Die 30 hatte es definitiv in sich. Holt euch lieber Getränke und ein paar Knabberein, legt die Füße hoch und setzt euch gegebenenfalls noch das Nasenfahrrad auf, denn der folgende Artikel könnten unter Umständen etwas länger ausfallen. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte ihren Redakteur oder Festivalveranstalter.

Wenn mir jemand sagen würde, ich solle das 30. Open Flair Festival in maximal drei Wörtern beschreiben, dann würde ich sagen: Einfach Unfassbar Geil. Denn was die Organisatoren in diesem Jahr auf die Beine gestellt haben, das hat schon gesonderten Respekt verdient. Ich glaube, so viele Feuerwerke wie in den fünf Tagen habe ich in den vergangenen zwei Jahren nicht gesehen. Was damals als kleines Festival begann, ist mittlerweile ein bundesweit bekanntes Spektakel geworden. Rise Against reisen nur fürs Open Flair nach Europa, die Broilers geben zu, dass das Open Flair eines ihrer Lieblingsfestivals ist und Casper bedankt sich vor mehreren Tausend dafür, dass er zwei Jahre in Folge zu Gast in Eschwege sein durfte.

Alles auf Anfang – Anreise, Wetter…

Meine Anreise gestaltete sich etwas kompliziert. Da ich nur 15 Minuten Fußweg zum Festivalgelände habe, wollte ich erst am Mittwoch anreisen. Meine schlaue Überlegung stellte sich aber als eher unpraktisch raus, denn irgendwann sind die Akkus der Handys deiner Freunde nun auchmal leer. Mein Plan ging also völlig in die Hose. Gott sei Dank arbeitete mein Bruder am Campingplatz und hat sie beim Einlass gesehen. Sie faselten ihm etwas von Lichtmast, Planschbecken, Dixi-Toiletten und nackter Puppe vor. Also machte ich mich mit meiner Freundin auf die Suche. Nichtmal 20 Minuten brauchten wir, denn die Kerle findet bzw. erkennt man schon an der Einzigartigkeit. Besonders kreativ war das Outfit der Jungs. Zwei Bierdosen mit Panzertape an den Bauch geklebt und zwei Strohhalme jeweils aus den Dosen in den Mund gesteckt.

Das Wetter ist ein Traum gewesen, jedenfalls bis Sonntag – aber definitiv mysteriös. Am Dienstagmorgen um 11 Uhr dachte ich, es regnet sich ein. Schon fünf Stunden später waren wir bei 24 Grad und minimaler Bewölkung sowie wunderbarem Sonnenschein. Das Wetter hielt sich wie gesagt perfekt, bis Sonntag. Das Quecksilber stieg stetig Tag für Tag ein wenig höher. Sonntag dann folgte die mehrfachen Unwetterwarnung vor extrem schwerem und starkem Gewitter. Ab ca. 15 Uhr zog es dunkel auf und begann zu regnen. Mehrere Gewitter folgten. Mittlerweile konnte man auf dem Festivalgelände (fast) Kanu fahren. Auch die Werra kam einem aus ihrem angestammten Bett entgegen – ähnlich wie beim Hochwasser des letzten Jahres.

An dieser Stelle möchte ich auch ein wenig Kritik üben: Die moderne Technik macht es einem möglich, frühzeitig vor Unwetter zu warnen. Liebes Open Flair Team. Zukünftig könntet ihr Unwetterwarnungen auf den Bildschirm neben der HR3-Bühne ansagen, Warntafeln beim Eingang des Geländes und Campingplatzes anbringen oder sogar eine Art Warnung in Eure App integrieren. Mit dem Hinweis „Tickets sind ab jetzt erhältlich“ hat das doch auch geklappt! ;-)

Ganz Eschwege wird eingebunden

OK KID auf der neuen "Bühne".
OK KID auf der neuen „Bühne“.

Das Open Flair hat dieses besondere Etwas, mitten in der Stadt basiert zu sein. Kein Festival in Deutschland ist so familiär, einzigartig und geschätzt von Künstlern (Ja – unabhängig von der Gage!), wie dieses. Alleine der Ehrgeiz der Festivalmacher, ganz Eschwege mit einzubinden ist einzigartig. Ich meine, es gibt nur wenige Festivals in der europäischen Landschaft, die sich ständig weiterentwickeln. Das Open Flair ist eines davon. Ein Kleinkunstzelt in der Stadt, eine Seebühne am Werratalsee, zwei Bühnen auf dem Werden, Walkacts auf dem Gelände und in der Stadt, eine Schlossparkbühne, eine Waldbühne und eine Tourbusbühne am anderen Ufer. Auch nach Jahrzehten wird das Flair von den Eschwegern äußerst positiv in Empfang genommen. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Ob Jung oder Alt, alles ist mit dabei. Vorallem auch wirtschaftlich gesehen ist das Festival ein gigantisches Plus für Eschwege.