Manuel Unger ist Mr. Rockpalast. Jeder, der Sonntags Spätabend den Fernseher einschaltet kennt sein Gesicht. Die Sendung die er modierert ist eine weltweit bekannte und geschätzte Institution der Fernsehlandschaft. Eine Sendung, die die deutsche Festivallandschaft mitgeprägt hat.

Ein Interview von Roman Groß

Festivalisten: Du bist ja inzwischen so etwas wie der „Mr. Rockpalast“. Gibt es besondere Höhepunkte oder aber unvergessene Momente in deiner langen Karriere?

Manuel Unger: Es gab natürlich viele großartige Festivalmomente. Zum Glück sind sie bei jedem Festival dabei. Auf jeden Fall ist es immer großartig, wenn Drehschluss ist und ich in Ruhe die Headliner sehen kann, mit denen ich noch kurz vorher ein hoffentlich interessantes Interview geführt habe. Da schmeckt das Feierabendbier noch besser…
Ein Highlight war im vergangenen Jahr der Auftritt von Glen Hansard beim Haldern Pop Festival, als er eine Zuschauerin auf die Bühne geholt hat und mit Ihr seinen großen Hit „Falling Slowly“ im Duett gesungen hat. Das war Gänsehaut…

Aber das ist nur ein Beispiel von vielen. Jedes Festival hat seine Höhepunkte – zum Glück!

F: In den letzten Jahren ist sehr viel Bewegung in den Festivalmarkt gekommen. Festivals kommen, Festivals gehen. Wie siehst Du die Zukunft der Festivallandschaft in Deutschland?

M.U.: Ich mache mir um die Festivallandschaft in Deutschland keine Sorgen. Das Geschäft mit Livemusik läuft nach wie vor. Natürlich gibt es immer wieder Festivals, die es nicht schaffen auf Dauer zu überleben. Aber dann kommen neue. Schade ist es natürlich, dass Institutionen wie das umsonst und draussen Spektakel Rheinkultur nicht überlebt haben, oder auch das Area4. Spannend ist die Entwicklung, wie es mit Rock am Ring und Lieberbergs Plänen für ein neues Festival weitergeht.* Schön, dass es so viele tolle kleine Festivals gibt, die eine treue Fangemeinde haben und wo man viele tolle Bands in einer ganz besonderen Atmosphäre erleben kann.

(*Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde bereits vor einiger Zeit geführt. Damals war noch nicht abzusehen, was aus „Rock am Ring“ werden würde.)

F: Gibt oder gab es ein persönliches Festival-Highlight für dich?

M.U.: Ich habe natürlich schon viele Festivalhighlights erlebt. Manu Chao beim Roskilde Festival, oder auch Nick Cave, den ich ebenfalls dort gesehen habe. Traurig und bewegend war auch dort die Tragödie im Jahr 2000 als 9 Menschen beim Auftritt von Pearl Jam ums Leben kamen. Da stand ich nur 50 Meter von der Unglücksstelle entfernt. Das war natürlich kein Highlight, wird mir aber auf ewig in Erinnerung bleiben. Neil Young im strömenden Regen bei Rock am Ring war auch ganz groß, oder LaBRassBanda beim Haldern Pop Festival. Ach, ich könnte so viele aufzählen. Ich freue mich jetzt schon auf die, die in diesem Jahr auf mich zukommen.

F: Nach welchen Kriterien sucht ihr beim Rockpalast die Konzerte und Festivals aus, die ihr übertragt?

