Ein wenig Angst hatte ich ja schon, nachdem Olli Schulz ankündigte, sich aus dem TV zurückzuziehen und sich wieder hauptsächlich auf die Musik zu konzentrieren. Nicht, weil ich ihn unbedingt als TV-Quatschmacher behalten wollte. Viel mehr befürchtete ich, dass das neue Album gezwungen und gekünstelt depressiv und düster würde.

Düster ist Feelings aus der Asche definitiv. Gezwungen oder gekünstelt? Keinesfalls. Olli Schulz hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Ein richtiges Album zur richtigen Zeit. Da hat sich scheinbar einiges angestaut was raus musste. Trennungsgeschichten, Beziehungskrisen, Selbstzweifel, das ganze kleine Große eben.

Schulz schafft es abgedroschene Phrasen wie „Sie ist grad‘ in so ’ner Phase“ oder „Wir sind Kinder der Sonne“ in so neue und ungewohnte Zusammenhänge zu verpacken, dass man im ersten Moment die Augen zu rollen vermag, beim näheren Hinhören allerdings doch anerkennend nicken muss.

Schulz‘ letztes Album SOS – Save Olli Schulz wirkte ein wenig wie der Versuch auf der Medienwelle, welche zuerst „NeoParadise“, nachfolgend „Circus Halligalli“ und endend in Olli Schulz‘ eigener ProSieben Show „Schulz In The Box“ auslöste, zu surfen. Klar, auch dieses Album hatte, wie jedes Olli Schulz Album, fantastische Songs. Ich dachte, du bist es ist nur eines der Beispiele, doch im Ganzen schien das alles ein wenig zur Comedyveranstaltung zu verfallen.

Ganz anders wirkt Feelings aus der Asche. Dieses Album rechnet mit Olli Schulz‘ jüngerer Vergangenheit ab. In Passt Schon! erfährt der Hörer wie es sich anfühlt in einer Rolle zu stecken, in der man gar nicht sein möchte. Selbst wenn es eine Rolle im vermeintlich glamourösen Medienzirkus ist. Ja, Olli Schulz möchte das Recht haben sich auch in so einer Situation beschweren zu dürfen und diesen Kampf mit sich selbst und seinem Umfeld gibt dieser Song perfekt wieder.

Als Musik noch richtig groß war scheint ein wenig die Blaupause für das gesamte Album zu sein. Man merkt jedem einzelnen Song an in welcher Situation und Stimmung er geschrieben wurde und eben dieser Song beschreibt die Liebe zur Musik als Soundtrack zu jeder erdenklichen Lebenslage. Meta feelings. Oder so ähnlich. Großartig definitiv.

Nicht zuletzt die lebendige und spannende Produktion von Moses Schneider macht das Album, neben den Songs, die absolut ohne Ausfälle auskommen, zu einem wirklichen Hörgenuss. Feelings aus der Asche, erneute Selbstfindung des Olli Schulz? Rückbesinnung auf die dinge die wirklich zählen? Kann alles sein. In erster Linie ist es jedenfalls ein sehr gutes Album.