Veranstalter DEAG hat auf die brodelnde Gerüchteküche reagiert und das Rauschen im Onlineblätterwald bestätigt: Weil der Nürburgring vertragsbrüchig geworden sei, schaue man sich nach einem anderen Standort für die Der Ring – Grüne Hölle Premiere um. Die Gelsenkirchener Schalke Arena sei eine solche Alternative – eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Existenzgefährdend für Der Ring sei die Situation aber nicht.

In gerade einmal 59 Tagen will die Deag mit Der Ring und der Hilfe der Headliner Metallica, Muse und KISS Festivalgeschichte schreiben. Eigentlich war der Nürburgring, Exheimat des Rock am Ring Festivals, als Austragungsort fest eingeplant. Jetzt aber kokettiert die DEAG mit einem Umzug nach Gelsenkirchen in die dortige Schalke Arena.
Zumindest namenstechnisch würde man damit wieder mit der Konkurrenz gleichziehen. Denn Rock am Ring auf dem Flugplatz in Mendig hat auch nichts mehr mit einem Ring zu tun. Verkaufstechnisch dagegen ist der Zug längst abgefahren. Rock am Ring hat knapp 90000 Karten absetzen können, Der Ring -so munkelt man- etwa 10000.

Oligarchen Einstieg beim Nürburgring gefährdet Partnerschaft

Durch Verwerfungen bei den Ring Eigentümern, sei die Partnerschaft zwischen Rennstrecke und Veranstalter nun in Frage gestellt. So sei vereinbart gewesen, dass DEAG und Betreiber Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) jeweils 50 Prozent der Kosten übernehmen. In einer heute veröffentlichten Information bekräftigt die DEAG allerdings, dass der Teilhaber noch keinen Cent seines Anteils geleistet habe. Zwischen den Zeilen liest man, dass er angesichts verfehlter Besucherziele auch wenig Lust verspürt, daran etwas zu ändern. Zumal sich abzeichnet: Die Premiere von Der Ring wird tiefrote Zahlen schreiben.

Beim SWR spricht man immer wieder von lediglich 7500 verkauften Tickets für Der Ring.
800.000 Euro Einnahmen aus dem Kartenverkauf sollen Ausgaben von 4,8 Millionen Euro (Stand Ende März 2015) gegenüberstehen. Knapp 4 Million sollen allein an die rund 70 teilnehmenden Bands überwiesen werden.

Primärziel DEAG: Druck auf CNG verstärken

Für die DEAG ist die Nichtleistung des Veranstaltungspartners Grund genug die Ungereimtheiten der Partnerschaft jetzt öffentlich zu machen und damit den Druck auf die CNG zu verstärken.
Als Druckmittel soll auch eine Klausel dienen, die sich mit dem Vertragsbruch beschäftigt. Sie soll nach dem Einstieg des russischen Oligarchen in den Vertrag zwischen DEAG und CNG aufgenommen worden sein.

[Edit: Berichtigung! Es handelt sich um nicht um einem Vertrag zwischen DEAG und CNG, sondern einen von der DEAG abgeschlossenen Versicherungsvertrag nach dem Eintritt des russischen Investors beim Nürburgring. Die Versicherungspolice wurde damals um eine „Breach Of Contract“ Klausel erweitert, die die DEAG gegen einen Vertragsbruch der CNG versichern soll – bis hin zu einem Betrag von 7,5 Million Euro!]

Folgerichtig heisst es vorerst auch nur: In Sachen Umzug nach Gelsenkirchen noch keine finale Entscheidung getroffen.
Einwurf meinerseits: Viel Zeit kann man sich dafür nicht mehr lassen. Es drängen sich Fragen: Wie soll ein dreitägiges Event in so kurzer Zeit konzeptionell von Rennstrecke auf Stadion umgemodelt werden? Spielen da die Behörden mit? Wo sollen die Festivalisten campen? Wird das Camping gar gestrichen wie beim südlichen Zwilling Rockavaria? Würde die Schalke Arena .mit dem Minus vor Augen- tatsächlich einen ähnlich hohen Anteil der Gesamtkosten übernehmen wollen? Oder hofft die DEAG vor Gericht Geld vom Nürburgring einklagen zu können? Fragen über Fragen.
Wie viele Festivalisten geben bei einem Umzug ihre Tickets zurück? Wie viele Leute kommen überhaupt noch? Schliesslich wurde Marek Lieberbergs Rock im Pott in eben jener Schalker (Hallen)Arena nicht zuletzt auch wegen mangelndem Interesse der Region gestrichen.

Ganz egal wie sich die Situation entwickelt: Bei der DEAG scheint man fest entschlossen, Der Ring durchzuziehen. Egal wo. Die Wirrungen um Der Ring sollen ferner keinerlei Einfluss auf die ebenfalls von der DEAG verantworteten Rockavaria, Rock in Vienna und das schweizer Sonisphere haben.

Sicher scheint auch: Selbst wenn Der Ring dieses Jahr zu einer Übereinkunft mit den Nürburgringeignern kommen sollte. Die Beziehung wäre vergiftet, ein zweites Der Ring am Nürburgring mehr als unwahrscheinlich. Zumal dann, wenn die Veranstaltung tatsächlich derbe floppt.

DEAG spricht von 150000 verkauften Tickets im DACH-Raum

Für Rockavaria und Rock in Vienna seien laut DEAG bisher 50000 Karten abgesetzt – was „oberhalb der Erwartungen“ läge. Für die Schweizer Sektion des DEAG Portfolios mit Sonisphere, Rock The Ring, Die Toten Hosen Open Air und Openair St. Gallen seien bereits über 100000 Tickets an den Festivalisten gebracht worden.