Ob man sie mag oder nicht – sie sind eine der Konstanten der Konzertszene: Fotografen in den Gräben vor den Bühnen. In unserer heutigen Folge „Festivalisten trifft“ sprach Roman Gross mit Thomas von der Heiden, der auch, aber nicht nur, Musiker ins rechte Licht setzt.

Ein Interview von Roman Groß

Festivalisten: Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Thomas von der Heiden: Meistens bin ich nachmittags vor Ort um die Interviews zu begleiten und ein Bandfoto zu machen. Auf Festivals eher mittags. In der Pause bis zu den Interviews bearbeite ich, wenn möglich, schon die Bilder und bestücke die Facebook Seiten der Redaktionen. Danach fotografiere ich die Konzerte, jeweils die ersten 3 Lieder. Bei mehreren Bands bearbeite ich die Bilder in den Pausen und erstelle die Bildergalerien und lade die hoch.

Festivalisten: Benötigst du für deine Arbeit auf einem Festival nur eine generelle Erlaubnis, oder sind auch Sondergenehmigungen für z. B. den Backstagebereich erforderlich?

Thomas von der Heiden: Für den Backstagebereich braucht man immer einen besonderen Pass. Dieser berechtigt nur zum Betreten des Backstagebereichs, das heißt aber nicht, dass man da fotografieren darf, was man will. Gerade Backstage wollen die meisten Künstler nicht fotografiert werden.

Festivalisten: Was gibt es besonders zu beachten wenn man eine Live-Band fotografiert?

Thomas von der Heiden: Es macht Sinn, sich im Vorfeld Bilder der Band – besonders der aktuellen Tour – anzusehen. Meist kann man so schon vorher wissen, welche Positionen sinnvoll sind und wie die Lichtsituation sein wird.

Festivalisten: Müssen Bandfotos vor einer Veröffentlichung in jedem Einzelfall genehmigt werden?

Thomas von der Heiden: Nein, in den 17 Jahren ist es zweimal vorgekommen, dass ich Fotos abnehmen lassen musste. Das waren Shootings, bei denen ich Bands sehr nah und sehr persönlich begleiten konnte.

Thomas von der Heiden, Foto: (c) Elisabeth Zgid
Thomas von der Heiden, Foto: (c) Elisabeth Zgid

Festivalisten: Gab es schon einmal extreme Schwierigkeiten bei deiner Arbeit? (z.B. durch Management, Bands.)

Thomas von der Heiden: Extreme Verträge, z.B. Akkreditierung nur gegen Überlassen von kostenlosen Nutzungsrechten, unterschreibe ich schlicht nicht. Es gibt aber auch Bands, die sich oder ihre Shows schlicht nicht fotografieren lassen wollen, das muss man akzeptieren. Problematisch sind überfüllte Fotogräben oder schlechte Lichtverhältnisse.

Festivalisten: Wie wird man Profi-Fotograf? Muss man unbedingt eine Ausbildung machen?

Thomas von der Heiden: Viele sehr erfolgreiche Fotografen haben keine klassische Ausbildung oder haben Fotodesign studiert. Wichtig ist eine gute Mappe und eine gewisse Frustrationstoleranz.

Festivalisten: Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Thomas von der Heiden: Ich habe mir mit 16 meine erste Kamera gekauft, zu Schulzeiten SW und Farbe entwickelt und gesprintet. Nach Abitur und Zivildienst habe ich eine Fotografenlehre gemacht und mich 1996 sofort danach als Werbefotograf selbständig gemacht. Für den Rockpalast habe ich 1997 angefangen zu fotografieren.

Festivalisten: Wie viele Bands hast du schon geknipst?

Thomas von der Heiden: Ich habe ca. 1700 Shows für den Rockpalast und 1LIVE (ab 2007) fotografiert.

Festivalisten: Was muss man alles beachten, um „das perfekte Foto“ zu machen?

Thomas von der Heiden: Das zu beschreiben ist schwierig. Man muss den Moment erwischen, in dem der Künstler einen Ausdruck hat, der seine Musik widerspiegelt, das Licht muss passen, man muss an der richtigen Stelle stehen und kameraseitig müssen Belichtung und Schärfe stimmen. Im Grunde muss man die Musik hören, wenn man sich später das fertige Bild ansieht. Ich kann mich allerdings nicht an ein Bild erinnern, mit dem ich zu 100 Prozent zufrieden war, aber ich arbeite daran.

Festivalisten: Wie lange dauert es in der Regel vom Fotomachen bis zur Veröffentlichung? (bearbeiten, sichten u.s.w)

Thomas von der Heiden: In der Regel 2-3 Stunden. Die Bildergalerien erstelle ich in der selben Nacht , die Printversionen inklusive Beschriftung ( Besetzung, Ort, Zeit , etc ) am nächsten Tag. Als ich 1997 analog angefangen habe, hat das eher eine Woche gedauert.

Festivalisten: Gibt es noch einen „Traumact“, den du gerne einmal fotografieren würdest?

Thomas von der Heiden: Nein. Ich bin kein Fan, ich fotografiere beruflich nur wirklich gerne Musik. Neue Bands oder alte Bands, bekannt oder unbekannt – das ist mir nicht so wichtig. Tendenziell liebe ich schnell und laut, im Vergleich zu langsam und leise.

Festivalisten: Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft !

Weitere Information über seine Arbeit gibt es unter musikfotografie.de