M.U.: Der Rockpalast sucht sich in jedem Jahr einige Festivals aus. Das Hauptkriterium ist natürlich die Musik. WIr wollen die Vielfalt zeigen: Das kann Metal sein, wie beim Rock Hard Festival, Reggae, Dancehall und Hip Hop beim Summerjam, oder wie in diesem Jahr zum ersten Mal Gothic beim Wave Gothic Festival in Leipzig. Toll ist natürlich auch die Vielfalt, wie beim Serengeti Festival, wo wir seit letztem Jahr sind. Da gibt es immer eine große Vielfalt an guten Bands. Beim Eurosonic in Groningen entdecken wir jedes Jahr im Januar die europäischen Newcomer, die man vorher kaum kannte. Oder das Haldern Pop Festival, das uns immer wieder unvergessliche Konzerte beschert. Die Bands, die auf den Festivals spielen, interessieren uns erstmal alle. Logisch, dass wir die Headliner alle aufnehmen wollen. Leider funktioniert das nicht immer, da die Plattenfirmen oder Managements Einschränkungen machen, die wir nicht aktzeptieren können und wollen, und die Sendeverträge müssen natürlich auch von beiden Seiten unterschrieben werden. Es ist leider nicht immer ein Wunschkonzert…

F: Wie läuft ein typischer Rockpalast-Dreh, von der Planung bis zu Sendung für dich ab ?

M.U.: Ein typischer Festivaltag sieht für mich so aus: Hoffentlich sieben Stunden schlafen, dann gut frühstücken und danach bereite ich mich in der Regel noch mal auf alle Bands vor, die wir aufzeichnen und mit denen ich Interviews mache. Dazu schreibe ich mir ein paar Notizen auf und mache mir ein paar Anmerkungen in meinen Block. Fragen notiere ich mir eigentlich nur sehr selten. Mittags treffen wir uns dann mit dem Kamerateam an unserem Produktionsbüro und besprechen den Drehtag. Was habe ich vor, wen treffen wir, gibt es Akustiksongs für uns und wo können wir gut ein Interview führen. Ein Problem ist für uns der Ton. Wenn eine Band auf der Bühne spielt, ist es kaum möglich ein Interview in der Nähe aufzuzeichnen. Es ist dann kaum sendbar, da die Fragen und Antworten zu schlecht zu verstehen sind. Da müssen wir dann improvisieren. Ansonsten telefoniere ich viel mit meinen Ansprechpartnern der Bands, laufe übers Gelände, durchs Backstage, suche nette Geschichten und treffe viele Leute. Langweilig ist es nie, eher auch schon mal hektisch, aber Spaß macht es immer. Feierabend ist dann, wenn wir alle Bands getroffen haben, alle Aufsager gemacht wurden, und wir die spannenden Geschichten bekommen haben, die wir brauchen.

F: Wie bist du zum Rockpalast gekommen?

M.U.: 1996 kam ich zu Radio 1Live und habe seit 1998 dort die Musiksendungen Heimatkult und Kultkomplex moderiert. Musik war also schon immer meine Leidenschaft und Teil meines Jobs. Fernsehen kam dann auch relativ früh dazu (1999). Zuerst haben wir „1Live TV“ gemacht, dann habe ich für die Lokalzeit Köln gearbeitet, und 2003 bin ich dann zu Peter Sommer gegangen. Er hatte damals den Rockpalast von Peter Rüchel (er war der Gründer des Rockpalastes) übernommen. Wir haben uns unterhalten und schnell gemerkt, dass wir gleich „ticken“. Peter Sommer ist kein Freund von klassischen Moderationen. Er mag eher Reporter, und da passte ich genau rein. Seitdem bin ich festes Mitglied des Rockpalast-Teams und freue mich über alles was kommt.

F: Hast du einen Tipp für Junge Leute, die auch gerne Moderator werden wollen?

M.U.: Der Tipp ist: Machen! Heute gibt es so viele Möglichkeiten, um sich auszuprobieren. Es reicht ja schon ein Smartphone, um kleine FIlme und Modeartionen zu machen. Machen und angucken. Wenn Du denkst, dass es gut ist und Du es auch gerne Deinen Freunden zeigst, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Praktika in TV oder Radio-Redaktionen sind der nächste Schritt, ein Volontariat ist natürlich super. Aber es gibt viele Wege. Moderator ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Man muss es machen und ausprobieren, ob es einem wirklich Spaß macht – und: Ein bisschen Talent sollte man auch mitbringen…

F: Vielen Dank für deine Zeit Manuel, und alles Gute für die Zukunft.