„This is called Slow Show, don’t play it at your wedding ’cos … it references my dick“, soll Matt Berninger, Sänger von The National gesagt haben. Was also soll man erwarten von einer Band, die eben jenes Lied als Bandnamen wählte? Definitiv mehr als eine bloße Kopie der Inspirationsgeber, wie ein Konzert im Berliner Privatclub zeigte. 

Dabei sind zunächst die Ähnlichkeiten unverkennbar: Meistens geht es um die Liebe, erzählt wird mit fantastischer Bariton-Stimme, dezent im Hintergrund begleitet mit Streichern und Trompete. Während aber Matt Berninger auf der Bühne herumtigert, Weingläser zerschellen lässt und all seine Wut in den lauten Momenten eines Konzerts ins Mikrofon schreit, bleiben The Slow Show bei einer den ganzen Raum einnehmenden Melancholie.

Kein Zufall, dass das Reisen zur rahmenden Metapher des Konzertes wird. Es startet mit „Long Way Home“, am Ende lässt der Sänger das Publikum „Everybody’s Home Now“ mitsingen (er bedient sich dabei am Lied „God Only Knows“). Dazwischen wird das Konzert getragen vom typischen Indie-Sound, der um orchestrale Elemente bereichert wird. Wüsste man nicht, dass der Chor vom Band kommt („Dresden“), dass eine Musikerin alleine die Streicherarrangements beisteuert und dass man gerade im stickig engen Privatclub in der Skalitzer Straße steht, könnte man sich für kleine Momente im Konzerthaus wähnen. Doch dann holt einen der Sänger schwerst sympathisch zurück auf die Ebene der Popmusik. Auf ein „I love you“ aus dem Publikum reagiert er mit einem „The next song is for you“. Ab und an schleicht er bis an den Rand der ohnehin nicht hohen Bühne. Nach Konzertende gibt es erst einmal eine Umarmung eines Gastes, bevor die Band am Publikum vorbei die Bühne verlässt. Das schafft Nähe und eine gewisse Sympathie.

Eine Band, die sich nach einem The National Song benennt und ein bisschen wie The National klingt, wird sich an The National messen lassen müssen. Und kann dabei eigentlich nur scheitern. Genauso droht sie am Zweitwerk nach dem Indieblog-gefeierten Debüt zu scheitern. Hier wünscht man sich das Gegenteil, um die Band dann, irgendwann, mit einem weiterentwickelten, eigeneren Klang auf größerer Bühne wiedersehen zu können. Dann vielleicht sogar mit Orchester.