefeiert als Alligatoah alleine – meinetwegen dürfen sie nächstes Jahr ruhig mehr Festivals spielen.

Der nächste auf der Snipes Vulcano Mainstage: Kollegah. Wir haben das Konzert leider nur aus dem Pressebereich verfolgt – leider, wie man im Nachhinein sagen muss. Denn der Platz vor der Mainstage schien zumindest den Fernsehbildern nach zu urteilen kollektiv auszurasten. Was nicht zuletzt auch Caspers Gastauftritt und der gemeinsamen Performance von Mittelfinger hoch zu verdanken war.

Krach. Bumm. Bäng. Pyro. Feuerwerk.

Prinz Pi auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern
Prinz Pi auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern

Was anmutet wie der Beginn einer Rammstein-Show ist in Wahrheit das Set von Prinz Pi. Laut eigener Aussage freue er sich sehr, wieder „zu Hause“ zu sein und lässt sich zu dieser Gelegenheit auch nicht lumpen. „Klotzen statt kleckern“ ist das Motto. Denn auch wenn das Geschehen auf der Bühne eher sachlich-nüchtern ist, das Drumherum samt Pyrotechnik in der in Dunkelheit getauchten Ferropolis beeindruckt.

Was folgt ist eine enorm schmerzliche Überschneidung – und damit einhergehend einer der größten Kritikpunkte am diesjährigen Splash! Festival. Denn warum in Gottes Namen muss man denn die Headliner der beiden größten Bühnen wirklich exakt parallel spielen lassen? Die Entscheidung besteht an diesem Abend also zwischen den 257ers und Outkast.

Da ich, Lisa, nicht viel mit Outkast anfangen kann, hab ich die ersten drei Songs darauf gewartet, dass Sven aus dem Fotograben wiederkommt, um ihm dann zu sagen, dass ich lieber rüber zu den 257ers gehe – dank des Geländes waren es keine 30 Sekunden von der Snipes Vulcano Mainstage zur Desperados Aruba Stage.
Es gibt eigentlich nur ein Wort, das den Auftritt passend beschreibt: Abriss. Ob Alligatoah bei Über alle Berge auch auf der Bühne stand, weiß ich nicht, da ich den Song nicht komplett gesehen habe. Die 257ers haben allerdings nach dem Song gemeint, dass sie keine Ahnung hätten, wo Alligatoah hin wäre, vielleicht wäre der auch schon über alle Berge.
Der Abschluss war Abgehn, ein Song, den das Publikum wörtlich genommen hat. Dreimal wurde eine Wall Of Death von der Band gefordert, jedes Mal noch ein bisschen größer. Nach jeder einzelnen kamen einige sehr zerstört aussehende Fans aus der Masse rausgetaumelt.

Outkast auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern
Outkast auf dem Splash! Festival 2014 ; Foto: Sven Morgenstern

Der einzig wahre Headliner des Abends waren aber natürlich Outkast, die nach gefühlt 35-jähriger Bühnenabstinenz das Splash! mit ihrer Anwesenheit beehrten. Als Headliner kann man es sich dann auch schon mal leisten, 15 Minuten zu spät zu kommen – erst recht, wenn man dann einen solchen Auftritt hinlegt. Outkast spielen als wären sie nie weg gewesen. Die großen Hits von damals zünden auch nach so langer Zeit noch immer. Ob Ferropolis schon einmal so viele tanzende Menschen gesehen hat wie bei Hey Ya? Fraglich. Ein denkwürdiger Auftritt, von dem bedeutend mehr hängen bleiben wird, als nur die Erleichterung, endlich mal Ms. Jackson live gehört zu haben.

Um die überfüllten Shuttlebusse nach dem Ende von Outkast zu umgehen, entschließen wir uns, der Strandbühne noch einmal einen Besuch abzustatten. Und was soll ich sagen? Beste. Entscheidung. Ever. OK Kid Soundsystem vs. Ronny Trettmann Hifi. Ein Soundclash, der sich gewaschen hat. OK Kid entschuldigen sich im Voraus für alle potentiell „penetrierten Mütter“, distanzieren sich vom Niveau der folgenden Minuten. Ronny Trettmann singt von Birnen-Pfeffi mit Zimt und man fragt sich: Meint der das Ernst? (Man weiß doch, dass man Pfeffi ausschließlich pur und gut gekühlt genießt! Okay, zumindest aber pur.)
Gleiches fragt man sich auch bei Moneyboy, der in einer Runde auf die Bühne tritt um OK Kid den Rücken gegen Ronny Trettmann zu stärken und es sich dabei auch nicht nehmen lässt, Dreh den Swag auf zu performen – das Publikum hat’s gefeiert und ich hab genau gesehen, wie auch Sven mitgesungen hat!

Noch bevor der Soundclash zu Ende ist, geht es für uns Richtung Zeltplatz, so dass wir leider nicht berichten können, ob „OB Kid“ oder „Der Vogel Ronny Trettmann“ gewonnen hat.

Wir stürzen uns jetzt noch ein letztes Mal in das von Grasgeruch geschwängerte Getümmel und hoffen, unsere Impressionen morgen noch ein letztes Mal mit euch teilen zu können.