Die Antilopen Gang ist derzeit in aller Munde. Nicht nur, dass die drei Bengel mit „Aversion“ ein grandioses Album veröffentlicht haben, welches der Liebling vieler Feuilletons war – auch die Abmahnung von Obermahnwichtel Ken Jebsen, der den Song „Beate Zschäpe hört U2“ am liebsten aus dem popkulturellen Gedächtnis radieren möchte, sorgte für kostenlose Publicity und den einen oder anderen Sympathiepunkt auch außerhalb der Hip Hop-Szene. Im Sommer konnten die Jungs schon vor ihrem großen Hype auf dem Daughterville Festival in Hamburg gut überzeugen. Grund genug, der „neuen Antilopen Gang“, wie es auf dem Opener von „Aversion“ tönt, einen erneuten Besuch abzustatten.

Und wie soll es auch anders sein – das Hamburger Hafenklang ist ausverkauft und rappelvoll. Und das schon als die Vorband Robinson Krause ihre Punksmasher zum Besten gibt. Moment – Punksongs? Als Support von einer Hip Hop Crew? Ja, wer die Antilopen kennt, weiß um den gesunden Spritzer Zeckenflair und Anti-Alles-Spirit, was sich sowohl textlich als auch musikalisch ausdrückt. Das gepflegte Ausrasten kommt also nicht zu kurz. Besonders schön in diesem Zusammenhang: Die eingestreuten Live-Schlagzeugsoli von DJ Müllmann Moses Cool, der die Gang akustisch auf Gießkanne, Kanister und Ölfaß unterstützt.

Was man auch nicht alle Tage sieht, ist die Vielfalt im Publikum: So ist vor der Bühne eine bunte Ansammlung aus bouncenden Hip Hoppern, tanzenden Fangirls und pogenden Antifas anzutreffen. Dementsprechend wird von Koljah, Danger Dan und Panik Panzer eine wüste Mischung aus überdrehtem Sprechgesang, schunkeligen Mitsingaktionen und Instrumentalparts zum Durchdrehen präsentiert. Letztere kamen erwartungsgemäß auch am besten an – bestenfalls immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Die Intimität und Nähe im verschwitzten Hafenklang verstärkte diese Atmosphäre umso mehr. Zwischendurch gab es bei ruhigeren Tracks wie „Enkeltrick“, „Schade“ oder „Nie mehr zurück“ Zeit zum Verschnaufen, Schmachten oder Mitgrölen, je nach Geschmack. Die Fans präsentieren sich erstaunlich textsicher – auch bei den älteren Tracks, die nicht zu kurz kommen. Zum Glück!

Wenn man also nach einer feisten Mischung aus Anti-Attitüde, politischem Understatement und Party sucht, ist man bei den Antilopen goldrichtig. An diesem Abend wurde die volle Packung geboten, inklusive Stage-Diving-Einlagen und Slime-Hommage zum Schluss. Was kann es auf einem Hip Hop Gig besseres geben? Die „neue Antilopen Gang“ ist immer noch so nonkonform wie zu „Fick die Uni“-Zeiten und sorgt durch ihre neuen Tracks mehr denn je für crosskulturelle Verständigung vom Feinsten.

Die restlichen Tourdaten:

18.12.2014 – WIESBADEN – Schlachthof
19.12.2014 – REUTLINGEN – franz.K
20.12.2014 – KÖLN – Gebäude 9
11.02.2015 – MÜNSTER – Gleis22
12.02.2015 – MARBURG – KFZ
13.02.2015 – FRANKFURT – Zoom
14.02.2015 – STUTTGART – 1210
15.02.2015 – ULM – Club Schilli
19.02.2015 – HEIDELBERG – Häll
20.02.2015 – KONSTANZ – Kulturladen
21.02.2015 – AARAU (CH) – Kiff
22.02.2015 – KARLSRUHE – Substage
25.02.2015 – MÜNCHEN – Strom (Zusatzkonzert)
26.02.2015 – WÜRZBURG – Cairo
27.02.2015 – ERLANGEN – E-Werk
28.02.2015 – GRAZ (AUT) – PPC Bar
01.03.2015 – WIEN (AUT) – B72
12.03.2015 – GÖTTINGEN – MUSA
13.03.2015 – LEIPZIG – UT Connewitz
14.03.2015 – BERLIN – SO36 (Zusatzkonzert)
19.03.2015 – ROSTOCK – Peter Weiss Haus
20.03.2015 – LÜBECK – Treibsand
21.03.2015 – HANNOVER – Faust
27.03.2015 – HAMBURG – Knust (Zusatzkonzert)
31.03.2015 – OLDENBURG – Amadeus
01.04.2015 – BOCHUM – Bahnhof Langendreer
02.04.2015 – DÜSSELDORF – Zakk