„Wer hat denn jetzt eigentlich den Bachelor gewonnen? Hallo? Wirklich? Niemand?“ Fast schon verzweifelt schaut der junge Mann in Kraftklub-Klamotte um sich und scheinbar kann oder möchte Niemand der entgeisterten Umstehenden ihm diese elementare Frage beantworten. So unsanft kann man also wenige Momente nach einem Konzert wieder in der Realität landen. Danke für Nichts, Jugend von Heute!

Aber nun Spaß bei Seite. Frankfurt ist an jenem Mittwochabend trotz klirrender Kälte und Bachelor-Finale (anscheinend!) vollzählig vorfreudig versammelt, um der mittlerweile nun absolut Jedem bekannten Band Kraftklub, aus dem durch eben diese wieder auf der musikalischen Landkarte platzierten Karl-Marx-Stadt, in der seit geraumer Zeit restlos ausverkauften Jahrhunderthalle zu huldigen.

Kurz nach halb acht tritt in bester Farin-Urlaub-Manier Frontmann Felix auf die Bühne um Support-Act Wanda aus Wien anzukündigen. Die Truppe um Marco Michael Wanda präsentiert u.a. einige Stücke ihres letztjährigen Debütalbums „Amore“ – ob fachkundig sich des langsam auch nach Deutschland geschwappten Hypes um die fünf Herren bewusst oder nicht, wer bei Liedern wie Kairo Downtown, Luzia oder Auseinandergehen ist Schwer und Schickt mir die Post, über die man vielleicht bereits zufällig hierzulande im Rundfunk gestolpert sein mag, tatsächlich dem Impuls widerstehen kann zu tanzen oder wenigstens heimlich mit dem Fuß zu wippen, der ist vermutlich eigentlich schon tot.

Das halbstündige Set präsentiert kompakt das, wofür Wanda scheinbar stehen: Amore auf allen Ebenen – ob sich Bandmitglieder spontan liebkosen und um den Hals fallen oder sich halb ihrer Kleidung entledigen – Amore is all around. Das Publikum irgendwo zwischen verunsichert und begeistert und dennoch bei Wandas populärstem Lied Bologna vereint im Chor. In diesem Sinne: wenn du mich liebst, gib mir Wanda!

Erfreulicherweise bereits eine halbe Stunde später schallt ACDCs Back in Black durch den Raum, der schwarze Vorhang, der nach Wanda die Bühne verdeckte, fällt und die ersten Töne von Für Immer eröffnen den Abend. Direkt gefolgt von Über-Hits des Debüts „Mit K“ – Eure Mädchen und Ich will nicht nach Berlin. Man scheint das Publikum langsam live in diesem größeren Rahmen an das Nachfolgewerk „In Schwarz“ heranzuführen wollen, das den Mittelteil des Sets dominiert, dem aber wiederum ein Hyper-Medley aus Ritalin/Medikinet/Melancholie/Liebe/Zu jung/Kein Liebeslied und Lieblingsband (Oh Yeah) entgegengesetzt ist – unmöglich festzustellen, wo genau die Sympathien des Publikums liegen. Wirklich jedes einzelne Lied wird euphorisch abgefeiert und das gesamte Publikum tanzt im Konfettiregen, während die Band, angeführt von Frontmann Felix, der verschmitzt grinsend wie eh und je, souverän ausnahmslos jedem Besucher das Gefühl vermittelt direkt angesprochen zu werden, nicht nur unverschämt cool ihr Programm durchziehen, sondern sogar Abend für Abend beim Wett-Stagediven im wahrsten Sinne des Wortes ultimative Publikumsnähe beweisen.

Das Prinzip mit K funktioniert in leicht abgeänderter Form weiterhin reibungslos. Haters gonna hate. Dann doch lieber alle Mann bei Kraftklub, als bei einem der diversen perfekt polierten Pop-Produkte „von Nebenan.“ Auch wenn sich die veränderten Publikumsstrukturen ab und an etwas bemerkbar machen, bei Randale wird auch der letzte ahnunglose Gelegenheitskonzertbesucher zum Sitzen und anschließender Extase gezwungen. So wie das eben sein muss.

Wie der gesamte Abend und das finale Outro, Funky von Tic Tac Toe, beweisen, bleiben Kraftklub sich nicht „selbst treu“, um an dieser Stelle zweckentfremdetes, komplett abgegriffenes Vokabular zu vermeiden, sondern Kraftklub bringen ihr Ding souverän in einen größeren Rahmen und bleiben funky. Und ja, diese Referenz ist wohl ausschließlich für Leute, die auch wissen wer Bernd Bass ist.